Hoffnung auf ein eigenständiges Leben

Die Lebenshilfe hat, unterstützt durch die Stadt Duisburg, an der Fischerstraße in Wanheimerort ein Autismus-Therapiezentrum eröffnet. „Autismus ist keine Krankheit, seine genaue Ursache wird noch erforscht“, sagt Claudia Bellok. „Es gibt keinen Autisten, der einem anderen ähnelt“, erklärt die Pädagogin und Autismusfachkraft bei der Lebenshilfe Duisburg.

Dennoch nehmen alle Menschen mit dieser angeborenen Entwicklungsstörung die Welt anders wahr, begreifen sie anders. Deshalb weisen die Betroffenen häufig Defizite bei der Kommunikation und bei sozialen Fähigkeiten auf. Zudem kommen sie nur schlecht mit Veränderungen in ihrem Alltag klar.

„Wir wollen diese Verhaltensauffälligkeiten auf ein erträgliches Maß reduzieren und den Betroffenen ein zufriedenes, eigenständiges Leben ermöglichen“, beschreibt Lebenshilfe-Geschäftsführer Michael Reichelt die Ziele der neuen Einrichtung in Wanheimerort. Bei der Therapie werde daher das gesamte Umfeld eines Autisten berücksichtigt. Bei Kindern vor allem die Eltern. „Wir möchten nicht nur in die Familien gehen, sondern auch gerne in die Kindergärten, in Schulen, die Werkstatt und den Tauchclub“, ergänzt Bellok. Für einen Erfolg – etwa eine Regelschule zu besuchen, einen Job zu finden oder eine glückliche Ehe zu führen – brauche es ein maßgeschneidertes Therapiekonzept.

Oft könne die sogenannte „Teacch“-Methode helfen, die den Autisten mit Bildkarten Zusammenhänge und Prozesse verdeutlicht: Wie ein gedeckter Frühstückstisch mit Aufschnitt aussieht oder wann man in der Schule leise ist.

Wichtig sei, dass das Umfeld die Autisten nicht nur nach ihren Defiziten beurteile, sondern auch ihre Stärken heraushebe. „Die Industrie öffnet sich für Autisten, weil sie pünktlich sind und Aufträge penibel und korrekt erledigen“, sagt Bellok. Zudem seien sie sehr gut in Mathematik.

Ab Mai bietet die Lebenshilfe erste Therapien an. „Nach zwei Jahren sollten alle Beteiligten adäquat mit Autismus umgehen können“, sagt Reichelt. „Vielfach kommen Autisten aber auch ohne Therapie mit ihrer Umwelt zurecht“, viele wären sogar noch nicht diagnostiziert. Oft sei Förderung jedoch nötig, und Duisburg könne derzeit die Nachfrage nicht abdecken. Daher plant die Lebenshilfe bereits ein weiteres Zentrum in Marxloh.