Grippewelle wütet in Duisburg

Die Grippewelle ist in Nordrhein-Westfalen angekommen und wird noch einige Wochen andauern.
Die Grippewelle ist in Nordrhein-Westfalen angekommen und wird noch einige Wochen andauern.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Achtmal so viele Grippefälle wie 2014. Eine nachträgliche Schutzimpfung ist unter Experten umstritten. Es gibt aber auch andere Tipps zur Vorbeugung.

Duisburg.. Halskratzen, Schnupfen, Gliederschmerzen? Wem das derzeit erspart bleibt, kann sich glücklich schätzen. Von der ersten bis zur sechsten Kalenderwoche 2015 verzeichnete die DAK in Duisburg fast achtmal so viele Grippeerkrankungen im Vergleich zum Vorjahr. NRW-weit sind es sogar 14 Mal so viele Fälle als 2014.

Und das macht sich auch in den Duisburger Hausarztpraxen bemerkbar. Beim Allgemeinmediziner Dr. Christoph Hammer an der Beekstraße und bei Dr. Dirk Mecking an der Moltkestraße sind die Wartezimmer rappelvoll. „Wir behandeln zur Zeit deutlich mehr Patienten als im Vorjahr mit Grippe und grippalen Infekten“, erläutert Hammer. „Die Grippewelle rollt und wir wissen nicht, wie lange sie noch andauert. Jeder zweite, den ich behandel, sagt mir, dass das Büro leer ist“, so Mecking.

Auf Antibiotika verzichten

Wen es schon getroffen hat, sollte auf Antibiotika verzichten: „Die helfen nur bei Bakterien. Wichtig bei dieser Virusinfektion sind Bettruhe und viel Tee“, erklärt Hammer. Vorbeugend gilt: „Häufigeres Händewaschen als sonst hilft schon, um die Viren so schnell wie möglich wieder loszuwerden“, rät Alexander Ochtrop, von der DAK Duisburg.

Auch eine Impfung gilt als Prophylaxe: „Idealerweise sollten sich Patienten im Oktober oder November impfen lassen“, sagt Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut. Eine nachträgliche Grippeschutzimpfung ist umstritten. „Für Menschen mit Vorerkrankungen und über 60-Jährige sowie Schwangere ist sie ratsam“, sagt Novitas BKK-Ärztin Dr. Edeltraud Schlotmann-Höller. „Es dauert 14 Tage bis die Impfung wirkt. Der Gipfel, der in der Regel acht bis zehn Wochen andauernden Grippewelle, wird erst in drei Wochen erreicht.“ Dr. Hammer und Dr. Mecking raten von einer Impfung zu solch einem späten Zeitpunkt allerdings eher ab. Hammer: „Die Gefahr in einen bestehenden Infekt rein zu impfen ist zu groß. Außerdem neigen wir uns dem Ende der Welle.“

[kein Linktext vorhanden] Aber noch hat die Welle Duisburg im Griff. Zwar erscheinen die Daten der Krankenversicherungen, wie der Techniker Krankenkasse (TK) und der Barmer GEK, zu Arbeitsunfähigkeit und Diagnosen der Versicherten erst im Herbst. Trotzdem prognostiziert die TK für 2015 einen Anstieg der erkältungsbedingten Fehlzeiten.

Erkältungswelle in ungeraden Jahren

„Eine aktuelle Auswertung unserer Krankenstandsdaten belegt eine zweijährige Wellenbewegung“, so Günter van Aalst, Leiter der TK-Landesvertretung in NRW. Demzufolge gäbe es besonders in ungeraden Jahren eine Erkältungswelle. „Im letzten Jahr war jede Erwerbsperson in NRW durchschnittlich 1,8 Tage wegen Atemwegserkrankungen krankgeschrieben, in 2013 waren es noch 2,3 Tage.“ Auch in den Jahren 2011 und 2009 habe es eine starke Erkältungswelle gegeben. Eine ähnlich heftige Grippewelle wie die derzeitige, erlebte Deutschland vor zwei Jahren. Damals dauerte es ganze 19 Wochen, bis sie ausgestanden war.