Grippeimpfungen in Duisburg sind immer weniger gefragt

Kleiner Pieks, große Wirkung: Die Influenza-Impfung empfehlen Mediziner vor allem für Menschen ab dem 60. Lebensjahr,
Kleiner Pieks, große Wirkung: Die Influenza-Impfung empfehlen Mediziner vor allem für Menschen ab dem 60. Lebensjahr,
Foto: Franziska Gabbert, dpa
Was wir bereits wissen
  • Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein bestätgigt Abnahme der Grippeimpfungen in Duisburg
  • Apotheker und Mediziner vermuten Unsicherheit und fehlendes Wissen als Grund
  • Mediziner raten vor allem Risikogruppen zum Pieks

Duisburg.. Im Oktober beginnt in den Hausarztpraxen mit der Erkältungszeit auch die Impfsaison. Doch von Jahr zu Jahr verzichten immer mehr Duisburger auf den Pieks, der gegen Grippe schützen soll. Dabei, so warnen die Mediziner, sei dieser nötiger denn je: Schließlich wird die Gesellschaft immer älter.

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein belegt den geschätzten Trend in Zahlen: „Im vergangenen Jahr haben sich in Duisburg etwa 53 700 Menschen gegen die Influenza impfen lassen“, sagt Sprecher Christopher Schneider. In den Vorjahren lag die Zahl höher: „2014 gab es in der Stadt rund 57 350 Grippeimpfungen, 2013 waren es fast 62 370.“ Eine seriöse Prognose für die aktuell angelaufene Impfsaison könne er noch nicht abgeben.

Dr. Christoph Herrmann, Sprecher der Duisburger Apotheker, wagt eine Schätzung: „In diesem Jahr haben wir etwa zehn bis 20 Prozent weniger Grippeimpfmittel an die Praxen ausgegeben als in den Vorjahren“, sagt er. Als vor einigen Jahren Begriffe wie Schweine- oder Vogelgrippe durch die Medien gingen, war die Nachfrage nach dem Impfstoff hoch. „Mittlerweile kann man von einer gewissen Impfmüdigkeit sprechen.“ Die Unsicherheit der Patienten sei groß, ob eine Impfung den gewünschten Schutz bringe oder ob die Nebenwirkungen nicht sogar schlimmer seien. „Zudem gibt es eine große Gruppe von Impfgegnern.“

Patienten sind skeptisch

Auch Dr. Helmut Gudat, niedergelassener Arzt mit Praxis in Meiderich, stellt zunehmende Skepsis seiner Patienten fest. Das Problem liege häufig in der Vermittlung: „Viele verwechseln die Grippe mit einer Erkältung“, sagt er. Symptome wie Schnupfen, Husten, Fieber sind zwar ähnlich, die Grippe wird jedoch durch eine bestimmte Art von Viren ausgelöst, die sogenannten Influenza-Viren. Hinter einer Erkältung kann dagegen eine Vielzahl verschiedener Erreger stecken. Bekommen geimpfte Patienten einen Schnupfen, meinen sie, die Impfung hätte keine Wirkung, weiß Dr. Gudat. „Ich erkläre dann, dass eine Impfung nur gegen den schlimmsten Fall schützt: Die Virusgrippe.“ Die Verwechslungsgefahr beobachtet auch Apotheker Herrmann häufig: „Würde man von einer Grippe rote Prusteln bekommen und bei einer Erkältung nicht, würden sich viel mehr Leute impfen lassen – eben, weil sie den Unterschied erkennen.“

Dennoch raten Helmut Gudat und Christoph Herrmann vor allem Risikogruppen zur Impfung. Genau wie Dr. Dieter Weber, Leiter des Gesundheitsamtes: „Es gibt zwei Gruppen, für die eine Impfung besonders wichtig ist“, erklärt er. „Zur ersten zählen abwehrgeschwächte Menschen wie Ältere ab 60 Jahren, Schwangere oder chronisch Erkrankte.“ Zur zweiten zählt Weber Menschen, die mit Risikopatienten arbeiten, also Pfleger im Seniorenheim, Erzieher in der Kita oder medizinisches Personal im Krankenhaus. Und: Je mehr Menschen den Schutz haben, desto weniger stark breiten sich Grippewellen auf die gesamte Bevölkerung aus. „Dadurch ließe sich die Sterberate deutlich reduzieren“, ist Weber sicher. Die Nebenwirkungen, die nach dem Pieks in seltenen Fällen auftreten können, stünden dazu in keinem Verhältnis.