Das aktuelle Wetter Duisburg 19°C
Gewerkschaft

Gewerkschafterprotest gegen OB Sauerland in Duisburg

29.04.2011 | 19:22 Uhr
Gewerkschafterprotest gegen OB Sauerland in Duisburg
Protest vorm Rathaus: Die Mehrheit der Gewerkschafter blieb gestern dem Arbeitnehmerempfang in Duisburg fern. Foto: Hayrettin Özcan

Duisburg.   Trillerpfeifen vorm Rathaus, Buletten drinnen – es war ein Arbeitnehmerempfang der anderer Art am Freitagabend. Die Gewerkschaften protestierten gegen Adolf Sauerland – aber nicht alle.

300 Vertreter der Arbeitnehmerschaft sind in der Regel am Vorabend des 1. Mai ins Rathaus eingeladen, gekommen sind in den letzten Jahren meist weniger. Freitagabend waren es etwa 100 Gewerkschaftsvertreter und Betriebsräte, die sich dem Empfang vor der Rathaustür sichtbar verweigerten .

Allein bleiben musste Sauerland jedoch nicht: Rund 50 Zuhörer applaudierten seiner Ansprache, Arbeitnehmer vor allem, verstärkt durch einige aktive und frühere Politiker aus den Reihen der CDU. Zwei Grüne waren auch dabei: Ex-Bürgermeisterin Doris Janicki und Prof. Dieter Kantel.

„Der Mann ist unehrlich.“

IG Metall-Chef Jürgen Dzudzek begründete per Megafon erneut die Entscheidung der DGB-Gewerkschaften, dem traditionellen Empfang der Stadt für die Arbeitnehmerschaft fernzubleiben. Mehrfach sei Sauerland in den letzten Jahren – etwa bei Krisen in Betrieben – den Arbeitnehmern in den Rücken gefallen. Die Gewerkschaften vermissten bei ihm Verantwortungsbewusstsein und Aufrichtigkeit: „Der Mann ist unehrlich.“ Nach der Loveparade-Katastrophe habe sich dieser Eindruck „verschlimmert und bestätigt“.

OB Adolf Sauerland (l.) blieb nicht allein im Rathaus

„Ich kann’s nicht verstehen“, kommentierte Sauerland im Rathaus den Protest vorm Rathaus. Er setze eine mit dem Empfang für die Arbeitnehmerschaft eine Tradition fort, die unter OB August Seeling (SPD) 1965 begonnen habe. Er kritisierte, dass die Protestierenden, unter ihnen Politiker von SPD und Linken, mit ihrer gestrigen Aktion Parteipolitik machten.

Er wolle auch weithin „das Gemeinsame und Beste für diese Stadt suchen“, sagte Sauerland: „Ich bleibe mir treu.“

Gewerkschaften
IG Metall führend

Acht Einzelgewerkschaften bilden den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Mitgliederstärkste Gewerkschaft in Duisburg ist mit weitem Abstand die IG Metall mit über 40 000 Mitgliedern. Mit dem offenen Brief der Metaller begann die Auseinandersetzung um den diesjährigen Arbeitnehmerempfang. Der DGB schloss sich der Haltung an.

Bernd Kruse, führendes Mitglied der einflussreichen IG Metall-Vertrauensleute bei Thyssen-Krupp-Stahl, war ganz bewusst Gast bei Sauerland. Als Mitglied der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft ist er überzeugter Gewerkschafter – und überzeugt, dass der gestrige Boykott des Empfangs im Betrieb so gut wie keinen interessiert: „Das ist ein reines Funktionärsthema.“

40 Jahre in der SPD

Unter den Sauerland-freundlichen Arbeitnehmern war auch ein Unternehmer – mit sozialdemokratischem Parteibuch. 40 Jahre sei er in der SPD, sagte Rudi Lisken. Die Proteste gegen den Oberbürgermeister schädigten aber das Image der Stadt, die sich eigentlich recht gut entwickele. Daher bleibe er im Rathaus. Und in der SPD.

DGB-Protest vor Rathaus

Ausgetreten wegen der Anti-Sauerland-Aktion ist dagegen CDU-Ratsfrau Maria Parlo, und zwar aus der Gewerkschaft. 48 Jahre lang war sie Mitglied von IG Metall und Verdi.

Willi Mohrs

Facebook
 
Kommentare
30.04.2011
17:24
Gewerkschafterprotest gegen Sauerland
von taosnm | #49

#48 jojo2008

Ja, sicher, wenn man mit Verantwortung nichts zu tun hat, kann man auch nach fast einem Jahr nach der Katastrophe sagen, dass das Thema heruntergefahren werden kann. Juckt es ihn denn überhaupt? Ich fürchte, nein. Es ist doch nur noch lästig und an sich überflüssig! Inzwischen halte ich den OB für so dämlich wie einen Klappstuhl. Der hat nichts, aber auch gar nichts begriffen. Und seine Unterstützer, die sich ja auch im forum durch Kenntnisfreiheit immer wieder darstellen, applaudieren ihm. Und deshalb ist es gut und richtig, dass die Gewerkschaft endlich einmal Klartext redete.

30.04.2011
16:45
Gewerkschafterprotest gegen Sauerland
von jojo2008 | #48

Hurra! Wir sind wieder wer! Auf der 3.Seite der Süddeutschen Zeitung vom 27.4.2011: Duisburg? Meine Stadt!! Super! Allerdings lassen nicht nur die letzten beiden Sätze stutzen: Er (Sauerland) macht weiter, immer weiter. Die Stadt, sie ist seine Gefangene. Häh? Und dann wurde der Herr auch noch zitiert: Ich denke, dass man das Thema Loveparade jetzt wieder etwas runterfahren kann. Das sind einige von vielen unsäglichen Worten des 1. Bürgers unserer Stadt. Was denken und fühlen wohl die Angehörigen der Opfer und die vielen Traumatisierten angesichts solcher Sätze? Und wer schadet damit wem?
Harald Jochums / DU-Rheinhausen

30.04.2011
15:14
Gewerkschafterprotest gegen OB Sauerland in Duisburg
von indimike | #47

Nichts gewesen ausser anti-Sauerland? Dürftig.

30.04.2011
14:35
Gewerkschafterprotest gegen Sauerland
von GeorgiaSam | #46

War Herbert Mettler nicht da?
Ja hat dem denn keine Bescheid gesagt, dass es dort Buffet gibt????

30.04.2011
14:24
Gewerkschafterprotest gegen Sauerland
von wattearvolt | #45

#42 von Melesigenes , am 30.04.2011 um 13:43

@ Melesigenes, Sie verfügen über einen philosophisch angehauchten Nickname, im Gegensatz dazu ist Ihre Denke leider nur eindimensional. Was Beitrag #44 zu vermitteln versucht hat, ist dass die Prüfung zur Durchführung der LoPa der Stadt gemäß der entsprechenden Verordnungen oblag. Die richtige Umsetzung dieser Pflicht ist aber massiv zu bezweifeln, wie das traurige Ergebnis beweist.

30.04.2011
13:58
Gewerkschafterprotest gegen Sauerland
von taosnm | #44

#42 Melesigenes
Dass Sie einen solchen Unfug schreiben, ist möglicherweise der Tatsache geschuldet, dass Sie zu wenig Informationen über das Procedere zur Loveparade haben. Das sei Ihnen nachgesehen. Was danach passierte, ist jedoch niemandem entgangen, der sich über Presse und TV informierte, und allein das liefert mehr als einen Grund, dem OB den Respekt absolut zu verweigern, denn den Anspruch darauf hat er selbst, ob leichtfertig oder aus Dummheit, verspielt.

Charakterlosigkeit habe ich dem OB vorgeworfen, und ich kann Ihnen an Eides statt versichern, dass ich mit der SPD nun mal so gar nichts zu tun habe.

Der OB verlässt sich auf Menschen wie Sie, chrei, Pucky usw. Lassen Sie ihn nicht im Stich und überwinden Sie alle gesellschaftsrelevanten moralischen Werte wie Anstand, Würde, Ehrlichkeit, Verantwortungsbereitschaft, Pflichtbewusstsein, und stützen Sie einen unwürdigen Menschen in einem würdigen Amt.

30.04.2011
13:43
Gewerkschafterprotest gegen OB Sauerland in Duisburg
von kpdhagen | #43

Die Gewrkschaftsfunktionäre lenken von den wirklichen Problemen ab!

30.04.2011
13:43
Gewerkschafterprotest gegen OB Sauerland in Duisburg
von Melesigenes | #42

Die Duisburger SPD und ihre Hilfstruppe (DGB-Chef Bischoff ist ja in Personalunion Landtagsabgeordneter) kann und will sich nicht erinnern, dass sie ebenfalls für die Durchführung der Loveparade gestimmt hat. Sauerland Charakterlosigkeit vorzuwerfen ist vor diesem Hintergrund eine so bodenlose Unverschämtheit, wie sie sich nur die SPD leisten kann. Bei der haben ja neuerdings auch Rassentheoretiker ihren festen Platz im Spektrum. Das ist Übelkeit erregend....

30.04.2011
13:31
Gewerkschafterprotest gegen OB Sauerland in Duisburg
von b.scheuert | #41

Es ist nicht zu fassen, wie würdelos mit den Opfern nebst Angehörigen umgegangen wird. Die Stadtspitze spielt seit Monaten Verstecken, ignorante Kommentatoren lassen ebenfalls jegliches Fingerspitzengefühl vermissen. Institutionen wie Stadtrat, DGB, Kirchen etc. zähle ich ebenfalls dazu. Wenn so mit dem Desaster umgegangen wird, können mich Meldungen über Gewalt in Familien, Verkehrsmitteln oder auf offener Straße ebenfalls nicht schocken. Niemand trägt heutzutage Verantwortung für irgendwas, die anderen sind es gewesen, ich habe nichts gesehen, ich habe nichts unterschrieben blablabla. Welch verkommene Welt. Hauptsache, die Krawatte sitzt gerade...

30.04.2011
13:06
Blockierter Kommentar.
von indimike | #40

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4592736/create

Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

Captcha

Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld:

Wort unleserlich? (Neuladen)

 
Aktuelle Fotos und Videos
Schützenfest in Großenbaum
Bildgalerie
Schützenfest
Kanu Worldcup
Bildgalerie
Wassersport
Aus dem Ressort
Wo Fußball-Fans in Duisburg die EM-Spiele sehen können
Public Viewing
Die Fußball-EM wirft ihre Schatten auch in Duisburg voraus. Zwar gibt es in Duisburg aus Geldmangel kein zentrales Public Viewing unter freiem Himmel. Doch viele private Veranstalter werden das Fußball-Turnier, das am 8. Juni beginnt, auf großen Leinwänden zeigen.
Arbeiten am Fahrdraht führten zu Verspätungen bei Bahnen
Nahverkehr
Pendler, die mit den Linien 901, 903 und U79 zur Arbeit fahren, mussten sich am Mittwochmorgen etwas länger auf ihre Bahn warten. Grund dafür war eine Oberleitungsstörung am DVG-Betriebshof Grunewald. Dort wurde in der Nacht zu Mittwoch der Fahrdraht ausgetauscht.