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Inklusion

Duisburger Regelschulen sollen Förderschüler aufnehmen

22.01.2015 | 12:00 Uhr
Duisburger Regelschulen sollen Förderschüler aufnehmen
Gemeinsamer Unterricht: Kinder mit und ohne Förderbedarf sollen künftig nicht nur in den Duisburger Grundschulen gemeinsam lernen.Foto: Stephan Glagla

Duisburg.  Das gemeinsame Lernen verändert das Schulsystem. Alle Regelschulen sollen bald Kinder mit Förderbedarf aufnehmen, die Zahl der Förderschulen sinkt.

Sperriger Begriff, große Wirkung: Mit dem 9. Schulrechtsänderungsgesetz, nach heftigem Disput verabschiedet, setzt der NRW-Landtag die UN-Behindertenrechtskonvention um. Das Recht auf gemeinsames Lernen für alle Kinder löst eine tiefgreifende Veränderung im Schulsystem aus. Ein Teil der städtischen Förderschulen wird in den nächsten Jahren schließen, weil künftig alle Grundschulen und weiterführenden Schulen auch Kinder mit Förderbedarf und Behinderungen aufnehmen werden.

Keine Schließungspläne

Die Inklusion werde nicht mit der Brechstange umgesetzt, versprach Schuldezernent Thomas Krützberg am Dienstagabend bei einer Diskussion mit der Duisburger CDU-Landtagsabgeordneten Petra Vogt. „Wir versuchen, einen breit aufgestellten Konsens zu erreichen, der Schülern, Lehrern und Eltern gerecht wird.“ Ein Konzept für erste Schritte soll der Schulausschuss am 27. März beschließen. Seriosität gehe dabei vor Geschwindigkeit, betonte Krützberg. „Wir betreiben keine Förderschul-Schließungsplanung und beraten Eltern nicht einseitig in Richtung Regelschul-Besuch.“

Die Worte des Beigeordneten hörte die Landtagsabgeordnete gern. „Wir können uns nur auf den Weg machen, wenn zumindest der heutige Standard gewahrt bleibt“, mahnte Vogt, selbst Lehrerin. Das Gesetz habe Mängel, bei Gebäuden, Personal und Weiterbildung gebe es großen Verbesserungsbedarf.

Mit dem Umbau des Systems will die Schulverwaltung ansetzen bei den Förderschulen mit Schwerpunkt „Lernen“ (siehe Text unten). Deren Schüler sind am leichtesten ins Regelsystem zu überführen, glauben die Fachleute, deren gemeinsame Arbeit in vier Planungsforen (Nord, Süd, West, Ost) Krützberg lobte.

Kommentar
Ein schwieriger Spagat

Allen Kindern soll entsprechend ihren Fähigkeiten die passende und bestmögliche Schullaufbahn ermöglicht werden. Dieses Ziel, das die Verwaltung für die Umsetzung des gemeinsamen Lernens ausruft, ist angesichts der Ausgangslage ein hohes. Es fehlt an Geld für Ausstattung und Umbau von Gebäuden, an pädagogischen Konzepten und an Antworten auf die Fragen: Welche Förderschulen bleiben auf Dauer? Welche auf Zeit?

Längst nicht alle Eltern von Kindern mit Behinderungen vermuten die Regelschule als besten Lernort für ihre Kinder. Mit Recht bezeichnet der Schuldezernent es als großen Fehler, sie gegen ihren Willen dorthin zu drängen und ein hoch professionelles Förderschulsystem zu zerschlagen.

Ja bitte, so viel Inklusion wie möglich: Dass Menschen mit Behinderung in dieser Gesellschaft von der Wiege bis zur Bahre in einem Parallelsystem von Schulen, Werkstätten und Heimen leben (müssen), ist nicht akzeptabel. Doch der Übergang sollte so gelingen, dass auch der Anspruch der Kinder ohne Förderbedarf auf bestmögliche Bildung gewahrt bleibt. Das wird ein schwieriger Spagat.

Der Förderschwerpunkt „Sprache“ lasse sich nicht komplett inklusiv überführen, deshalb sollen „stabile Schulen als temporäre Förderorte“ vorläufig bestehen bleiben. Beratungsbedarf haben die Foren zur Zukunft der Schulen mit dem Schwerpunkt „Emotionale und soziale Entwicklung“. Sie verfügen über „hohe Kompetenz“, heißt es in der Vorlage für die Politik. Außerdem gebe es „hohe Unsicherheiten im Umgang mit der Beschulung dieser Kinder im Regelschulsystem“.

Er zweifele nicht daran, dass die obere Schulaufsicht diesen Wege mitgehen werden, begegnete Thomas Krützberg den Zweifeln von Petra Vogt. Deutlich macht der Schuldezernent aber auch, dass es ohne finanzielle Hilfe und die nötige Ausstattung mit Personal nicht geht: „Dann werden wir scheitern mit der Inklusion.“

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Kommentare
23.01.2015
07:35
Duisburger Regelschulen sollen Förderschüler aufnehmen
von Duisburgwest | #3

Die Erkenntnis, ohne finanzielle Hilfe und Personalaufstockung geht es nicht, ist nur zu schmeichelhaft.. Aber hat auch mal einer der Verantwortlichen...
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Duisburger Regelschulen sollen Förderschüler aufnehmen
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2015-01-22 12:00
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