Hörspiel im Steinhof: „Mord in Aspik“
25.10.2010 | 17:27 Uhr 2010-10-25T17:27:00+0200
Duisburg.Die historischen Mauern des Alten Steinhofs werden in den vergangenen Jahrhunderten schon so manches Mal Zeuge derber Schauspiele gewesen sein. Kai Magnus Stings „Leichenpuzzle“ gehörte nur in wenigen Momenten in diese Kategorie.
Stattdessen liefert der Meister des undurchschaubaren Satzbaus das ab, was man von ihm gewohnt ist – Humoristisches der Extraklasse. Schon bevor sich die erste Pointe ihren Weg in den prall gefüllten Zuschauerraum bahnt, sind beim Publikum höchste Erwartungen geweckt. Mit Henning Venske, Jochen Busse, Jochen Malmsheimer, Andreas Obering und Christiane Weber hatte sich Sting ein hochkarätiges Hörspiel-Ensemble zusammengestellt. Für die passende musikalische Untermalung, die nicht selten ebenso viele Lacher auf ihrer Seite hatte wie die sprechenden Protagonisten, sorgen die Philharmonixx. Oboe, Schlagzeug und Fagott spielen sich mit ihren launigen Passagen sofort ins Herz des Publikums.
Das humorige Hörspiel aus der Feder von Kai Magnus Sting fesselt seine Zuhörer von der ersten bis zur letzten Silbe. Der Selbstmord Werner Zimmermanns oder, wie es das greise Hobby-Ermittler-Trio nennt, „die Affäre Zimmermann“, bildet dabei den Ausgangspunkt für eine Vielzahl kurioser Wendungen, witziger Anekdoten und detailliertem Schwachsinn.
Doch wo immer das Publikum auf „eine Melange aus Blut und Hirnmasse“ stößt, wartet wenige Augenblicke später der auflockernde Lacher. Von Minute zu Minute verstrickt Sting das Auditorium in eine Kriminalgeschichte, die trotz ihrer Skurrilität zu begeistern weiß. Auf feingeistige Anekdoten folgt nicht selten die grobschlächtige Humorbrechstange – nur eine von zahlreichen Spezialitäten aus dem Hause Sting. Immer tiefer zieht Erzähler Henning Venske, der schon in der Sesamstraße oder dem Tatort brillierte, die Zuschauer hinab in den Sog des Verbrechens. Drogen verkaufende Lehrer, zerstückelte Leichenteile und in Einmachgläsern eingelegte menschliche Körperteile – „Leiche in Aspik“ – rundeten das groteske Hörspiel ab.
Zu seinem 15-jährigen Bühnenjubiläum ist Kai Magnus Sting mit seinem Leichenpuzzle ein feines, aberwitziges Hörspiel gelungen, das jedoch auch von der Klasse seiner Sprecher lebt. Dass der begeisterte Applaus zum Ende der Vorstellung kein tosender war, mag vielleicht dem äußerst abrupten Ende der Kriminalstory geschuldet sein.

21:51
@ CaDuVip
Danke für Ihren Hinweis! Interessante Seite.
Ich kann mir vorstellen, dass ich dort etwas verpasst habe.
Hörspiele hört man ja bekanntlich im Hörfunk oder vom Tonträger, alles nur akustisch. Aber ganz neu ist mir die Art des hier vorliegenden Projekts nicht.
Vor einigen Jahren hatte ich eine Einladung in die Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn. Sollte dort eines meiner Hörspiele zum Thema Aidstest den Inhaftierten vorstellen. Gedacht war an eine CD mit anschließender Diskussion. Um es für die gefangenen Männer interessanter zu präsentieren, trat ich ebenfalls mit mehreren Protagonisten auf. Durch verteilte Rollen wurde alles lebendiger und war ein Erfolg. Ich war sehr überrascht.
Aktuell wurde ich gebeten, im Literaturbistro der Duisburger Stadtbibliothek einige meiner Hörspiele vorzustellen. Vielleicht wiederhole ich diese Art der Präsentation.
11:08
@1 schauen Sie doch mal auf die Seite vom Steinhof
http://www.steinhof-duisburg.de/
es gibt da einen Newsletter.
Und ich muß noch sagen,Sie haben echt etwas
verpaßt.
19:49
Schade, dass mir dieser Termin entgangen ist, obwohl der „Steinhof“ bei mir um die Ecke ist. Selbst seit 25 Jahren Hörspielautor, hätte mich diese Veranstaltung mit dem Stück von Kai Magnus Sting doch sehr interessiert. Auch anbetracht der guten Besetzung!