„Hänsel und Gretel“: bunter, gruseliger, lebendiger

Da kommt Hänsel nicht mehr raus: Er sitzt jetzt in einer Art Vogelkäfig, und die Hexe singt „Friss Vogel, oder stirb.“
Da kommt Hänsel nicht mehr raus: Er sitzt jetzt in einer Art Vogelkäfig, und die Hexe singt „Friss Vogel, oder stirb.“
Die märchenhafte Humperdinck-Oper erscheint in einem neuen Licht. Esther Mertel hat sie überarbeitet und verbindet das alte Original mit den aktuellen Möglichkeiten.

Duisburg.. Die Märchenoper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck ist ein Selbstläufer. Aus ihr sind volkstümliche „Hits“ wie „Suse, liebe Suse“, „Brüderchen, komm tanz mit mir“ oder „Ein Männlein steht im Walde“ hervorgegangen, sie hat aus Generationen von Kindern Opernfreunde gemacht. Die Inszenierung von Andreas Meyer-Hanno, die seit 1969 auf dem Spielplan der Deutschen Oper am Rhein steht, genießt geradezu Kult-Status beim Publikum, aber auch innerhalb des Hauses, wie Esther Mertel sagt.

Die Spielleiterin hat die Inszenierung Meyer-Hannos, die 1978 überarbeitet worden war, erneut aufgefrischt und neu einstudiert – und dabei versucht, das Original wiederzubeleben. „Die Stücke werden über Jahre von vielen Spielleitern betreut, es werden auch von den Sängern neue Ideen eingebracht, und dann weiß keiner mehr so ganz genau, wie’s ursprünglich war“, sagt Esther Mertel. Es gebe keine Videoaufzeichnung, die alten Regiebücher sind verschwunden, es bilde sich so eine Art Überlieferung. „Ich habe viele Punkte gesehen, die man lebendiger und spannender gestalten konnte.“

Kult-Charakter der Inszenierung verschärft

Die Sängerin, die seit fünf Jahren an der Rheinoper frei als Regie-Assistentin und Spielleiterin arbeitet, arbeitete sich mit Hilfe von Bühnenbildskizzen, Kostümfigurinen und Fotos zurück zur Urfassung. „Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass das Bühnenbild vor der Überarbeitung um einiges bunter war und das Taumännchen viel stärker geglitzert hat.“ So setzte sie sich mit den Werkstätten zusammen, die das Hexenhaus erst in der letzten Spielzeit renoviert hatten, und jetzt „Unmengen von bunten Lebkuchen und Brezeln“ hinzu gefügt haben.

„Heute wird anderes gespielt“, sagt Esther Mertel. Deswegen wurde das Haus so hergerichtet, dass es mehr Möglichkeiten bietet. Hänsel kann jetzt raufklettern und Lebkuchen stibitzen, die Hexe aus dem Haus heraus singen. Außerdem wurde die Hütte auf der Bühne weiter vorn platziert. Das Taumännchen-Kostüm wurde mit zusätzlichem Glitzer versehen, und Hänsel und Gretel treten jetzt mit den Schuhen auf, die ursprünglich für sie vorgesehen waren. „So detailgetreu wie möglich“ sollte die Inszenierung werden, die 1978 stark reduziert worden war. „Jetzt gibt es auch wieder Bäume auf der Lichtung.“ Hänsel wird in einer Art Vogelkäfig eingesperrt, der über der Bühne hängt. Das mache glaubhafter, dass er tatsächlich nicht fliehen kann. Auch die Möglichkeiten der Beleuchtung haben sich in den letzten 40 Jahren verändert. Mit Volker Weinhart hat Esther Mertel ein neues Lichtkonzept entwickelt. „Wenn zum Beispiel beim Elterngespräch von der Hexe die Rede ist, entsteht Gruselstimmung.“ Und auch mit den Sängern und dem Kinderchor habe sie noch einmal „intensiv gearbeitet“.

Ganz wichtig sei es ihr gewesen, den Kult-Charakter der Inszenierung zu verstärken und sie kurzweiliger zu machen. „Das ist eine der wichtigsten Produktionen, für viele das erste Opernerlebnis und daher gibt es eine große Verantwortung.“

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