Gitterkegel mit Halstuch

Kunst kommt immer gut, wenn auch nicht immer gut an. So wird man nun abwarten müssen, ob die Skulptur, die eine Jury für die Neu-Gestaltung der Bahnhofsplatte ausgewählt hat, bei den Duisburgern auf Begeisterung, Akzeptanz oder Ablehnung stößt. Eines ist auf jeden Fall sicher: Fast Alles ist besser als die öde Betonwüste, die sich seit der Überdeckelung der A 59 auf dem Bahnhofsvorplatz erstreckt.

Und noch eins ist jetzt schon gewiss: Der berühmte kreative Volksmund der Duisburger wird diesem Werk ganz sicher einen eigenen Namen geben. Denn auf den ersten Blick sieht die Skulptur, die in der Sichtachse zwischen dem Ausgang des Hauptbahnhofes und der Friedrich-Wilhelm-Straße ihren Platz finden soll, aus wie eine überdimensionaler Kegel mit wehendem Halstuch.

Forderung aus Charette-Verfahren

Aber das Werk trägt den Titel „Wolkenfänger“ und stammt von Rainer Maria Matysik, einem gebürtigen Duisburger, der an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig studiert hat. Die Arbeit soll am Ende der Baumaßnahme auf dem Portsmouthplatz errichtet werden und ein weit sichtbares Zeichen setzen.

Matysiks Entwurf ging als Sieger aus dem Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes hervor. Kunst auf dem Bahnhofsplatz, das war eine der Forderungen aus dem Charrette-Verfahren, dem gemeinsamen Planungsworkshop von Planern, Fachplanern, Bürgerinnen und Bürgern sowie Anliegern des Bahnhofsplatzes. „Die künstlerische Inszenierung ist wesentlicher Bestandteil für die Herausbildung einer spezifischen Duisburger Identität auf dem Platz“ lautete eine zentrale Maßgabe für die sich bewerbenden Künstler. 90 hatten sich berufen gefühlt, diese mit ihrer Arbeit umsetzen zu können.

In einem ersten Schritt hatte die Jury fünf Teilnehmer des Wettbewerbs ausgewählt. Sie bekamen die Möglichkeit, ihre Vorschläge zu entwickeln. Gegen seine vier Mitstreiter setzte sich dann Matysik mit seinem „Wolkenfänger“ durch .

Sowohl in der Formensprache als auch in der Materialwahl knüpfe der an Duisburgs Geschichte und Gegenwart an, teilte die Stadt gestern mit. „Industriekultur im Werkstoff Stahl und Bezüge auf die Kartographie Gerhard Mercators in der Formgebung finden sich in dem Entwurf wieder.“ Es handele sich um einen etwa 20 Meter hohen kegelförmigen Turm aus einem Edelstahlrohrgeflecht mit Gitterstruktur, dessen Konstruktion die Form von Industrieanlagen aufnimmt. „Im streng technischen Gebilde hat sich eine weiße Wolke verfangen, sie wirft ihren Wolkenschatten auf den Platz.“

Mit einem Zitat von Hans Magnus Enzensberger untermauerte der Künstler seine Konzeption: „Ja, ohne die Wolken stürbe alles, was lebt.“

Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum jedenfalls war als Jurymitglied begeistert: „Die ausgewählte Skulptur kann zu einem neuen Identifikationsobjekt werden und fügt sich hervorragend in die Gesamtgestaltung ein.“ Auch Kulturdezernent Thomas Krützberg zeigte sich hocherfreut über das Ergebnis des Wettbewerbs: „Es gibt eine lebendige Kunstszene, die sich intensiv mit der Aufgabe auseinandergesetzt und hervorragende Beiträge geliefert hat. Die Auswahl war nicht leicht. Wir haben eine realisierbare Skulptur ausgewählt, die zur Geschichte und Gegenwart Duisburgs passt.“