"Häwelmann" fesselt das junge Publikum

Als Erzähler führt Alexander Steindorf durch das Märchen, er bedient auch Spieluhr, Windmaschine und Gong.
Als Erzähler führt Alexander Steindorf durch das Märchen, er bedient auch Spieluhr, Windmaschine und Gong.
Foto: Ute Gabriel / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Duisburger Hauke Berheide komponierte die Musik zu Storms Kinderbuchklassiker. Die Inszenierung des Kontra-Punkt-Theaters erlebte jetzt ihre Duisburg-Premiere.

Duisburg.. Theodor Storms „Der kleine Häwelmann“ gehört zu den großen deutschen Kinderbuchklassikern. Im Rahmen der Familienkonzerte war die Geschichte nun als Musiktheaterstück in einer Inszenierung des Düsseldorfer Theaters Kontra-Punkt zu erleben. Die Musik stammt vom Duisburger Komponisten Hauke Berheide.

Schon mit neun Jahren wollte Hauke Berheide aus dem „Kleinen Häwelmann“ im elterlichen Wohnzimmer eine Oper machen. Das richtige Handwerkszeug für ein solches Unterfangen erwarb der Absolvent des Steinbart-Gymnasiums aber erst während eines Studiums bei Manfred Trojahn. Vor drei Jahren fand dann die Uraufführung in der Düsseldorfer Tonhalle statt, und diese Inszenierung von Frank Schulz war nun auch in Duisburg zu sehen.

Darstellerin spricht keine Dialoge

Als Erzähler führt Alexander Steindorf durch die abenteuerliche Reise des Häwelmanns durch die Nacht. Steindorf bedient auch Spieluhr, Windmaschine und Gong und ist so auch musikalisch in das Geschehen eingebaut. Den Häwelmann spielt Annette Bieker mit roter Pumuckl-Perücke. Die Kostüme, Masken und Puppen von Jan Kosman verleihen dem Häwelmann eine gehörige Portion Eigenleben.

Einen Großteil der Häwelmann-Texte spricht aber Erzähler Steindorf, und Annette Bieker darf nur gelegentlich „Mehr! Mehr!“ rufen, wenn das wilde Kind weiter durch die Nacht brausen will. Würde die Darstellerin des Häwelmanns auch die Dialoge sprechen, so würde dies dem kindlichen Publikum, das die Aufführung sehr konzentriert und gespannt verfolgt, noch mehr Möglichkeiten zum Mitfiebern und Mitfühlen geben.

Ausbaufähig zur Kinderoper

In der Regie von Frank Schulz gelingt eine abwechslungsreiche Aufführung, zu der auch die Filme von Michal Losonsky ihren Teil beitragen. Ein origineller Einfall ist es, die Duisburger Philharmoniker in Nachthemden und Schlafmützen musizieren zu lassen. Unter dem Dirigat von Jesko Sirvend, der schon die Uraufführung dieses Werkes geleitet hat, spielen die Philharmoniker die klanglichen Feinheiten und den Humor dieser Musik schön aus.

Insgesamt spürt man aber, dass dieses Stück, trotz vieler plastisch-illustrativer Ideen, noch mehr theatralisches Potenzial hat: So könnten alle Figuren in Gesangspartien umgeformt werden. damit entstünde eine echte Kinderoper, die man gut mit Ravels „Das Kind und der Zauberspuk“ kombinieren könnte.

Familienkonzert für Alt und Jung

Komponist Hauke Berheide schreibt viele feine und filigrane musikalische Passagen, wenn es darum geht, Häwelmanns Fahrten durch die Stadt, den Wald oder zur Sonne zu beschreiben. Der Duisburger zeigt ein großes Gespür für das Musiktheater und für die effektvollen Instrumentationen. Die großen mitreißenden Stücke fehlen hier aber. Auch hätte Berheide für das junge Publikum noch die eine oder andere Mitsing-Melodie komponieren können.

Insgesamt sind Alt und Jung von diesem Familienkonzert aber sehr angetan, und am Ende gibt es viel Beifall für alle Beteiligten.