„Ich hätte mir gewünscht, eine solche Steuererhöhung zu vermeiden“

War ihre Sparliste am Ende nur Taktik, um die Steuererhöhung als das kleinere Übel erscheinen zu lassen? Was Sie an Streichungen vorgeschlagen haben, kann doch kein OB ernsthaft wollen.

Wir als Verwaltungsvorstand wollten ganz bewusst einen Vorschlag machen, wie sich die fehlende Summe von knapp elf Millionen Euro ohne Steuererhöhung einsparen lässt. Ich hätte mir gewünscht, eine Steuererhöhung in diesem Umfang zu vermeiden. Aber ich habe volles Verständnis für den Weg, den die Politik gegangen ist. Sie hat sich diese Entscheidung sicher nicht leicht gemacht.

Aber eine Steuererhöhung ist doch der leichteste Weg.

In allen Kommunen mit einem Haushaltssicherungsplan werden die Steuern erhöht. Das zeigt doch, wie dünn die Luft ist. Es gibt nichts mehr zu sparen – schon gar nicht so, dass die Bürger davon nicht betroffen sind. Solange die Kommunen weiter Bundes- und Landesbeschlüsse ausführen müssen, ohne dafür auch das Geld zu bekommen, befinden wir uns in einer Vergeblichkeitsfalle, dagegen kann man kaum ansparen. Deshalb richten wir weiter unseren Appell an den Bund, der aber leider noch nicht so aufgenommen wurde, wie es nötig wäre. Das wird sich irgendwann auszahlen. Dennoch müssen wir natürlich auch unseren eigenen Beitrag leisten.

Duisburg nimmt mit seinen Steuersätzen jetzt schon eine Spitzenposition ein. Die Bürger haben dafür wenig Verständnis, wie die vielen Unmutsäußerungen zeigen.

Ich kann das verstehen – als Oberbürgermeister und als Duisburger. Es gibt aber letztlich nur zwei Möglichkeiten: das Einsparen von Leistungen oder das Erhöhen von Steuern. Beides scheint gleichermaßen unbeliebt zu sein.

Müssen sich die Bürger in den kommenden Jahren noch auf weitere Entbehrungen einstellen?

Bis wir 2021 den Haushaltsausgleich ohne Landeshilfe schaffen, liegt noch ein hartes Stück Arbeit vor uns. Womöglich wird es noch einige Entbehrungen geben. Aber dass wir mit der Landeshilfe in 2016 nach Jahrzehnten erstmals wieder den Haushaltsausgleich schaffen, das ist doch schon bemerkenswert. Das zeigt, dass wir die Kraft haben und deshalb bin ich in dieser Hinsicht optimistisch. Aber ich bin trotz aller Sparrunden überzeugt, dass unser kommunales Angebot nach wie vor gut ist. Die Duisburger können deshalb auch frohen Mutes ins neue Jahr gehen.

Was dürfen die Duisburger denn vom neuen Jahr erwarten?

Das Stadtfenster, die neue Heimat von Bibliothek und VHS, wird ebenso eröffnen wie der kleine Saal der Mercatorhalle. Und Ende 2015 wird dann der Neubau auf dem ehemaligen Bibliotheksareal an der Düsseldorfer Straße beginnen. Das ist auch ein Zeichen, dass wir für Investoren verlässliche Partner sind. Nicht zuletzt beginnen im vierten Quartal dann auch die Bautätigkeiten an der Bahnhofsplatte. Bei den Rettungsdienstgebühren hat sich gezeigt, dass der Einsatz externer Kräfte genau der richtige Weg war. Die Rückstände gehen endlich deutlich zurück, im nächsten Jahr werden wir die 14 Millionen Euro an Außenständen wieder eingeholt haben. Und im Sommer könnten wir aus sportlicher Sicht vielleicht ja sogar mit dem MSV endlich wieder einen Aufstieg feiern. Die Chance und das Potenzial hat die Mannschaft jedenfalls.

Ihnen kommt beim MSV nach der Satzungsänderung ja auch noch eine neue Rolle zu: Sie werden als Vorsitzender des MSV-Wahlausschusses den neuen Vorstand vorschlagen. Haben Sie schon jemanden im Blick?

Dazu will ich nur soviel sagen: Ich führe bereits Gespräche. Der Ausschuss hat eigentlich bis Ende Januar Zeit, um einen Vorschlag zu unterbreiten. Aber so lange will ich nicht warten, wir wollen frühzeitig unseren Vorschlag benennen.