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Hochemmerich - Alles drehte sich um Krupp

05.12.2010 | 15:00 Uhr
Ingrid Lenders und WAZ-Redakteur Willi Mohrs beim Rundgang durch Hochemmerich. Foto: Geinowski

Duisburg. In die Weite schweift der Blick des Patriarchen, in die Vergangenheit verweist sein Denkmal am Kruppplatz: 1904 wurde vom Essener Stahlkonzern dort die ersten Häuser errichtet.

Und noch heute ist die nach der Unternehmergattin benannte Margarethen-Siedlung das „Herz Hochemmerichs“, wie Ingrid Lenders mir erklärt.Sie wohnt seit 25 Jahren mittendrin, sagt sie: „Und ich habe es noch nicht einen einzigen Tag bereut“. Inzwischen hat auch ihre Tochter eines der Siedlungshäuser erworben.

Hochemmerich sei die „Keimzelle der Stadt Rheinhausen“, und in Rheinhausen drehte sich fast hundert Jahre lang alles um Krupp. In der Margarethen-Siedlung wohnten Arbeiter und Angestellte, im Baustil fein differenziert. Für die Direktoren gab’s eine eigene Villensiedlung in Bliersheim, nah am Werk, weitab von der Belegschaft.

Duisburgs Stadtteile III

Hochemmerich in 60 Sekunden
17.327 Einwohner

Hochemmerich gehört zum Stadtbezirk Rheinhausen und hat nach amtlichen Angaben 17.327 Einwohner, davon sind 8702 weiblichen und 8625 männlichen Geschlechts. Der Ausländeranteil liegt bei knapp 24 Prozent. „Wir sind international“, sagt Ingrid Lenders, „aber es gibt so gut wie keine Probleme. Allenfalls ein Nebeneinander statt des vorteilhafteren Miteinanders.

Hochemmerich ist ein Ursprung der 1934 gebildeten Stadt Rheinhausen, die 1975 nach Duisburg eingemeindet wurde.

Frühe Zeugnisse der Ortsgeschichte weisen auf eine kleine Kirche aus dem 8. Jahrhundert hin. Ein fränkisches Gräberfeld aus dem 5. bis 7. Jahrhundert wurde seit 1928 stückweise erkundet. Die erste urkundliche Erwähnung Hochemmerichs (als Embriki) findet sich in einem Heberegister der Reichsabtei Werden aus der Zeit um 890.

1897 wurde der erste Kruppsche Hochofen angeblasen. das Werk beschäftigte in besten den Zeiten, den 60er Jahren, 16.000 Menschen. 1993 war Schluss bei Krupp.

700 Wohneinheiten umfasst die Margarethen-Siedlung, und wie alle historischen Krupp-Siedlungen (etwa in Essen) ist sie anders als andere. Gartenstädte sollten sie sein, eher große Gartendörfer. Einheitlich der Stil, unterschiedlich die Häuser. Hier Putz, dort Fachwerk, hier Windfang, dort Erker, immer architektonisch liebevoll, immer ist irgendwo an Fassade, Giebel oder Dach etwas zu entdecken, was das Nachbarhaus nicht hat.

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„Die Häuser sind fast alle verkauft“, sagt Ingrid Lenders, gehören nicht mehr Krupp, keiner Immobiliengesellschaft, sondern den Bewohnern selbst. Seit Mai 1979 kümmert sich eine „Interessengemeinschaft Margarethen-Siedlung“ um die Sicherung derselben, vieles habe man Krupp abtrotzen müssen, „hartnäckig, wie wir Rheinhauser sind“. Inzwischen steht die ganze Siedlung unter Denkmalschutz.

Idyllisch schmale Straße erschließen sie, es ist ruhig wie auf dem Lande – und auf einmal ist ein Geruch in der Nase, ganz schwach, aber unverkennbar: Hausbrand. Einer der letzten Kohleöfen der Stadt muss in der Nähe angefacht worden sein.

„Früher gab’s hier reichlich Dreck und Staub“, erinnert sich Ingrid Lenders an Zeiten, als vor allem die Hütte rauchte: „Hier war alles von Krupp geprägt.“ Barbarastraße, Industriestraße, Stahlstraße, unser Weg lässt daran keinen Zweifel.

Über die Friedrich-Alfred-Straße blicken wir Richtung Logport , 265 Hektar Logistik, mit Lagerhallen, Containerbrücken, Hafen, wo sich einst Hochöfen reihten und die Konverter Tag und Nacht Feuer spuckten. 1987 wollten die Konzernherren das Werk schließen, ein einzigartiger Arbeitskampf begann, mit eindrucksvollen Kundgebungen und Konzerten, mit der Besetzung der Rheinbrücke und der Villa Hügel, mit einer Solidarität für die Belegschaft, die keine Grenzen kannte. Am Ende stand dennoch das Aus: 1993 erlosch der letzte Hochofen.

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Hochemmerich hat’s überlebt, aber Spuren davon getragen. Negativ und positiv: Tor 1, der letzte Rest der Hütte, gammelt ungenutzt vor sich hin. Die Menage, einst Krupp-Kantine, wird von der Glaubensgemeinschaft der Aleviten mit neuem Leben gefüllt.

Die Rheinhausenhalle ist nach wie vor zu 85 % ausgelastet, berichtet Ingrid Lenders, auch eher nüchterne Werkswohnhäuser aus den 50er oder 60ern wie an der Beethovenstraße/ Friedrich-Alfred-Straße sind gepflegt und offenbar begehrt, der Stadtteil hat eine große Post, ein Finanzamt und ein (Reibekuchen-)Theater. Lenders: „Das läuft recht gut.“ Und hilft bei der Sprachentwicklung von Kindergarten- und Schulkindern.

Duisburgs Stadtteile I

Einen Abstecher machen wir in die Fußgängerzone, sehen ein paar leerstehende, aber noch mehr äußerst engagiert geführte Geschäfte, etwa einen Spielzeugladen, wie man ihn anderen Stadtteilen wünschen würde. Und wir sehen einen großen Markt, den größten am Niederrhein. Lenders lobt das „riesengroße, bunte Angebot“ und die Tatsache, dass man auf dem Markt immer einen Bekannten trifft. Das neu gebaute Marktforum werde gut angenommen.

Duisburgs Stadtteile IV

Bilder aus 115 Jahren Stadtgeschichte in...

Willi Mohrs

Kommentare
05.12.2011
10:21
Hochemmerich - Alles drehte sich um Krupp
von RobinOfLocksley | #18

Wie lange will einem die Presse eigentlich noch vorgaukeln, in Rheinhausen sei alles in Ordnung? Bringt Berichte von verkehrsberuhigten Nebenstraßen...
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2010-12-05 15:00
Duisburg