Haydn im Geist der Revolution

Wie man Werke von Joseph Haydn und Johannes Brahms intelligent kombinieren kann, hat Generalmusikdirektor Giordano Bellincampi in seinem letzten Philharmonischen Konzert dieser Saison gezeigt. Die Abfolge aber hätte sinnvoller sein können. Eröffnet wird der Abend mit Joseph Haydns Sinfonie Nr. 104 D-Dur, einem Stück, das ein ideales Konzertfinale abgegeben hätte.

Bravos für Gerhild Romberger

Nachdem im letzten Konzert der Alte-Musik-Spezialist Ottavio Dantone Haydns 44. Sinfonie in kleiner Besetzung musizieren ließ, fährt Bellincampi nun ein großes Orchester auf, das Haydn in die Nähe Beethovens bringt. Auch das energetische Spiel der Philharmoniker, die forschen Tempi und die starke Dramatik, die Bellincampi hier betont, machen aus Haydn weniger den gemütlichen Klassiker als einen forschen Stürmer und Dränger, durch dessen Sinfonie aus dem Jahr 1795 der Geist der Französischen Revolution weht. Die vielen Überraschungsmomente und Brüche in Haydns Komposition werden stark herausgearbeitet.

Der Hörer wird immer wieder wach gerüttelt. Das Publikum zeigte sich begeistert von dieser frischen Aufführung und spendet großen Beifall. Der große Bogen dieser Haydn-Sinfonie wäre für den zweiten Konzertteil geradezu ideal gewesen, doch dort erlebt das Publikum zunächst eine kleingliedrige Abfolge dreier Brahms-Stücke.

In der Rhapsodie für eine Altstimme, Männerchor und Orchester beeindruckt die Detmolder Gesangs-Professorin Gerhild Romberger, die für die erkrankte Ingeborg Danz eingesprungen war, mit ihrer fülligen und weichen Stimme. Die Sängerin gestaltet den Text sehr verständlich, ihr gelingt eine bruchlose Verbindung der Register. Im Zusammenspiel von Gesang und Orchester erlebt man quasi eine düstere Opernszene. In den großen Beifall für Gerhild Romberger mischen sich auch Bravo-Rufe.

Im Schicksalslied op. 54 gelingt es Bellincampi ebenso wie in der Alt-Rhapsodie, punktgenau auf die dritte Strophe hinzuarbeiten, die in beiden Werken eine Art Erlösung darstellt. Halten sich die Männerstimmen des Philharmonischen Chores in der Alt-Rhapsodie im Hintergrund, so steht nun der gesamte Chor im Zentrum der Aufmerksamkeit. Chorleiter Marcus Strümpe ist es in den Proben gelungen, trotz der großen Besetzung auf die Verständlichkeit des Hölderlin-Textes zu achten. Die gut hundert Sängerinnen und Sänger demonstrieren vorbildlich, wie chorische Artikulation funktioniert.

Zum Abschluss erklingen dann die Variationen über ein Thema von Joseph Haydn, die ein perfekter Konzerteinstieg gewesen wären. Freundlicher Schlussbeifall.