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Herrenausstatter Haffke verlässt Duisburg

11.11.2012 | 11:00 Uhr
Herrenausstatter Haffke verlässt Duisburg
34 Jahre am Sonnenwall 34: Jetzt schließt das Modehaus Haffke seine Filiale. Der Ausverkauf läuft.Foto: Fabian Strauch

Duisburg/Wesel. Warnzeichen für die Innenstadt oder zumindest für den Sonnenwall? Der Herrenausstatter Haffke, einer der letzten verbliebenen traditionsreichen inhabergeführten Modehäuser, verlässt Duisburg.

Filiale aufgegeben

Das hört sich nicht gut an: „Nach einer Standortanalyse“, so heißt es in Anzeigen und in dem Kundenbrief, hat sich der Herrenausstatter entschieden, seine Filiale im Wallquartier aufzugeben. Zugleich hat der gebürtiger Hamborner in Wesel im April ein neues Modehaus eröffnet, das dort als Magnet gefeiert wird.

Auch Ärger mit Stadtbehörden

Nicht dass in der Filiale am Sonnenwall kein Geld mehr zu verdienen ist. Aber Haffke sieht offenbar keine Zukunftschancen für den Standort. 1995 hatte er noch 800.000 Mark investiert, „weil wir an Duisburg glaubten“. Das tut der Herrenausstatter jetzt eben nicht mehr: „Ich weigere mich, schlechter zu werden“, erklärt der 70-Jährige.

6300 Kunden hat Haffke über seinen Abschied aus Duisburg und den Räumungsverkauf bis zum 18. Dezember informiert. Eine stattliche Zahl. Und dennoch: Für hochwertige Herrenmode scheint Wesel ein besseres Pflaster als Duisburg. Haffke lobt das Forum, auch die Königsgalerie , doch insgesamt zweifelt er an der Attraktivität der Innenstadt.

Situation ist entscheidend

Entscheidend ist für Haffke aber die Situation auf dem Sonnenwall: „Haffke passt nicht mehr zum Sonnenwall“, konstatiert der Firmenchef mit bitterem Unterton. Vorbei die Zeit, als sich ein Spezialgeschäft neben dem anderen dort reihte. Fünf Mal statteten Einbrecher überdies seinem Haus in den vergangenen zweieinhalb Jahren einen unliebsamen Besuch ab. Und von seiner Schneiderin berichtet er, dass sie abends nur noch mit Pfefferspray in der Tasche nach Hause geht.

Nicht gut zu sprechen ist Haffke auch auf die Stadtbehörden: Da waren der Streit um Straßenreinigungsgebühren auf der Untermauerstraße während des Königsgalerie-Baus und „Schikanen“ aus seiner Sicht wegen Park- und Ablademöglichkeiten. So geht Haffke nach 34 Jahren am Sonnenwall auch mit Zorn: „Wir gehen dorthin, wo wir gut empfangen werden.“ Nicht ausschließen will Haffke, dass sein Sohn Marc in Duisburg bald wieder Mode verkauft, vielleicht im Forum oder in der Königsgalerie.

Ein warnender Fingerzeig

Einzelhandelssprecher Wilhelm Bommann sieht in Haffkes Weggang weniger einen warnenden Fingerzeig für die gesamte Innenstadt denn für den Sonnenwall. „Wir müssen überlegen, wie wir das gesamte Wallquartier positiv entwickeln können.“ Die Frequenz sei mit der Königsgalerie eigentlich besser geworden. Zugleich weiß er um eines der hausgemachten Probleme: „Es kann nicht sein, das samstags auf dem Sonnenwall die Geschäfte schon um zwei, drei Uhr schließen.“

Oliver Schmeer



Kommentare
13.11.2012
12:36
Wer bei Haffke kauft, kauft auch Image
von Max_Vollrausch | #16

und wer möchte schon seine Edelklamotten mit dem Wahrzeichen Duisburg verzieren ? Ich bin weit davon entfernt, mir solche dort angebotenen Kleidungsstücke leisten zu können (und auch nicht zu wollen). Gestern kam ich zufällig an dem Geschäft vorbei, sieht auf dem ersten Blick nach Ausverkauf-Schnäppchenmarkt etc. aus. Wenn man allerdings die Preise näher ansieht trotz Reduzierung, erscheint es einem klar, dass früher oder später für den Laden Schluss ist. Für eine zeitgemäße Entwicklung passt doch der Vorschlag von
Harald Jochums ganz gut, wie unten beschrieben:

Viele kleine, einfach kreative, bescheidene Läden kann ich mir vorstellen. Und die könnten sich erstmal zwischen der Königstraße und der Friedrich-Wilhelm-Straße ansiedeln - und in den einzelnen Stadtteilen.
Laß die Düsseldorfer doch die Nase rümpfen: Wir sind nicht Düsseldorf - Gott sei Dank.

Vielleicht wäre BÜRGERSTADT DUISBURG eine gute Vision, Superkapital und Superprolls passen da nicht.

13.11.2012
08:50
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #15

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

12.11.2012
10:14
Herrenausstatter Haffke verlässt Duisburg
von Duisburg2000 | #14

Mit einem klassischen Herrenausstatter hatte Haffke seit Jahren schon nichts mehr zu tun. Wer allerdings auf Prolomode a la Camp David & Co. stand, konnte bei Haffke immer fündig werden.

2 Antworten
Herrenausstatter Haffke verlässt Duisburg
von wumbaboa | #14-1

Dem ist nichts hinzuzufügen!

Herrenausstatter Haffke verlässt Duisburg
von LiloPuder | #14-2

dumm nur, dass es die von Ihnen bezeichnete Prolomode a la Camp David & Co. auch bei Pohland, P & C, Karstadt etc. gibt. Mit einem klassischen Herrenausstatter meinen Sie offensichtlich einen Oppa-Laden. Die sterben überall aus.

12.11.2012
08:20
Herrenausstatter Haffke verlässt Duisburg
von jojo2008 | #13

Zu: BigManitou | #11

Ja, einverstanden: Einen eigenen Stil für Duisburg entwickeln, aber bitte, bitte nicht diese Ramsch-Disonter und auch keine "Centeritis" - solche KiKs brauchen wir nicht. -
Viele kleine, einfach kreative, bescheidene Läden kann ich mir vorstellen. Und die könnten sich erstmal zwischen der Königstraße und der Friedrich-Wilhelm-Straße ansiedeln - und in den einzelnen Stadtteilen. -

Laß die Düsseldorfer doch die Nase rümpfen: Wir sind nicht Düsseldorf - Gott sei Dank. -

Harald Jochums

12.11.2012
08:13
Unterstützung
von Kravattenmuffel | #12

@ stan44 | #2

"Der gesamte Einzelhandel muss von der Stadt bedingungslos unterstützt werden."

Das macht die Stadt doch schon, koste es was es wolle. Die Stadt bietet doch allen die Hand, besonders den qualifizierten Arbeitskräften aus dem südosten Europas. Nunja, es wird noch 3 oder 4 Generationen dauern, bis sie das Bruttosozialprodukt anheben, aber das wird schon noch. Vielleicht kaufen sie dann ja auch bei Haffke Nachf..



Ironie AUS

12.11.2012
07:52
Herrenausstatter Haffke verlässt Duisburg
von BigManitou | #11

Na, dafür ist wenigstens Mode Wichtig zurück in Duisburg :-)

Immerhin ein kleiner Lichtblick!

Jetzt noch andere ausgefallenere Läden dazu und dann spezialisiert sich Duisburg eben.

12.11.2012
05:27
Duisburg
von jojo2008 | #10

Zu: dr_john_becker | #8

Das ist eine gute Idee: Eine Wall-Mall, die wir mit "Bürgersteinen" zupflastern können. Und dann aber die Gewerbesteuer rauf, Gebühren für städtische Dientleistungen aller Art erhöhen und noch eine städtische Gesellschaft gründen. Namensvorschlag: Wall-Mall-Citty-Dewelloping-Management. -

Das mit dem Bullewar finde ich auch nicht schlecht, mit schwebendem Rasen und so, den wir dann aber doch bis zu Krieger sein furniertes Spanplattensortiment neben dem Hbf führen sollten. Und um 20.00 Uhr machen wir alles dicht und gehen Heia - und Dornrößchen kann in der Königsgalerie weiter schlafen in seinen vergoldeten Breitbandnudeln. -
Das gibt der City dann den richtigen KiK. -

Harald Jochums / Archetekt

11.11.2012
23:20
Schön, dass die Wirtschaftsbetriebe auch mal zu Sprache kommen
von pejadu11 | #9

Interessant, dass auch die Wirtschaftsbetriebe zur Flucht aus Duisburg animieren. Kann ich gut verstehen, trotz horrender Gebühren für Strassenreinigung sieht man die Jungs vorwiegend beim Pause machen und überall sieht es aus wie S.... Teilt man die Gebühren durch die Zeit, die effektiv gearbeitet werden, kommt man auf Stundensätze, wie sie nicht mal in Hochfeld-Nord üblich sind. Ich glaube, jedes Privatunternehmen würde mit der Hälfte der Leute das Doppelte schaffen.

11.11.2012
18:54
Herrenausstatter Haffke verlässt Duisburg
von dr_john_becker | #8

„Wir müssen überlegen, wie wir das gesamte Wallquartier positiv entwickeln können.“

Na, das ist doch einfach zu realisieren: Ich schlage vor, dass die engagierte Lokalpolitik sich mit einem fähigen Projektentwickler zusammensetzt, um für das Wallquartier eine Mall zu entwickeln - nach der famosen Königsgalerie kann diese dann weitere wichtige Impulse für die Innenstadt und ganz Duisburg setzen und jedem Duisburger ein glückliches Lächeln auf das Gesicht zaubern. Und von den MILLIARDEN an Gewerbesteuer, die die ,,Wallarkaden" in die Stadtkasse spülen, können wir endlich die Straßen mit Gold täfeln und prachtvolle Boulevards entstehen lassen, auf denen die Flaneure dann zwischen Wallarkaden, Königsgalerie und F.O.C. zufrieden spazieren.

11.11.2012
16:06
Herrenausstatter Haffke verlässt Duisburg
von Daredevil | #7

Kritik an den Umfeldbedingungen sollte man auf jeden Fall nachgehen und etwaige Probleme abstellen, aber ansonsten halte ich die auch schon für ein bißchen vorgeschoben - schließlich gibts die Filiale im Centro auch nicht mehr und dafür nur noch welche in Bocholt und Wesel, also m.E. in eher etwas abgelegeneren, mit solventeren älteren und Malls wohl nicht extrem zugeneigten Käufern ausgestatteten Gegenden mit geringer ausgeprägter Preisvergleichsbereitschaft und -möglichkeit.

Da, also in eher "klassischen Handelsstrukturen", lässt sich für einen derartigen Händler wohl leichter Gewinn erzielen als in einer wirtschaftlich eher angeschlagenen Region mit weniger Bedarf an solcher Mode, höherer Mobilität und jeder Menge Malls und Konkurrenz in der weiteren Umgegend.

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