Gründer der alten Universität

In der Geistesgeschichte hat der Theologe und Philosoph Johannes Clauberg bis heute seinen festen Platz. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts war er Gründungsrektor der alten Duisburger Universität und erlangte mit seiner Lehre sowie seinen Veröffentlichungen weit über die Mauern der Stadt hinaus große Bedeutung. Heute vor 350 Jahren starb er im Alter von nur 42 Jahren.

Johannes Clauberg wurde am 24. Februar 1622 in Solingen geboren. Sein Vater war dort Bürgermeister. Seine betuchten Eltern unterrichteten ihn zunächst Zuhause und ermöglichten ihm dann den Besuch des Gymnasiums in Bremen, wo er sich der klassischen Philosophie im Geiste des Aristoteles zuwandte. Es folgten als Studienorte Groningen und Leiden, wo sich Clauberg auch mit der Erschließung orientalischer Philosophie-Schwerpunkte befasste und das Studium der Theologie absolvierte.

Zwischendurch erlaubte er sich die damals übliche Kavalierstour, die ihn nach Frankreich und England führte. Im Mittelpunkt standen dabei seine Besuche von Universitäten und die Beschäftigung mit den Lehren von René Descartes („Ich denke, also bin ich“), der ihn nach erster Lektüre magisch anzog. Der französische Philosoph und Mathematiker gilt als „Vater der modernen Philosophie“. Sein bekanntestes Werk „Meditationen“ legte nach Meinung vieler Fachleute die Grundlagen für die Philosophie des Geistes und der Erkenntnistheorie der 300 Folgejahre.

Erste Professur in Herborn

Mit dem Hintergrund seiner vielgestaltigen Studien sowie Sprachkenntnisse wurde Clauberg 1649 nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges als Professor der Philosophie sowie Theologie an die Hohe Schule in Herborn berufen. Das war eine universitätsähnliche Hochschule, die von Graf Johannes VI. von Nassau-Dillenburg im Schloss von Herborn begründet worden war, danach im Alten Rathaus von Herborn unterkam und mit ihren vier Fakultäten bis 1817 existierte. Sie wurde allerdings wegen ihrer calvinistischen Ausrichtung vom Kaiser benachteiligt. Clauberg sorgte mit seiner Bildung für neue Akzente.

Doch sein Cartesianismus stieß auch auf Kritik, so dass er deshalb 1651 seine Herborner Ämter niederlegte und einem Ruf nach Duisburg folgte. Zahlreiche Studenten aus Nassau-Dillenburg zogen mit ihrem beliebten Professor um.

In Duisburg wartete man schon fast 90 Jahre auf die angestrebte Universität. Schon Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg hatte die Weichen für eine eigene Landesuniversität gestellt. Als Vorstufe war deshalb 1559 ein Akademisches Gymnasium eingerichtet worden, an dem Lehrer wie Heinrich Castritius und Gerhard Mercator unterrichteten.

1641 hatten die kleve-märkischen Stände das Anliegen an den Kurfürsten von Brandenburg als neuen Landesherrn erneuert. Mit Erfolg. Clauberg, der kurz nach seiner Übersiedlung Catharina Brinck heiratete, eine verwitwete Predigertochter, die mit der berühmten Familie Mercator verwandt war, wurde zunächst noch als Professor an das Akademische Gymnasium in Duisburg berufen. In dieser Position wusste er mit seinem Wissen zu beeindrucken und wurde bei der feierlichen Umwandlung des Akademischen Gymnasium in eine Universität am 14. Oktober 1655 zum Gründungsrektor erhoben.

An seiner Seite stand als Kollege sein vormaliger Studienfreund Christoph Wittich. Clauberg hielt Vorlesungen über Theologie, Philosophie, Ethik und Politik. Zur Lehre und Leitungsarbeit gesellten sich einige Veröffentlichungen, die ihn als engagierten Descartes-Jünger ausweisen. Er galt als der herausragende cartesianische Scholastiker im deutschen Sprachraum und als früher Wegbereiter des theoretischen Rationalismus.

Universität erlebte großen Zulauf

Clauberg verband aristotelische Elemente mit cartesianischen Elementen und führte in diesem Zusammenhang den Begriff der „Ontologie“ in die theoretische Philosophie ein. Damit sorgte der Gelehrte an der jungen Universität für eine erste geistige Blüte. Rund zehn Jahre steuerte Clauberg erfolgreich das Universitätsschiff. Eine Zeit, in der die neue Hochschule großen Zulauf erfuhr.

Clauberg starb am 31. Januar 1665 in Duisburg im Alter von nur 42 Jahren. Seine letzte Ruhe fand er in der Salvatorkirche.