Hüttenheim – ein Stadtteil wird hundert

Auftakt zum Jubiläumsjahr:   Harald Molder (l.) und  Reinhold  Stausberg  zeigen in der Bezirksbibliothek Buchholz die Ausstellung "100 Jahre Hüttenheim".
Auftakt zum Jubiläumsjahr: Harald Molder (l.) und Reinhold Stausberg zeigen in der Bezirksbibliothek Buchholz die Ausstellung "100 Jahre Hüttenheim".
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Ein Stadtteil mit bewegter Geschichte. Gebaut für die Arbeiter des neuen Schulz & Knaudt-Stahlwerks, kontinuierlich erweitert und 1984 kurz vorm Abriss.

Duisburg-Hüttenheim.. Ein Stadtteil wird 100 Jahre alt. Die Queen war da, ebenso Bundespräsident Heuss. Gewichtheber Rolf Milser begann hier seine Karriere, Nikolaus Schneider, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche, wuchs in Hüttenheim auf. Harald Molder von der Zeitzeugenbörse hat die Geschichte des Stadtteils zusammengetragen. Seine Ausstellung mit Bildern aus der Sammlung von Reinhold Stausberg ist ab heute in der Bezirksbibliothek Buchholz zu sehen.

1909 hatte Schulz-Knaudt seinen Firmensitz von Essen nach Huckingen verlegt und dort ein neues Stahlwerk eröffnet. Die Arbeiter mussten irgendwo wohnen. Also kaufte die Firma dem Grafen von Spee Ackerland ab und baute dort ab 1911 eine Werkskolonie. „Weil es so abgeschieden lag, nannte man die Siedlung anfangs Kakabulla Negerdorf“, erzählt Harald Molder.

1912 zogen erste Familien ein

Ende 1912 zogen die ersten hundert Familien ein. Das Stahlwerk, das 1914 an Mannesmann überging, wurde beständig erweitert und mit ihm die Siedlung. Ein lebendiges Stadtteilleben entwickelte sich - ein Zustand, von dem die Hüttenheimer heute nur träumen können. Geschäfte, sogar ein „Vergnügungsviertel“ mit Kino, Gaststätten und Eiscafés, entstanden. Die Gaststätte Lösken mauserte sich zum Dreh- und Angelpunkt. Hier traf man sich zum Schwofen, hier versammelten sich die neuen Vereine: die Schwimmer und Laienspieler, die Angler und Sänger. Überdauert haben nur die Schützen und der VfL Hüttenheim.

Der Uhrenturm an der Rosenbergstraße, eine feste, weithin sichtbare Größe, erlebte eine wechselvolle Geschichte. Mal waren im Turm englische Kriegsgefangene untergebracht, in friedlichen Zeiten, 1966, gründete sich dort die Künstlergruppe „Turm 66“.

Verheerende Zerstörung im Frühjahr 1945

Erster und Zweiter Weltkrieg, NS-Zeit, verheerende Zerstörung im Frühjahr 1945. Dann der Wiederaufbau. Im Februar 1950 kam Bundespräsident Heuss zum Neustart des ersten Hochofens. Die Hausfrauen mussten die Wäsche reinholen, wenn sich die braune Wolke vom Stahlwerk über die Gärten legte, mitunter dreimal am Tag.

Für sportliche Höhepunkte sorgten die Ringerstaffel unter Mattes Staub und das Radrennen „Rund um Hüttenheim“. 1969 wurde das damals schik­ke Hallenbad Süd eröffnet.

Und dann: Abbau von Ar­beitsplätzen, Streiks, Leerstand und Vernachlässigung der Bausubstanz. 1962 lebten 5500 Menschen in Hüttenheim. 1984 standen 300 der 530 Wohnungen leer. Viele Türken, die dort in letzten Jahren gewohnt hatten, waren in ihre Heimat zurückgekehrt.

Siedlung wurde unter Denkmalschutz gestellt

Eine hartnäckige Bürgerinitiative um Georg Behrend bewahrte 1986 die alte Kolonie vorm Abriss. Die Siedlung wurde unter Denkmalschutz gestellt und renoviert.

Mittlerweile haben sich auch wieder einige junge Paare in Hüttenheim angesiedelt. „Die Siedlung verjüngt sich und hat hoffentlich weiter Bestand“, so Harald Molder.