Häuser wegen Brandgefahr geräumt

Kontrollen von heruntergekommenen Immobilien führt das Ordnungsamt der Stadt Duisburg seit 2014 durch, nicht nur in Marxloh.
Kontrollen von heruntergekommenen Immobilien führt das Ordnungsamt der Stadt Duisburg seit 2014 durch, nicht nur in Marxloh.
Foto: Stephan Eickershoff / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Manipulierte Stromleitungen, überbelegte Wohnungen, fehlende Hygiene: Die geräumten Problemhäuser in Duisburg Marxloh hatten gravierende Mängel.

Duisburg.. Die Brandmängel seien „gravierend“ gewesen, es habe „akute Brandgefahr“ bestanden, deshalb habe man sofort handeln und die von Menschen aus Südosteuropa bewohnten Problemhäuser in Marxloh räumen müssen. Die Stadt Duisburg wehrte sich gestern gegen die unter anderem von der Awo Integrations GmbH laut gewordene Kritik an der Räumung. Es sei niemand auf die Straße gesetzt oder gezerrt worden. „Zu keiner Zeit wurden Personen des Hauses verwiesen“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link auf einer Pressekonferenz. Angebotene Ersatzunterkünfte seien nicht genutzt worden.

Verwaltungsgericht: Vorgehen der Stadt ist rechtens

Die Besitzerin der Immobilie und drei Bewohner hatten beim Verwaltungsgericht Düsseldorf einen Antrag auf gerichtlichen Eilrechtsschutz gestellt. Den lehnten die Richter aber ab. Das Vorgehen der Stadt sei rechtens. Die Eigentümerin sei bereits vor einem Jahr „mehrfach“ auf die Brandschutzmängel aufmerksam gemacht worden, habe sie aber nicht beseitigt.

„Wir reden nicht über Wohnungen, die nicht schön sind“, erklärt Sören Link. Es gehe schlicht um den Mieterschutz – „unabhängig von der Nationalität der Bewohner.“

Eine Rettung der Bewohner war im Brandfall nicht mehr gesichert

In den Häusern, die jetzt geräumt wurden, seien Sicherungen in Stromkästen unfachmännisch überbrückt worden, teilweise mit Gabeln und Löffeln. Die Stromleitungen seien überlastet, alle Türen im Haus kaputt gewesen. Wenn ein Feuer ausgebrochen wäre, hätten sie das Treppenhaus zum Kamin gemacht. Ausreichende Rettungswege fehlten. „Im Brandfall hätte eine Rettung der jeweils 60 bzw. 64 Bewohner nicht sichergestellt werden können. Bei solchen Missständen müssen wir handeln. Brandschutz ist keine Meinung, Brandschutz sind Fakten“, sagt Rechtsdezernentin Daniela Lesmeister. Sie spricht zudem von unhaltbaren hygienischen Zuständen: „Uns sind 30 Ratten über die Füße gesprungen, Exkremente waren verteilt.“

Eigentümerin wusste von den Mängeln seit einem Jahr

Zu der Räumung habe man zwei Dolmetscher mitgenommen und den betroffenen Bewohnern vier Stunden Zeit gegeben, ihr „Hab und Gut“ aus den Wohnungen zu holen. Die angebotene Ersatzunterkunft habe niemand in Anspruch genommen. Und auch später seien die Bewohner noch mal ins Haus gekommen, um Dinge abzuholen. So seien auch Satellitenschüsseln abgebaut worden. Danach wurden die Häuser versiegelt. Sie werden erst wieder freigegeben, wenn die Eigentümerin die Brandschutzmängel beseitigt hat.

Oberbürgermeister Sören Link stellt sich vor seine Mitarbeiter. „Die Kollegen im Außendienst machen ihren Job ausschließlich auf Basis von Recht und Gesetz. Sie sind keinesfalls überfordert. Dies ist eine Unverschämtheit“, findet Link klare Worte in Richtung der Kritiker.