Das aktuelle Wetter Duisburg 19°C
Literatur

Hochkomik aus der deutschen Verseschmiede

29.10.2009 | 19:01 Uhr
Hochkomik aus der deutschen Verseschmiede

Harry Rowohlt und Christian Maintz lesen in der Reihe "Poesie Palast Ruhr 2009". „Lieber Gott, Du bist der Boss. Amen. Dein Rhinozeros” lautete der vielversprechende Titel der gut besuchten Veranstaltung.

Dass das Werk „1000 Jahre deutscher Humor” zusammen mit „Italienische Heldentaten” und „Britische Kochkunst” zu den dünnsten Büchern der Welt gehört, könnte ein Irrtum sein. Das weiß zumindest der Germanist Christian Maintz, der sich jetzt mit Harry Rowohlt in der Stadtbibliothek den Klassikern der komischen Lyrik widmete.

„Lieber Gott, Du bist der Boss. Amen. Dein Rhinozeros” lautete der vielversprechende Titel der gut besuchten Veranstaltung. Eine Miniatur von Robert Gernhadt, der als prominenter Vertreter der Neuen Frankfurter Schule einer der viel zitierten Stars dieser Lesung war.

In der Reihe „Poesie Palast Ruhr 2009” hatte Gerd Herholz vom Literaturbüro Ruhr mit seinen Gästen eine sehr gute Wahl getroffen. Während Christian Maintz sehr kompetent über Geschichte und Theorie der reichen deutschen Lyrik informierte, durfte sein Hamburger Freund und Literaturbühnen-Star Harry Rowohlt die von ihm geschätzten Klassiker rezitieren.

Wie Christian Maintz sagte, sei der Lyriker meistens keineswegs ein heiterer Mensch, sondern beziehe seine komische Energie aus einer intellektuellen Distanz zum oft schwierigen Alltag. So habe der schwerkranke Heinrich Heine sein Spätwerk vorwiegend leidend in seiner „Matratzengruft” geschrieben.

Harry Rowohlt, schauspielerisch hochbegabter und geschätzter Übersetzer englischsprachiger Literatur sowie Verfasser der legendären ZEIT-Kolumne „Pooh's Corner”, präsentierte höchst hinterfotzig und mit bisweilen bebender Stimme Texte von F. W. Bernstein, Ringelnatz, Heinrich Heine, Wilhelm Busch und Ernst Jandl, die der normale Gymnasiast im Fache Deutsch leider meistens nicht kennenlernen darf.

„Der Wal vollzieht den Liebesakt zumeist im Wasser und meist nackt” heißt es etwa bei Robert Gernhardt, der wie seine Kollegen F. K. Waechter und F. W. Bernstein in den 70ern noch von der Literaturkritik als Produkt unseriöser Subkultur behandelt wurde. Zum Thema „Alkohol”, der von Rowohlt inzwischen auf der Bühne gemieden wird, gibt es da besonders schöne Beispiele, so auch bei Wilhelm Busch. Aber der gut aufgelegte Rowohlt präsentierte sich in diesem Kontext auch selbst als Dichter: „Tief im Innern hofft der Specht, dass einer für ihn blecht.” Das begeisterte Publikum dankte den beiden Botschaftern der literarischen Hochkomik mit viel Beifall.

Thomas Becker

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/57242/create

Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

Captcha

Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld:

Wort unleserlich? (Neuladen)

 
Aktuelle Fotos und Videos
Schützenfest in Großenbaum
Bildgalerie
Schützenfest
Kanu Worldcup
Bildgalerie
Wassersport
Aus dem Ressort
Netto-Chefs loben nach Einbruchserie Belohnung aus
Festnahmen
Seit acht Wochen beobachtet die Polizei vermehrt Einbrüche in Duisburger Filialen des Discountmarktes Netto. Die Geschäftsleitung hat eine Belohnung von 3000 Euro ausgesetzt. Sonntagnacht erwischten Polizisten zwei junge Einbrecher in einer Filiale in Meiderich.
Demonstration für ein soziokulturelles Zentrum in Duisburg
Kulturzentrum
Die Initiative „DU it yourself“, die 2011 die leer stehende Schule in Duisburg-Laar besetzt hatte, kämpft weiter für ein soziokulturelles Zentrum in der Stadt. Am 1. Juni rufen die Aktivisten deshalb zu einer Nachttanzdemo auf, die ab 19 Uhr vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt nach Hochfeld zieht.