„Gute Musik ist die tollste Predigt“

Foto: FUNKE Foto Services

Konzentriert gibt Chorleiter Karl-Heinz Burs die Melodie vor. Die Gruppe singt sich ein. Nach ein paar Minuten sind die Sänger startklar. Bevor es an die ausgewählten Stücke geht, erhebt sich eine Frau. Sie ist neu, verstärkt den Sopran. Mit Applaus wird sie begrüßt. Dann schreitet der Karmelchor zur Tat. Die Stücke für den Ostergottesdienst werden geprobt.

Die Messe im April soll etwas ganz Besonderes werden, denn dieses Jahr feiert der Chor sein 25-jähriges bestehen. Die Partituren werden aufgeschlagen, das erste Stück angestimmt. „Singen macht Spaß“ heißt es. Der Titel des Stückes scheint zugleich das Mantra der Sänger zu sein. Jeder der Musiker hat ein Lächeln auf den Lippen. „Ja, lachen ist auch erlaubt“, betont Burs schmunzelnd. Seit zwei Jahren ist er der Chorleiter der Karmelgemeinde, nachdem Inge Schumacher-Jäger, die ursprünglich Kopf der Singgemeinde war, verletzungsbedingt ihre Position zunächst räumen musste. „Eigentlich bin ich nur Aushilfe, aber ich denke, wir kommen hier alle ganz gut miteinander aus“, grinst der Pianist.

Das sieht auch Friedhelm Schneider so. Er ist seit Beginn dabei. Warum der 58-köpfige Chor immer noch stetig Zulauf bekommt, weiß er genau: „Wir sind hier eine wahre Gemeinschaft. Hier werden die Dinge behandelt, die die Leute wirklich ansprechen. Deswegen kommen Leute, die sich in ihrer alten Gemeinde nicht wohl fühlen zu uns. Leute, die sonst vielleicht der Kirche verloren gehen würden.“

Die Gemeinde zählt offiziell nur 150 Mitglieder, doch oft kommen Interessierte von außerhalb. Manche sogar aus anderen Städten. Abwechslung schaffen, sich breiter aufzustellen als der traditionelle Kirchenchor, aber dennoch den musikalischen Bezug zum Glauben nicht zu verlieren, lautet ein Ziel des Karmelchors. „Wir bieten Balance aus neuem geistlichen Lied und klassischen Stücken von Haydn oder Mozart“, erklärt Burs. Jung und Alt kommen hier zusammen.

„Ein Chor bringt Herausforderung und verlangt einem sicher einiges ab, allerdings bietet er auch einen befreienden Aspekt. Gute Musik ist die tollste Predigt“, weiß Pastor Pater Hermann. Der Geistliche hatte schon immer einen Chor in seiner Gemeinde geplant. Vor 25 Jahren dann ging es mit rund 20 Leuten los. Mittlerweile gibt es jedes Jahr eine Chorfahrt, es wurden schon zwei CDs aufgenommen und einmal im Jahr singen die Mitglieder für die Senioren im Pflegeheim am Innenhafen. Claudia Gayk, seit 16 Jahren dabei, erklärt das Erfolgskonzept in all seiner Einfachheit: „Gemeinsam singen tut einfach gut.“