Hochhaus für einen Euro - "Weißer Riese" wird versteigert

Das Schild ist unmissverständlich. Wegen der Einsturzgefahr konnte der Wertgutachter auch nur nach Aktenlage und äußerem Augenschein entscheiden. Hinein traute er sich aus gutem Grund nicht.
Das Schild ist unmissverständlich. Wegen der Einsturzgefahr konnte der Wertgutachter auch nur nach Aktenlage und äußerem Augenschein entscheiden. Hinein traute er sich aus gutem Grund nicht.
Was wir bereits wissen
Der „Weiße Riese“ an der Ottostraße 24 wird zwangsversteigert. Der Gutachter räumt dem Haus auf dem Markt keine Chance ein. Verkehrswert: 1 Euro.

Duisburg.. Das riesige Gebäude, in dem einst 320 Wohnungen zur Verfügung standen, bietet seit Jahren ein Bild des Jammers: Es hat keine Fenster mehr, die Türen sind zugemauert. Schon 2004 war der „Weiße Riese“ an der Ottostraße 24 bis 30 in Homberg-Hochheide aufgrund einer Ordnungsverfügung der Stadt leer gezogen worden, musste gesichert werden. Nun kommt das Hochhaus unter den Hammer. Die Zwangsversteigerung findet am 19. August um 9 Uhr in der Nebenstelle des Amtsgerichts Duisburg an der Kardinal-Galen-Straße fest.

Das Wertgutachten für das Objekt, das ein Diplom-Sachverständiger aus Neudorf erstellt hat, legt einen Verkehrswert von einem Euro zu Grunde. Ein gutes Geschäft für 160 dreieinhalb und 160 zweieinhalb Zimmer-Wohnungen auf einem 15.836 Quadratmeter großen Grundstück? Wohl kaum. Denn wer auch immer es erwirbt, macht nach Expertenmeinung des Gutachters ein Verlustgeschäft.

19 Millionen Euro wären wohl für Sanierung erforderlich

Mehrere klassische Bewertungsmethoden schieden aus, weil in den letzten Jahren keine vergleichbaren Häuser in der Umgebung den Besitzer wechselten. Bei der Ertragswertermittlung geht der Gutachter immerhin noch von rund 12 Millionen Euro vorläufigen Einnahmemöglichkeiten aus. Die kommen allerdings nur zum Tragen, wenn der künftige Eigentümer - vorsichtig geschätzt - mindestens 19 Millionen Euro für die Sanierung aufwendet.

Letztes Mittel: Abriss. Liquidationswertermittlung heißt das im Fachjargon. Und bedeutet in diesem Fall: Da der Bodenwert - der reine Grundstückswert, so als stehe nichts an der Ottostraße - vom Gutachter mit 2,696 Millionen Euro errechnet wurde, der Abriss aber auf drei Millionen Euro geschätzt wird, müsste der neue Besitzer nur ein paar Hunderttausend Euro drauf legen, um das Grundstück nutzen zu können.

Klappt alles wie geplant, wird der neue Besitzer, der den Abriss in Auftrag geben wird, die Stadt Duisburg sein. Weil sie den Wohnpark Hochheide zum Sanierungsgebiet erklärte, hat sie ein Vorkaufsrecht. Der Gutachter räumte dem Objekt denn auch nur noch „außerhalb des gewöhnlichen Geschäftsverlaufs, aufgrund politischer Entscheidungen und mit Hilfe von Fördermitteln“ die Chance ein, den Besitzer wechseln zu können. Bislang gehörte das Gebäude einer inzwischen aufgelösten niederländischen Immobilienfirma.