Geheimnisse des Alten Amerika

Foto: Lars Heidrich

Den ersten Bestandskatalog der Sammlung Köhler-Osbahr im Kultur- und Stadthistorischen Museum, der 2012 zu den Sonderausstellungen „Faszination Keramik. Die Maya und Teotihuacan“ und „Leben und Tod im Alten Peru“ erschienen ist, ziert die Figur eines Mannes mit einem Strick um den Hals, der wohl als Menschenopfer vorgesehen war. Der gestern vorgestellte Ergänzungskatalog kommt dem Leser mit einem Lächeln entgegen: Er zeigt die reich verzierte Keramik-Figur einer Frau aus dem mexikanischen Veracruz der Art „caras sonrientes“ – „lächelnde Gesichter“ – für die der entsprechend verzogenen Mund typisch ist. Warum sie lächelt? Die Forscher vermuten, dass es sich um einen Tanz, ein Ritual handelt, das möglicherweise im Rausch abgehalten wurde, so Museums-Volontärin Dr. Andrea Gropp, die den Katalogband betreut hat. Die Geheimnisse des „Alten Amerika“, der Inka und Maya oder auch der Valdivia-Kultur haben die Forscher längst noch nicht entschlüsselt. „Aber jedes Stück erzählt Geschichte“, sagt Andrea Gropp. Zum Beispiel die Pfeifgefäße, die wohl Instrumente der Heiler waren: Mit Wasser gefüllt und hin- und herbewegt, erzeugten sie Klänge, die die Seele eines Erkrankten zurückrufen sollte. Das Zeremonialmesser aus Kupfer mit der runden Schneide diente wohl der Tötung bei Menschenopfern, und bei einer Figur handelt es sich um Ehecatl, den Gott, von dem man glaubte, er habe die Liebe auf die Welt gebracht. Im Original sind diese Figuren in einer Vitrine des Stadtmuseums zu sehen.

Im Katalog sind auch die Stücke der Sammlungen, die als Zustiftungen zur Köhler-Osbahr-Sammlung gekommen sind, zu sehen: Etwa 600 altamerikanische Werke aus dem Nachlass von Professor Kurt Sandweg, 25 präkolumbianische Stücke aus der Sammlung von Ursula und Horst Schuwerack sowie Textilien, Schmuck und Keramik, die Christa und Dr. Gottfried Arnold gestiftet haben.

„Dieser zweite Band zu den Kulturen des Alten Amerikas verdeutlicht uns noch einmal, wie umfangreich und mit welcher Leidenschaft die Sammler Kunstwerke der neuen Welt gesammelt und bewahrt haben“, so Jennifer Schmitz von der Abteilung für Altamerikanistik der Universität Bonn, die bereits am ersten Band mitgewirkt hat: „Gerade die Keramikobjekte der Sammlungen bieten uns einen wundervollen Einblick in die Kunstschaffung der Mayakultur.“

Kulturdezernent Thomas Krützberg nannte die Sammlungen „unverzichtbar“. Die wissenschaftliche Bearbeitung dieses Teils der Sammlung sei jetzt abgeschlossen, so Museumsdirektorin Dr. Susanne Sommer. Für die Erforschung der Köhler-Osbahr-Sammlung insgesamt aber „reicht ein Forscherleben nicht aus“.