Hitze verursacht Stress in den Notfall-Ambulanzen

Trinken nicht vergessen: Trotz Hochbetrieb in seinem Getränkehandel gönnt sich Stefan Kalinowski auch mal eine kühle Erfrischung.
Trinken nicht vergessen: Trotz Hochbetrieb in seinem Getränkehandel gönnt sich Stefan Kalinowski auch mal eine kühle Erfrischung.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Ein Drittel mehr Patienten in den Duisburger Krankenhäusern: Alte und chronisch Kranke leiden besonders unter der Hitze. Hitzschläge sind aber auch bei jungen Menschen möglich.

Duisburg.. Die Feuerwehr plante für den Rekordhitze-Samstag vorsorglich einen Notarzt mehr für den Rettungsdienst ein, in der Klinikum-Apotheke lagert ein Extra-Vorrat an Infusionsflaschen, um für Patienten mit temperaturbedingten Beschwerden gerüstet zu sein. Die Erwartungen in den Duisburger Krankenhäusern sollten sich bestätigen: Rund ein Drittel mehr Patienten als an einem „normalen“ Wochenende suchten Hilfe in den Ambulanzen.

Bewusstlos auf die Intensivstation

„Wenigstens sind jene, die sonst wegen Kleinigkeiten kommen, offenbar wegen der Hitze daheimgeblieben. Sonst wären es noch mehr Patienten gewesen“, sagt Dr. Barbara Ariatti vom Sana-Klinkum am Sonntag. Viele Menschen mit Kopfschmerzen, Schwäche, Übelkeit nach zu langem Aufenthalt in heißer Umgebung und wegen zu geringer Zufuhr von Getränken hat sie behandelt. „Vor allem ältere Menschen sind vom Flüssigkeitsmangel betroffen“, sagt Dr. Ariatti.

Zusätzliches Personal hatte auch die Helios-Klinik in Rufbereitschaft versetzt, einen Zusatzvorrat an Kühlpäckchen und kalter Kochsalzlösung zur Fieberbehandlung angelegt. „Wir hatten ein Drittel mehr Patienten, besonders viele in der Nacht zum Samstag und am Mittag“, berichtet Sprecherin Kathrin Unterberg. Zwei Drittel der Patienten kamen mit hitzebedingten Beschwerden. „Darunter waren viele mit Grunderkrankungen, die durch die hohen Temperaturen verstärkt werden“, so Unterberg.

Etwa ein Drittel mehr Notfälle hat auch Dr. Angeliki Erotokritou in der Ambulanz des Bethesda gezählt. „Auch die Zahl derer, die wir stationär aufgenommen war, war an diesem Wochenende deutlich höher als gewöhnlich“, berichtet sie. „Die Hitze setzt vor allem chronisch kranken Menschen besonders zu“, erklärt die Ärztin.

Sonnenstiche, Hitzschläge und Bewusstlosigkeit

Sie warnt eindringlich davor, sich längere Zeit der prallen Sonne auszusetzen. „Das kann böse Folgen haben“, sagt Dr. Erotokritou. Die Folge des Leichtsinns für eine Reihe von jungen Patienten im Hochfelder Hospital: Sonnenstiche, Hitzschläge und Bewusstlosigkeit, die in einem Fall so tief war, dass eine Überwachung auf der Intensivstation notwendig wurde.

„Wir haben unseren Joker nicht gebraucht“, so Feuerwehrsprecher Michael Haupt. Gut zu tun hatten aber die fünf Notärzte, die turnusmäßig im Rettungsdienst im Einsatz sind: 207 Mal rückten sie aus, etwa zehn Prozent mehr als gewöhnlich. „Aber nicht ungewöhnlich“, betont Michael Haupt. Durchaus bemerkenswert auch: Muslime, die wegen Getränkeverzichts im laufenden Fastenmonat Ramadan ärztliche Hilfe benötigt hätten, verzeichnete keines der befragten Krankenhäuser.

Getränkeproduzenten haben vorgesorgt

Der Hochsommer lässt Getränke-Produzenten und -Händler schwitzen. Klarer Trend: Je höher die Temperaturen, desto mehr Duisburger löschen den Durst mit Wasser statt mit süßen oder alkoholischen Getränken.

Die Getränkegruppe Hövelmann liefert zurzeit etwa 40 Prozent mehr Kästen aus als gewöhnlich. Bei König-Pilsener bereitet man sich immer gut und rechtzeitig auf den Sommer vor, da Bier erst vier Wochen nach dem Brauen ausgeliefert wird. Beim Getränkehändlern wie Kalinowski in Meiderich herrscht in diesen Tagen Hochbetrieb.

Rund 220 000 Getränke-Kästen mit Limo und Wasser werden bei Hövelmann normalerweise ausgeliefert. Derzeit sind es gut 300 000. „Die Menschen trinken mehr. Das macht sich sofort bemerkbar“, erklärt Sprecher Thomas Münzer. Man müsse dafür sorgen, dass das Lager immer voll ist. Dafür wird derzeit auch am Wochenende gearbeitet. „Wir kommen also nicht in Not, können den erhöhten Bedarf decken“, so Münzer. Auffällig sei, dass vor allem der Wasserbedarf sich im Sommer erhöht. „Süße Getränke gehen natürlich auch, aber ich denke, dass die Menschen einfach am liebsten auf Wasser trinken. Das ist kalorienärmer.“

König Pilsener produziert mehr Bier

König Pilsener nennt keine konkreten Zahlen, kann jedoch bestätigen, dass im Sommer wesentlich mehr Bier produziert wird. Auch alkoholfreie Getränke gehen gut. „Der Sommer ist ein ganz klares Hoch, wir verkaufen dann die meisten Getränke. Alkoholfreies Bier wird beliebter, da der Alkohol einfach sehr schnell in den Kopf steigt bei so hohen Temperaturen“, sagt Marc Baron von König Pilsener. Die Gefahr, dass das Bier ausgeht, besteht nicht: „Wir sind immer auf den Sommer vorbereitet, erhöhen rechtzeitig unsere Produktion“, so Baron.

Etwa verdoppelt hat auch der Getränkevertrieb Kalinowski in Meiderich seine Schlagzahl. Wo Kunden vorher zehn Kisten orderten, sind es jetzt über 20. „Das ist im Sommer nicht unüblich und bei einer Hitzewelle wie jetzt, ist es auch nicht überraschend, dass dann eben noch mehr getrunken wird“, sagt Geschäftsführer Stefan Kalinowski. Besonders beliebt sei Wasser, am besten ohne Kohlensäure. „Isontonische Getränke werden auch mehr und mehr nachgefragt“, so Kalinowski.