Gewerkschaft: Verkauf des Duisburger Klinkums verschieben

Die Belegschaften in den sogenannten „patientenfernen Bereichen“ des Klinikums fürchten um ihre Zukunft durch den Verkauf der städtischen Anteile an die Sana AG.
Die Belegschaften in den sogenannten „patientenfernen Bereichen“ des Klinikums fürchten um ihre Zukunft durch den Verkauf der städtischen Anteile an die Sana AG.
Foto: WAZ
Die Gewerkschaft Ver.di fordert, die Entscheidung über den Verkauf der Klinikum-Anteile an Sana zu verschieben. Sie sieht die Zukunft von mindestens 800 Mitarbeitern gefährdet.

Duisburg.. Die Gewerkschaft Ver.di fordert den Rat der Stadt auf, über den Verkauf der kommunalen Anteile am städtischen Klinikums am Kalkweg an die Sana AG nicht schon in der Sitzung am kommenden Montag zu entscheiden. Sie ruft die Belegschaft ab 13 Uhr zur Demonstration vor dem Rathaus auf.

Belegschaft sauer auf OB Sören Link

Die Stadt werde in den Vereinbarungen mit Sana ihrer Verantwortung gegenüber den Beschäftigten in den sogenannten „patientenfernen Dienstleistungen“ nicht gerecht, erklärten am Donnerstag Ver.di-Bezirksgeschäftsführer Thomas Keuer und Betriebsräte des Klinikums. Sie fürchten, dass eine Auslagerung von Bereichen wie Verwaltung, Küche und Haustechnik mit erheblichen Gehaltseinbußen für die Betroffenen verbunden sein wird. „Wir gehen von mindestens 800 Beschäftigten aus, für die künftig weder der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes noch die Regelungen der Zusatzversorgungskasse gelten soll“, so Keuer. Schlimmstenfalls drohten den Mitarbeitern Kündigungen.

Krankenhäuser

Die mit Sana vereinbarten fünf Millionen Euro für einen „Sozialfonds“ bezeichnet Helmut Böckeler als „völlig unzureichend“: Beim Verkauf des Krefelder Klinikums, ein Haus ähnlicher Größe, seien 20 Mio Euro vereinbart worden, so der Betriebsratsvorsitzende.

Gewerkschaft und Belegschaft werfen Sören Link Wortbruch vor

OB Sören Link werfen Gewerkschaft und Belegschaft Wortbruch vor. Entgegen seiner Zusagen „will er sich der Verantwortung für die Beschäftigten entledigen“. Man werde „nicht zulassen, dass er sich in die Büsche schlägt und die Verantwortung auf den Betriebsrat abschiebt“, so Thomas Keuer. Ver.di behalte sich „gewerkschaftliche Antworten“ vor für den Fall, dass die Entscheidung nicht verschoben wird, um zunächst über die Zukunft der Betroffenen mit Sana zu verhandeln.

In der Belegschaft gehe die Angst um, berichten Betroffene wie Claudia Kaldenhoff: „Wir fühlen uns nicht mehr gebraucht.“ Die Stadt, sagt sie, „hat doch auch einen Vertrag mit mir, nicht nur mit Sana.“ Viele sehen künftig eine „Zweiklassen-Gesellschaft“ im Klinikum: „Uns haben die am Bahnsteig stehen lassen.“ Als „Vertragsbruch“ empfindet auch Harald Binder (52), Haustechniker seit 26 Jahren, die Vereinbarung. „Dass ausgerechnet die SPD uns über die Klinge springen lässt, kann ich nicht nachvollziehen.“