Hausbau ist das große Minusgeschäft der Duisburger Gebag

Das Baugebiet an Füssener und Kufsteiner Straße in Buchholz: Hier sollen dieses Jahr mit dem Bau von 18 Häusern begonnen werden.
Das Baugebiet an Füssener und Kufsteiner Straße in Buchholz: Hier sollen dieses Jahr mit dem Bau von 18 Häusern begonnen werden.
Foto: Gebag
Was wir bereits wissen
Mit der Bauträgersparte verdiente die städtische Baugesellschaft in den vergangenen Jahren kein Geld. Das soll sich mit mehreren Projekten ändern.

Duisburg.. Wer vor einigen Jahren in Rumeln ein Gebag-Haus kaufen wollte, der musste nur auf Zeit spielen. Denn selbst als die Reihenhaus-Siedlung nahe der Rathausallee schon stand, fanden sich für zahlreiche Immobilien trotz der guten Lage monatelang keine Käufer. Für die letzten Häuser purzelten dann schließlich die Preise.

Aus diesen Erfahrungen hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft aber offenbar wenig gelernt. Ganz im Gegenteil: Sie baute munter weiter, meist am Interesse der Kunden vorbei. Bestes Beispiel: Die Einfamilienhäuser auf dem ehemaligen Kasernengelände. „Man hat dort 70 Häuser gebaut, ohne eins davon verkauft zu haben“, bestätigt der neue Gebag-Chef Bernd Wortmeyer.

Gebag änderte ihr Konzept

Eigentlich sollten in Wanheim gar 260 Häuser für junge Familien entstehen. Die Gebag änderte zumindest ihr Konzept, hat inzwischen einige Grundstücke an private Bauträger-Firmen weiterverkauft. Dennoch: Während die mit Häusern jede Menge Geld verdienen, war das Geschäft für das kommunale Unternehmen ein dickes Minusgeschäft.

2009 schloss die Gebag 56 Kaufverträge ab, machte 13 Millionen Euro Umsatz und zahlte am Ende deutlich drauf. 2011 sah es nicht besser aus, trotz zahlreicher Projekte lag der Verlust in der Bauträgersparte am Jahresende bei 1,9 Millionen Euro. Seitdem schmilzt zwar das Minus, Geld hat die Gebag mit dem Bau und Verkauf von Häusern aber immer noch nicht verdient. Vielmehr klingt es fast schon fast wie eine Hurra-Meldung, wenn im zuletzt veröffentlichten Jahresbericht erklärt wird, dass der Verlust „nur noch“ bei 122.000 Euro liegt.

Die Zahlen für das Vorjahr sollen erst im Sommer veröffentlicht werden. Gebag-Chef Wortmeyer erklärte auf NRZ-Nachfrage, dass es inzwischen keine roten Zahlen mehr in diesem Bereich gebe. „Wir sind kein klassischer Bauträger und werden es auch nie werden“, sagt er. Die Baukosten seien im Vergleich zu privaten Firmen höher, und die könnten auch flexibler agieren. Dennoch hält man weiter am Bauträgergeschäft fest und werde damit auch Geld verdienen.

Erst verkaufen, dann bauen

„Gefragt ist eine kleinteilige Bebauung mit unterschiedlichen Haustypen. Wir werden künftig erst anfangen zu bauen, wenn wir die Hälfte verkauft haben“, sagt Wortmeyer. Der Blick richtet sich vor allem auf die Wohngebiete im Süden: „Wir müssen die Chance, die uns die platzende Stadt Düsseldorf bietet, ergreifen“, sagt der Gebag-Chef.

Ob die älteste städtische Baugesellschaft in Deutschland mit dem Bau und Verkauf von Häusern künftig ihre Bilanz aufbessern kann, sei dahin gestellt. Die Rahmenbedingungen könnten jedenfalls kaum günstiger sein: Sei es durch überteuerte Preise in Düsseldorf oder durch die günstigen Konditionen bei Baukrediten. Wer sich bei der Bank 300.000 Euro leiht, der zahlt dafür im Monat weniger als 500 Euro an Zinsen. Die Entscheidung zwischen Mieten und Wohnen fällt da nicht schwer.

Exposés gefragt

Wer mit Heike Nekat telefoniert, die bei der Gebag für die Vermarktung der Neubauprojekte zuständig ist, gewinnt schnell einen Eindruck, wie der Verkauf derzeit läuft. „Alles, was steht, ist verkauft“, sagt sie. Und was sie als Exposé verschicken kann, danach sei die Nachfrage „riesig“, erklärt Nekat, während die nächsten Interessenten schon vor der Tür stehen.

Insgesamt sind es 54 Häuser, die die Gebag in diesem Jahr baut und die im nächsten fertig sein sollen. Das sind so viele wie lange nicht mehr. Und es wäre bei der nach wie vor angespannten Finanzlage der Gebag wohl mehr als fatal, sollte das städtische Traditionsunternehmen bei dieser Marktlage und Nachfrage damit kein Geld verdienen können.

Das sind die drei Neubau-Projekte

Buchholz, Füssener Straße: In Bucholz an der Füssener/ Ecke Kufsteiner Straße hat die Gebag eines ihrer Gebäude abgerissen und Platz für ein Neubaugebiet geschaffen, das insgesamt 6175qm groß ist. Ein Mehrfamilienhaus an der Kufsteiner Straße mit sechs Eigentumswohnungen steht bereits.

Zwei Kettenhäuser (160qm Wohnfläche, 300qm Grundstück) für je 400.000 Euro sind bereits verkauft. Vermarktet werden derzeit noch vier von sechs Bungalows (94qm/ 244qm) für rund 290.000 Euro. Sowohl für die Kettenhäuser als auch für die Bungalows soll der Bau noch vor dem Sommer beginnen, ein Jahr später sollen die Eigentümer einziehen können. Zudem sollen auf dem Areal noch zehn Doppelhaushälften des Typs „Perm“ entstehen, den die Gebag schon mehrfach gebaut hat. Die Preise dafür sind noch nicht kalkuliert, der Baubeginn ist noch offen.

Wanheim, Neuenhof: Den Haustyp „Perm“ will die Baugesellschaft auch am Neuenhof errichten. Sechs Reihenhäuser sollen hier entstehen, die Preise für diese Häuser mit einer Wohnfläche von 140qm bewegen sich je nach Grundstücksgröße (180 bis 225qm) zwischen 275.000 und 325.000 Euro.

Das Expose soll in Kürze erscheinen, der Baubeginn noch in diesem Jahr liegen. Im Anschluss gebaut werden sollen dort noch vier Bungalows (Wohnfläche: 94qm) und zehn Kettenhäuser. Auch ein Kindergarten soll in dem Wohnpark entstehen, in dem auch private Bauträger bauen.

Großenbaum, Am Schellberg: Ebenfalls im Einzugsbereich von Düsseldorf, diesmal in Großenbaum, hat sich die Gebag für dieses Jahr ein weiteres Neubauprojekt vorgenommen. Nahe des Golfplatzes, an der Straße „Am Schellberg“, hat sie freie Privatgrundstücke mit einer Gesamtgröße von knapp 4000qm erworben.

Von der Stadt will die Gebag noch das ähnlich große Nachbargelände ankaufen. Auf dem Areal sollen dann 16 Einfamilienhäuser entstehen: Drei verschiedene Bungalow-Typen sind dort geplant, mit Wohnflächen zwischen 90 und 130qm. Zudem sollen zwei freistehende Einfamilienhäuser mit rund 160qm gebaut werden. Wann die Vermarktung beginnt, ist ebenso offen wie die Preisfrage.