Griechische Ware kommt seltener nach Neudorf

Lothar Stockmeier weiß genau, wo seine Ware herkommt.
Lothar Stockmeier weiß genau, wo seine Ware herkommt.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Lothar Stockmeier arbeitete Ende der 1980er Jahre auf Kreta im Olivenhain und vertreibt nun Öl in Neudorf. Euro-Ausstieg würde den Handel verkomplizieren.

Duisburg.. Im Schaufenster hängt eine griechische Flagge, darüber steht „Kretaladen.“ In Neudorf an der Gneisenaustraße betreibt Lothar Stockmeier gewissermaßen eine griechische Botschaft: Tomaten, Öl, Wein, Käse und allerlei andere Zutaten importiert Stockmeier direkt von der Messara-Ebene auf Kreta. Wo seine Ware her kommt, weiß der Ladenbesitzer genau: Der gebürtige Bayer hat mal auf Kreta gelebt. Nun steht er in engem Kontakt zu seinen Bekannten und wartet gespannt, wie sich die Lage in Griechenland weiterentwickelt.

Ende der 1980er Jahre ist Stockmeier ausgewandert. Er sollte zur Bundeswehr eingezogen werden, weil er durch die „Gewissensprüfung“ gefallen ist. „Da hab’ ich die Düse gemacht.“ Erst nach Wien, anschließend nach Griechenland. In einem Dorf heuerte er in der Landwirtschaft an, arbeitete im Olivenhain. Er half den Bauern, pflegte und erntete die Oliven. Später verkaufte er deren Öl in Deutschland. Von seinen griechischen Bekannten bezieht er nun die Ware für sein kleines Neudorfer Geschäft. „In Griechenland wächst fast alles das ganze Jahr. Und die Bauern spritzen fast nichts. Das schmeckt man“, erklärt Stockmeier. Aktuell hat er noch genügend Vorräte, obwohl die Zusammenarbeit mit dem Spediteur seit der Krise hapert. Von schlechter Stimmung zwischen Deutschen und Griechen hat Stockmeier persönlich allerdings noch nichts gemerkt.

Viele Griechen mögen Merkel nicht

„Meine Bekannten sind nicht gut auf Frau Merkel zu sprechen, wissen aber auch, dass ihre Regierung Fehler gemacht hat.“ Sie hätten Glück, weil sie von der Landwirtschaft leben und sich deshalb selbst versorgen können. Auf dem Wochenmarkt in Heraklon, wo sie ihre Ware bisher vertrieben, geht der Umsatz allerdings zurück. Würde in Griechenland die Drachme wieder eingeführt, verkompliziere sich der Handel. „Bis es die neue Währung gibt, würde ja ein bisschen Zeit ins Land gehen und ich müsste wieder umrechnen“, sagt Stockmeier, der regelmäßig nach Griechenland fliegt. „Wenn ich dort bin, ist es wie nach Hause kommen.“ Er kennt die Mentalität und weiß, dass vor Ort viel über Beziehungen läuft. „Das macht es einfacher, und wenn man ehrlich ist, ist es auch in Deutschland manchmal nicht anders.“

Seine Ware ordert er derzeit langfristig. Der Spediteur, der früher alle zwei Wochen Paletten brachte, muss nun länger warten, bis der Lkw voll ist. Schwieriger ist es noch, Importgüter zu finden, die von Deutschland nach Griechenland geschickt werden. Das wirkt sich aufs Sortiment aus. Früher gab es regelmäßig griechische Tomaten. Doch leicht verderbliche Ware kann er kaum noch einführen.