Hoher Preis für Entscheidungen

U.  nerbittlich zerlegte die Riesenzange des Fällkrans die Platanen an der Mercatorstraße. Ja, das sah brachial aus und trieb Fällgegnern auch Tränen in die Augen. Dass Sitz-Protestler von der Polizei weggetragen werden mussten, ist auch kein gutes Bild.

Doch wer hat diese Bilder geschaffen? Allein die Stadt, die brachial altehrwürdige Bäume niederlegen ließ, Polizeihundertschaften gegen aufgebrachte Naturschützer anforderte und sich über den Bürgerwillen hinwegsetzte? Politische Vertreter der Ratsopposition, die gegen die Pläne stimmten, kommunizieren es so, für Umwelt-Aktivisten etwa des BUND sieht es nicht anders aus, aber auch vielen buchstäblichen Zaungästen und denjenigen, die bereits ihre Unterschriften für ein nun hinfälliges Bürgerbegehren gegeben haben, scheint es so. Vielen geht es dabei nicht mehr allein um die Bäume, sondern um Demokratieverständnis und Bürgerwillen.

Doch wurde da wirklich Demokratie mit Füßen getreten? Dokumentiert der Widerstand von einer zweistelligen Anti-Fäll-Phalanx tatsächlich breiten Widerstand der Bürgerschaft. In den sozialen Netzwerken gibt es – für ein solch strittiges und auch emotionales Thema ungewöhnlich – auch zahlreiche Befürworter der Fällung und Kopfschüttler zu den Protesten.

Die Baumfällung als Teil und Voraussetzung für die Umgestaltung des Bahnhofsplatzes wäre mit oder ohne Bürgerbegehren nicht ohne Widerstände geblieben, egal ob die Bäume gestern, morgen oder in einem halben Jahr abgesägt werden. Das ist der Preis für Entscheidungsprozesse und von mehrheitlichen Beschlüssen. Diejenigen, die gegen etwas sind, haben nicht immer nur Recht. Wie man auf seinem Recht besteht, ist eine andere Frage. Vorerst stehen an der Mercatorstraße nur Verlierer. Das mag sich mit einem neuen Platz ändern.

Klar ist jetzt eine politische Konsequenz: Alle Planspiele zu einem rot-rot-grünen Ratsbündnis haben sich jetzt erledigt.