Hauke Faust ist zehn Jahre Seelsorger im Duisburger Knast

Seit zehn Jahren ist Hauke Faust Gefängnis-Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Hamborn.
Seit zehn Jahren ist Hauke Faust Gefängnis-Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Hamborn.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Seit zehn Jahren ist Hauke Faust Gefängnis-Seelsorger in der JVA Hamborn. Dabei sitzt er Mördern, Vergewaltigern und Kinderschändern gegenüber.

Duisburg.. Einem Missetäter Hoffnung machen, sein Vertrauen gewinnen, ihm aufmerksam zuhören: Das sind die Aufgaben von Hauke Faust. Der Gefängnis-Seelsorger sitzt Mördern, Vergewaltigern oder Kinderschändern während eines Vieraugengesprächs gegenüber und hat ein offenes Ohr für sie. „Es ist eine sehr erfüllende Arbeit und genau das Richtige für mich“, sagt Faust. Seit zehn Jahren ist der studierte Theologe und Philosoph in der Justizvollzuganstalt (JVA) in Hamborn tätig.

„Ich begleite die Gefangenen, ich bin da, ich habe Zeit. Das ist das Allerwichtigste und darum geht es in der Seelsorge.“ Genauso wie um Vertrauen. „Und das muss ich erwerben, indem ich zuverlässig und verschwiegen bin. Die Insassen müssen wissen, dass ich es gut mit ihnen meine.“ Erst wenn sich jemand angenommen fühlen würde, setze er sich mit seinem Fehlverhalten auseinander.

Hauke Faust will die Gefangenen nicht verurteilen

Je mehr ihrer Lebensgeschichten die Insassen erzählen, desto besser kann Faust sie verstehen. „Dann kann ich mir erklären, was sie zu ihren Taten geführt hat. Doch es ist nicht meine Aufgabe sie zu verurteilen.“ Stattdessen hilft der 54-Jährige ihnen dabei zu begreifen, dass sie für ihr Leben und Tun verantwortlich sind.

Einige würden oftmals sofort Reue zeigen, andere erst später. „Es ist keine Kuschelpädagogik. Es geht nicht darum ja und Amen zu sagen, sondern ein ehrliches Gegenüber zu sein“, erklärt er. Dazu gehöre Widerspruch. Natürlich gäbe es Straftaten, vor denen er sich erschreckt, aber er stelle sich diesem Schock. Angegangen wurde er noch nie und er gehe auch nicht mit einem Gefühl der Angst in das Gefängnis.

Ganz im Gegenteil: Mit Mut und Hoffnung begegnet er den Gefangenen, denn er möchte ihnen helfen. Da viele Gefangene aber sehr schüchtern und nicht sehr wortmächtig seien, böten Gruppenaktivitäten eine gute Möglichkeit für erste Begegnungen.

In einem geschützten Raum über sich selbst sprechen

Einmal pro Woche bietet Faust eine Freizeitgruppe an, in der er mit rund 20 Gefangenen Karten spielt, kickert oder dartet. „Da kommt man ins Gespräch und ich erfahre einiges über die Persönlichkeit. Wie verhält sich jemand, wenn er vier Mal hintereinander beim Mensch-ärger-dich-nicht verliert?“ Zusätzlich arbeitet er in Kleingruppen an Fragestellungen, die mit dem Leben der Teilnehmer zu tun haben. Wie war mein Vater? Wie hätte ich ihn mir gewünscht? Von welchem Menschen würde ich mir etwas sagen lassen?

„Es darf nicht abstrakt sein. Es geht darum, in einem geschützten Raum über sich selber zu sprechen und darum zu erkennen, was der Glaube mit meinem Leben zu tun hat.“ Glaubenshilfe könne dann Lebenshilfe sein. Zwar seien die wenigsten Inhaftierten religiös, doch worum es in der Religion gehe, das seien ebenso Lebensfragen. Für die Gefangenen zählten dazu Aspekte der Schuldfrage, des schlechten Gewissens oder der Wiedergutmachung.

Evangelische Gottesdienste für die Gefangenen

Auch die evangelischen Gottesdienste schneidet Faust auf die Bedürfnisse der Gefangenen zu. Themen, die sie bewegen, stehen im Mittelpunkt. Dazu spielt der Ghettoblaster Musik von Herbert Grönemeyer oder Klaus Hoffmann. „Es ist schön, wenn die Gefangenen Worte oder Teile des Liedtextes für sich mitnehmen.“ Es soll sie zum Nachdenken anregen und einen positiven Einfluss auf sie haben.

Wenn jemand nach der Entlassung längere Zeit nicht straffällig würde, wisse niemand woran es liegt. An einem neuen Beruf, Halt durch Freunde oder die Familie. Doch vielleicht hat auch die Seelsorge von Hauke Faust etwas dazu beigetragen und genau das sei natürlich wünschenswert.