Humor und klare Kante
17.09.2010 | 19:42 Uhr 2010-09-17T19:42:00+0200
Duisburg.Humor hört für Ahmed Aboutaleb, dem in Marokko geborenen muslimischen Bürgermeister von Rotterdam, in der Moschee nicht auf.
Als Zehra Yilmaz ihm erläutert, dass türkische Frauen nur selten in die Moschee gehen, scherzt er: „Wahrscheinlich gehen sie lieber in den Brautläden shoppen.“ Zehra Yilmaz lacht mit. Anschließend amüsieren sich die beiden darüber, dass der Ramadan-Markt, der in den Holzhäuschen vor der Ditib-Moschee in Marxloh abgehalten wird, dem Weihnachtsmarkt ebenso abgeguckt ist wie der Ramadankalender (mit 30 Türchen) dem Adventskalender.
Der Bürgermeister war am Freitag nach Marxloh gekommen, um Kunstprojekte von Niederländern zu besuchen. Schließlich sind niederländische Künstler wichtige Partner der Kulturhauptstadt. Marxloh interessiert ihn aber auch und ganz besonders, weil Integrationsfragen hier ein ähnlich große Rolle spielen wie in Rotterdam-Süd.
Und bei diesen Fragen hat Aboutaleb eine klare Linie: Menschen haben die freie Wahl, in die Niederlande zu kommen; sie sind willkommen zu lernen, zu studieren, zu arbeiten. Aber wer nein sage zum politischen System und zur offenen Gesellschaft, habe auch das Recht zu gehen. „Treffe deine Entscheidung und lebe danach“, sagt Aboutaleb den Zuwanderern.
Er fragt im Medienbunker, wo er unter anderem von Ruhr-2010-Direktorin Asli Sevindim sowie Mustafa Tazeoglu und Halil Özet vom Medienbunker begrüßt wird, ob es ein Gymnasium in Marxloh gebe. Aboutaleb findet eine hohe Bildungsqualität für Zuwander wichtig. Ihm wird berichtet, dass der beste Abiturient am Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium in diesem Jahr ein Junge mit türkischem Hintergrund war: Durchschnitt 1,0.
Als „wichtiges Symbol für die Integration und Akzeptanz des Landes“ bezeichnet Aboutaleb, dass es in Marxloh einen moslemischen Friedhof gibt. Und auch, dass inzwischen Häuser und Wohnungen von Zuwanderern gekauft werden, sei ein gutes Zeichen.
Gegenüber der Moschee besucht er eine besondere Fotoausstellung: Otto Snoek hat Türken und Nicht-Türken in Rotterdam, Istanbul und Deutschland fotografiert und die Bilder auf einem Holzgerüst installiert. Und siehe da: Nach Unterschieden zwischen Menschen und Städten muss man suchen. „Es ist nicht so wichtig, wo sie sind, sondern wie sich die Menschen fühlen“, erläutert Snoek sein Anliegen. Umgesetzt hat die Installation mit Hilfe der Immobiliengesellschaft Immeo, deren Direktor Walter Ziegler berichtet, dass das Unternehmen Projekte fördert, die das Miteinander verbessern.
Beim Blick auf die Brachfläche vor der Moschee und die dahinter liegende Kirche gibt Aboutaleb noch eine Kostprobe seines Humors: Wenn man hier eine Synagoge baue, entstehe ja das neue Jerusalem...

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