Gleichberechtigt in der Musik

Wenn Lang Lang im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr ein Konzert gibt, dann kommt das Publikum garantiert. 24. April, Wuppertal, selbstverständlich ausverkauft. Den meisten Kindern jedoch dürfte selbst dieser große Name nichts sagen. Und das ist auch nicht schlimm. Denn mit seinem Education-Projekt verfolgt das Festival nicht das Ziel, die nächste Zuschauergeneration zu hegen, auch soll kein neuer Star-Pianisten entdeckt werden. Stattdessen wollen die Organisatoren mit ihrem Engagement an vier Duisburger Schulen den jungen Menschen die Tür in eine Welt öffnen, die ihnen sonst verschlossen bliebe. Was sie da entdecken, ist weit mehr als Musik.

Dass das Festival in diesem Jahr keine Veranstaltungen in der großen Mercator-Halle anbieten kann, findet Prof. Franz Xaver Ohnesorg etwas schade. Doch dass es wieder in ganz kleine Spielstätten, nämlich in Klassenräume kommt, freut den Intendanten außerordentlich. Seit 2008 ist das Klavier-Festival kontinuierlich mit einem ganzjährigen Bildungs- und Förderprogramm an Schulen in Marxloh vertreten, das auch Einzug ins Festival-Programm hält. Etwa 400 Kinder und Jugendliche nehmen derzeit am von der Firma Klöckner geförderten Projekt teil, neben Gruppen des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums und der KGS Henriettenstraße ist die gesamte Schülerschaft der Grundschule Sandstraße dabei. Erstmals sind Kinder aus Zuwandererfamilien, die erst vor wenigen Monaten nach Deutschland kamen und die deutsche Sprache noch nicht beherrschen, eingebunden. Und neben dem Schwerpunkt im Duisburger Norden beteiligt sich auch die Waldschule in Buchholz, eine Förderschule.

„Die Idee ist, dass Kinder und Jugendliche einen praktischen Zugang zur Musik entwickeln“, erklärt Tobias Bleek, Leiter des Education-Programms. „Das machen sie über Instrumente, aber auch über andere Kunstformen, zum Beispiel tänzerisch.“ So könne sich eine Kommunikation entwickeln, selbst wenn die Deutschkenntnisse nur rudimentär seien. Während der ersten Kurse an den Schulen werden die Kinder „so vorbereitet, dass sie gleichberechtigt zusammenarbeiten können, da soll es auch zu einer Veränderung der Einstellung kommen“, sagt Bleek. Das gelingt, „weil man mit Musik als nichtverbale Ausdrucksform Gefühle transportieren und Empathie erzeugen kann“, ergänzt Ohnesorg.

Die Ergebnisse der Arbeit sei im Umgang der Schüler miteinander deutlich zu spüren, die künstlerischen Resultate kann man am 23. und 24. Juni in der Gebläsehalle des Landschaftsparks betrachten. In diesem Schuljahr widmen sich die Grundschüler, Förderschüler und Gymnasiasten dem ungarischen Komponisten Béla Bartók, der auch zahlreiche Kinderstücke schrieb.