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Großer Zeitdruck führte zum Pfusch in der Mercatorhalle

03.12.2012 | 12:22 Uhr
Wurde die Mercatorhalle zu früh eröffnet? Wie gehts nun weiter?Foto: Stephan Eickershoffl

Duisburg.  Krimineller Eigennutz, Vorteilsnahme und vor allem eine überhastete Inbetriebnahme sind die Gründe für die Baumängel beim Brandschutz der Mercatorhalle. Wie aus einem neuen internen Prüfbericht der Stadt Duisburg hervorgeht, mündete ein völlig unrealistischer Zeitplan fast zwangsläufig in Pfusch.

Nicht nur krimineller Eigennutz und Vorteilsnahme Einzelner, sondern ein offenbar unverantwortlicher Zeitdruck und am Ende eine zu frühe Inbetriebnahme gegen den „ausdrücklichen Rat von Fachleuten“ hat nach Einschätzung eines internen Prüfberichtes der Stadt Duisburg zu den massiven Baumängeln beim Brandschutz in der Mercatorhalle geführt. Dies ist die Kernaussage der vierten Fortschreibung des Berichtes des Rechnungsprüfungsamtes der Stadt , über den am Dienstag die Mitglieder des Rechnungsprüfungs-Ausschusses in nicht-öffentlicher Sitzung beraten müssen.

Im Fazit des Prüfberichtes, der der Politik jetzt vorliegt, kommt das städtische Prüfungsamt zu dem Schluss: Hinsichtlich der aufgetretenen bautechnischen Probleme habe sich das Rechnungsprüfungsamt bei vielen der damals Beteiligten informiert, unter anderem auch bei dem früheren technischen Vorstand der Gebag , der dieses Projekt eine Zeit lang begleitet hatte. Als Erklärung für den massiven Pfusch in der Bauausführung sei immer wieder der gesetzte Eröffnungstermin vom 21. April 2007 genannt worden.

Verwaltungsführung wusste, dass der Eröffnungstermin nicht eingehalten werden konnte

Nach Aussage einiger Beteiligter und aufgrund schriftlicher Hinweise sei deutlich geworden, dass die Planer und bauausführenden Firmen mehrfach darauf hingewiesen hätten, dass der gesetzte Eröffnungstermin vom 21. April 2007 nicht zu halten sei. Und das Prüfamt weiter: „Doch die damalige Verwaltungsführung [Anm . d. Redaktion: damit sind der damalige OB Sauerland und seine Beigeordneten gemeint] hat trotzdem an dem Termin festgehalten. Der einmal gesetzte und bekannt gemachte Eröffnungstermin vom 21.04.2007 sollte unbedingt gehalten werden. Dies kommt auch in diversen Schreiben der Projektleitung deutlich zum Ausdruck.“

Mercatorhalle in Duisburg

Obwohl auf der Baustelle Wochen und Tage vor der Eröffnung im 24 Stundentakt und auch an den Wochenenden mit verdoppeltem Personal gearbeitet wurde, konnte nach Auffassung der städtischen Rechnungsprüfer offenbar wegen des Zeitdrucks „eine ordnungsgemäße Bauausführung nicht sichergestellt“ werden.

Zu knapp kalkuliert

Nach den bisherigen Erkenntnissen des Rechnungsprüfungsamtes führte also die viel zu „frühe Inbetriebnahme gegen den ausdrücklichen Rat der beteiligten Fachleute und Fachfirmen u.a. zu den nun vorliegenden baulichen Brandschutzmängeln.“

Erschwerend kam hinzu, dass nicht nur die angesetzte Zeit von neun Monaten für den Endausbau des Rohbaus offenbar viel zu knapp kalkuliert war, sondern dass der Rohbau von der LEG an die Stadt bereits mit zahlreichen Mängeln übergeben wurde. Diese Mängel mussten erst beseitigt werden, bevor die Stadt dann mit ihrem Hallenausbau beginnen konnte. Ein Wettlauf mit der Zeit, der am Ende mit kriminellen Mängeln im Brandschutz bezahlt wurde.

Arbeiten am Brandschutz

 

Stefan Endell



Kommentare
04.12.2012
11:35
Diese "Empörung" stand heute auch in der Printausgabe der WAZ
von wattearvolt | #14

Herr Mettler empört sich:

http://www.spd-ratsfraktion.de/pressemeldungen/index.html#875780a11e0aafe01

Schlusswort: "In diesem Fall seien Millionenschäden die Folge dieses Handelns."

Beim Verstecken von Millionenschäden ist die SPD-Ratsfraktion aber auch gerne behilflich, z.B. durch kreative Buchführung (LoPa-Gutachten) oder bei der GEBAG-Verluste/ Stadtwerke-Gewinne - Kompensation.
Gemessen am Empörungs-Potenzial sollten sich die Herren Mettler (SPD) und Enzweiler (CDU) zusammentun.

04.12.2012
11:20
Der OB wünscht die Veranstaltungshalle
von Vergeltung | #13

wegen eines Howe-Konzertes! (Howard Carpendale)
der des OBs nächste Amtszeit sichern und besiegeln sollte
der OB wünscht diese Halle
wird der Rabe dem Dressler vielleicht geschrieben haben
unter zu Hilfenahme eines Brandschutzexperten,
der dann, drei Jahre später, dafür gesorgt hatte, dass das
mit der Loveparade genauso klappen wird:
OHNE Brandschutz
?
Gut, dass dieser verantwortungslose, kriminelle Sauerland
endlich weg ist
und Rabe und die anderen hinter Gardinen und arm
auf dass auch sie nicht mehr froh werden

03.12.2012
23:08
"...sondern dass der Rohbau von der LEG an die Stadt bereits mit zahlreichen Mängeln übergeben wurde. "
von wattearvolt | #12

Interessanter Aspekt ! Im Jahre 2006 befand sich die LEG (samt ihrer diversen Tochtergesellschaften) noch im Mehrheitsbesitz des Landes NRW (über die Beteiligungsverwaltungsgesellschaft des Landes NRW mbH).
Hier hat also eine landeseigene Tochter eine NRW-Kommune betuppt ?

1 Antwort
Sie,
von lospolloshermanos | #12-1

also Sie als Duisburger Bürger (falls Sie nichts zu verlieren haben) müssen mal hingehen und die Bande anzeigen. Hier können nur rechtsstaatliche Mittel eine Wirkung haben, und sei es vor dem Verfassungsgericht.

Diese ganze kommunale Selbstbedienungsmaschinerie muss und kann nur so gestoppt werden. Das Ganze "Konstrukt" gehört endlich auf den Prüfstand.

Das wird DU doch hinbekommen, oder?

03.12.2012
22:37
Großer Zeitdruck führte zum Pfusch in der Mercatorhalle
von Joe_Shortbone | #11

ein solches Objekt bedarf von Anfang an, jede Stunde von der Planung bis zur Übergabe, eine qualifizierte Bauplanung, Baubetreuung, Bauleitung und QM. Im Zweifel ist dieses Team (fast) so groß wie eine Baukolonne und steht in ständigem Austausch und Kontakt.
Oftmals wird aber genau an dieser Stelle gespart - das ist wie im privaten Bereich auch: 99,9% der Leute legen 1/4 Mio-Eur für eine Immobilie auf den Tisch, sparen aber 2.500 EUR für eine fachliche Begleitung durch einen Architekten bzw. Bausachverständigen.

1 Antwort
Der Deutsche
von lospolloshermanos | #11-1

spart halt lieber ein paar Cent beim Milch kaufen. So wie die Milch wird auch mal eben ein Eigenheim von der Stange gekauft. Ich lache mich immer über so etwas kaputt. Man fragt sich, wo der gesunde Menschenverstand bleibt.

03.12.2012
20:31
Großer Zeitdruck führte zum Pfusch in der Mercatorhalle
von Andreas45141 | #10

in duisburg standart

03.12.2012
19:35
Termine sind normalerweise Bestandteil der Ausschreibung...
von meinemeinung47 | #9

...und mit hohen Konventionalstrafen belegt!
Das ist richtig!
Leider ist es so:
Akzeptieren Sie die Bedingungen aber nicht und versuchen dem Kunden seriös zu erklären, daß seine Terminvorstellungen nicht zu realisieren sind, ist der Auftrag für den "Bedenkenträger" weg. Leider ist es so, daß auf der Bestellerseite häufig überhaupt kein Fachwissen oder Erfahrung mehr vorhanden ist, um reale Terminabfolgen und Preise zu beurteilen!
Ich habe es -zig mal erlebt, daß man bei entsprechenden Hinweisen nur zu hören bekommt:
"Ihr Wettbewerb hat keine Probleme damit und billiger sind die auch noch"!
Es gibt immer jemanden der alles zusagt nur um den Auftrag zu erhalten!
Dem seriösen Anbieter nutzt es gar nichts, wenn er später schadenfroh sein kann, weil der Kunde mit dem Konkurrent auf die Nase gefallen sind. Der Auftrag ist weg!
Und da er nicht immer nur 2. Sieger sein will, davon kann er nicht leben, geht auch er dann mal ein Risiko ein!
Es fehlt an Fachkompetenz bei den Ausschreibenden!

03.12.2012
18:39
Großer Zeitdruck führte zum Pfusch in der Mercatorhalle
von funkydellek | #8

Bei der WAZ sollte man auch mal Qualitätsmanagement betreiben. Der Bericht ist wieder mal unter aller Würde formuliert und instrumentalisiert.....

1 Antwort
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #8-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

03.12.2012
18:23
Termine sind normalerweise Bestandteil der Ausschreibung
von meigustu | #7

bei Profis gepaart mit Konventionalstrafen. Ein Unternehmer der sich darauf einlässt sollte nachher nicht auch noch den Pfusch der daraus resultiert anderen in die Schuhe schieben. Oder gab es bei dem Auftrag das alte AS-Problem dass keiner unterschrieben hat aber alle so machten wie sie dachten das der meister es will.

03.12.2012
17:01
Großer Zeitdruck führte zum Pfusch in der Mercatorhalle
von mc3hammer | #6

Kriminelle Mängel? Eine interessante These, die sich die WAZ hier zu eigen macht.
Und wie geht es jetzt weiter, liebe Qualitätsjournalisten? Seit gestern weiss ich, dass Glaubwürdigkeit das Gütesiegel der WAZ ist (wo die entsprechenden Leser-Kommentare zum Thema geblieben sind, weiss ich allerdings nicht).
Und wie geht das in der Praxis mit der Glaubwürdigkeit? Wird dieses Thema denn nun mal in Ruhe mit der gebotenen journalistischen Sorgfalt aufgearbeitet? Nennt man die Kriminellen beim Namen und zieht man sie zur Verantwortung - oder wird morgen einfach nur schnell eine neue Sau durchs Dorf getrieben?

03.12.2012
16:36
Großer Zeitdruck führte zum Pfusch in der Mercatorhalle
von Harry.Hirsch | #5

Es gibt da so ein Fach, das an den meisten Berteufsschule gelehrt wird. Diese Fach nennt sich QM = Qualitätsmanagment!!

Befolgt man davon nur die Grundsätze (!!!) kommt es werder zu Pannen, noch zu Toten!

Adressiert an AS persönlich!!

1 Antwort
Großer Zeitdruck führte zum Pfusch in der Mercatorhalle
von mc3hammer | #5-1

Nein, Herr Hirsch! Diese Fach heisst nicht Qualitätsmanagment und wird auch an keiner Berteufsschule gelehrt. Von den Entscheidern in der öffentlichen Verwaltung sollte man allerdings erwarten, dass sie während des Studiums zumindest mal in der Theorie über dieses Thema gestolpert sind.
Ich bin ein gnadenloser Optimist, das gebe ich zu. Und da die Gesetze natürlich so nett gebastelt wurden, dass niemand von ihnen zur Rechenschaft gezogen werden kann, ist das alles nur ein nettes Gedankenspiel.

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