Grandioses Heimspiel von Frank Peter Zimmermann

Auch sein jüngstes Heimspiel im restlos ausverkauften Theater am Marientor geriet zum Triumph: Frank Peter Zimmermann bleibt seiner Heimatstadt treu und riss mit einer überragenden Interpretation des Violinkonzerts von Jean Sibelius wenige Wochen vor seinem 50. Geburtstag das Publikum des 5. Philharmonischen Konzerts zu Begeisterungsstürmen hin.

Auch wenn Zimmermann seit Jahrzehnten zur engsten Welt-Eilte seines Fachs gehört, gewinnt sein Spiel zunehmend an abgeklärter Reife. Das in gedeckte, dunkel glühende Farben getauchte Meisterwerk des finnischen Meisters gehört zu den Lieblingswerken Zimmermanns. Dass die hochvirtuosen Anforderungen den Geiger in keinem Takt in Bedrängnis bringen, versteht sich von selbst.

Er begegnet dem rhapsodisch weit ausschwingenden Atem des Werks mit großem, fein differenziertem Ton, nimmt sich Zeit für filigran ausgefeilte, vor innerer Spannung vibrierende Übergänge, dosiert das Vibrato mit unerschöpflicher Nuancenvielfalt und betört mit dem ebenso süßen wie substanzreichen Ton seines kostbaren Instruments, der „Lady Inchiquin“ aus der Werkstatt Stradivaris. Mit diesem Juwel ist Zimmermann geradezu verwachsen.

Giordano Bellincampi trug mit den Duisburger Philharmonikern die intensive und ausgefeilte Werksicht des Solisten mit und ließ das Orchester dezent und in vielfach schattierten und abgedunkelten Farben leuchten. Eine rundum vorbildliche Leistung aller Beteiligten. Die glückliche Symbiose von technischer Perfektion und souveräner Ausdruckskraft unterstrich Zimmermann mit einer Bach-Zugabe.

Nach der Pause wechselte Bellincampi den Blick von Finnland in seine zweite Heimat Dänemark. Carl Nielsen gilt als bedeutendster Komponist des Landes, in dem Bellincampi lange gewirkt hat. Seine eigenwillige Musik setzt sich in Deutschland allerdings nur schleppend durch.

Nielsens Vierte Symphonie, mit dem rätselhaften Titel „Das Unauslöschliche“ versehen, strotzt vor originellen Besonderheiten. So mit einem ausschließlich von den Holzbläsern bestrittenen Scherzo, das die Duisburger Musiker äußerst delikat ausführten, oder mit einem markanten Schlagabtausch zwischen zwei räumlich versetzten Pauken-Batterien im Finale. Auch die expressiv zerrissene Tonsprache des Kopfsatzes, mit der sich Nielsen deutlich von deutschsprachigen Symphonikern des frühen 20. Jahrhunderts, etwa Mahler oder Richard Strauss, absetzt, verleiht seiner Musik ein unverwechselbar individuelles Profil. Bellincampis emotional aufgeheizter Interpretation merkte man die Begeisterung und die Werkkenntnis des Dirigenten an. Es wäre schön, wenn wir von ihm und seinem großartigen Orchester in Zukunft mehr von diesem dänischen Sonderling hören dürften.

Begeisterter Beifall auch für diesen Seitensprung an den nördlich gelegenen Rand des Repertoires.