Gefahr war erst Stunden nach dem Feuer bekannt

Die Gefahr, die von dem Brand der Lagerhalle ausging, wurde erst nach dem Ende der Löscharbeiten offenkundig: Fachleute des Landesumweltamtes fanden am Samstagmorgen in dem Brandschutt Asbestteile, sofort eingeleitete Messungen ergaben dann, dass der niedergegangene Ruß Asbeststaub enthält. Gegen 10 Uhr, rund sechs Stunden nach dem Feuer, informierte die Feuerwehr dann über die Kontamination in der Umgebung. Anliegende Straßen wurden abgesperrt, Schleusen eingerichtet.

Das Ordnungsamt verteilte im Laufe des Tages Faltblätter, die auch an zahlreichen Hauseingängen klebten. Doch längst nicht alle Anwohner in der Nachbarschaft waren informiert. „Auf der Deichstraße erfuhr man nichts. Man merkte nur, dass ein enormer Verkehr die enge Straße überforderte“, berichtet Anwohner Peter Schüten. „Wenn man die Asterlager sperrt, ist die Deichstraße die logische Ausweichroute“, weiß er, wundert sich aber, warum man diese nicht vorübergehend zur Einbahnstraße gemacht hatte, damit die Fahrzeuge den gesperrten Bereich zügig verlassen. Ohnehin kam die Absperrung des betroffenen Gebietes für viele zu spät. „Ich hatte am Morgen noch das später gesperrte Gebiet per Rad durchquert“, sagt Schüten. Auch viele andere Menschen waren an diesem Samstagmorgen unterwegs, vor allem in Richtung des Einkaufszentrums Asterlagen.

Kritik gab es, weil die Stadt nach Bekanntwerden der Asbestbelastung nicht die Warnsirenen in Rheinhausen eingeschaltet hatte. Laut eines Stadtsprechers sei das betroffene Gebiet dafür aber zu klein gewesen: „Die Sirenen werden nur bei größerer Gefährdung ausgelöst.“

Ohnehin ist das Ereignis für den Krisenstab der Stadt die erste Bewährungsprobe nach der Neustrukturierung. Vor mehr als einem Jahr wurde offenkundig, dass es zahlreiche Missstände gibt, die Stadt im Schadensfall unzureichend vorbereitet ist. Übungen und Schulungen sowie mehr Helfer sollten Abhilfe schaffen. Jetzt wird sich zeigen, in wie weit die neuen Maßnahmen greifen. Leiterin des Krisenstabs ist qua Amt die Ordnungsdezernentin Daniela Lesmeister. Sie ist zwar erst wenige Monate im Amt, dürfte sich mit der Krisenstabs-Arbeit und Schadensereignissen bestens auskennen: Lesmeister ist Gründerin und Präsidentin der Hilfsorganisation I.S.A.R. Germany, die weltweit bei Katastrophen im Einsatz ist.