Hauptbelastungszeugin wurde von der Polizei vorgeführt

Mit großer Spannung war vor dem Landgericht am König-Heinrich-Platz die gestrige Fortsetzung des Verfahrens gegen einen 27-jährigen Duisburger erwartet worden, der sich wegen Vergewaltigung verantworten muss. Wäre die bereits als unzuverlässig bekannte Hauptbelastungszeugin nicht erschienen, hätte es möglicherweise einen schnellen Freispruch gegeben.

Nachdem die 29-Jährige beim Prozessauftakt vor zwei Wochen einmal mehr fehlte, hatte der Vorsitzende einen Vorführbefehl erlassen. Die Polizei brachte die Zeugin gestern zur Verhandlung.

Die Frau wiederholte frühere Angaben: Sie habe am Tattag auf dem Bahnhofsvorplatz mit Bekannten Bier getrunken habe. Weil ihr Hund ein dringendes Bedürfnis hatte, sei sie mit ihm in ein Gebüsch am Busbahnhof gegangen. Plötzlich sei sie von hinten von drei Männern festgehalten worden, die sie auf die Knie zwangen, sie entkleideten und von denen zwei sie vergewaltigten. „Ich habe mich zu wehren versucht, aber die waren stärker.“

Ein deutlicher Widerspruch zu dem, was der Angeklagte, der durch DNA-Spuren belastet wird, beteuert: Die Frau habe mit ihm in dem Gebüsch einvernehmlich Sex gehabt.

Seit 2013 waren bereits zwei Verhandlungsversuche gescheitert, weil die drogensüchtige Hauptbelastungszeugin dem Prozess unentschuldigt fern blieb, sich zuletzt in Widersprüche verwickelte. Im Vorfeld des jetzigen dritten Anlaufs hatte die 29-Jährige auf ihre Glaubwürdigkeit untersucht werden sollen, aber auf keinen Kontaktversuch der Gutachterin reagiert. Die Psychologin nutzte die Gelegenheit und untersuchte die Zeugin gestern im Anschluss an die Sitzung.