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Sparzwang

Gefahr für die gute Seele

23.06.2010 | 15:57 Uhr
Gefahr für die gute Seele
Barbara Laakmann. Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool

Duisburg.Die Stadt muss sparen und zwar gewaltig. Zuweilen treibt der auferlegte Zwang jedoch seltsame Blüten. Denn künftig könnte es massive Einsparungen bei den Schulhausmeistern im Stadtgebiet geben.

Barbara Laakmann, Schulleiterin an der Alfred-Hitz-Schule in Bergheim-Rheinhausen, kann sich nicht vorstellen, dass ihr Hausmeister zugleich eine weitere Schule betreuen soll. Das Schulgebäude wurde 1928 erbaut und viel hat sich seitdem nicht getan. Das Arbeitspensum für die gute Seele der Lange Straße ist beachtlich. Um 7 Uhr werden die Tore der Hauptschule aufgeschlossen, um 17 Uhr erlischt das Licht und der Schultag ist beendet. In der Zwischenzeit muss der Hausmeister vielfältige Herausforderungen meistern. Im Optimalfall ist er Sozialarbeiter, Handwerker, Sicherheitsfachmann und Psychologe zugleich. Eingeschlagene Fenster in der Turnhalle oder fachgerechte Entsorgung giftiger Stoffe aus dem Naturwissenschaftstrakt – dem Aufgabenfeld sind keine Grenzen gesetzt.

Doch es gibt ein weiteres Problem: „Unsere Schule soll offen sein, aber es soll nicht jeder rein. Es kommt auch vor, dass Fremde durch das Haus laufen, wir versuchen das im Blick zu haben. Aber Sicherheit heißt vor allem präsent zu sein“, sagt Laakmann. Sind die Lehrer im Unterricht, kann nur der Hausmeister für ein gewisses Sicherheitsgefühl sorgen. Mehrere Stunden täglich auf ihre Allroundkraft verzichten zu müssen, wäre für Laakmann jedenfalls eine Katastrophe. „Er kennt fast jedes Kind mit Namen – es ist auch nicht ungewöhnlich, dass sich die Schüler bei ihm ausweinen“, so Laakmann. Müsste der Hausmeister eine zweite Schule betreuen, wäre das für die 60-jährige Schulleiterin schlichtweg „furchtbar“.

Einen Seitenhieb für die Lehrer an Schulen, die ihren Hausmeister bereits „teilen“ müssen, kann sich Laakmann nicht verkneifen: „Die Kollegen nehmen es einfach klaglos hin und versuchen zu improvisieren. Letztlich geraten dadurch Arbeitsplätze in Gefahr.“

Uwe Rohde, Geschäftsführer des Immobilien-Management Duisburg, gibt immerhin teilweise Entwarnung: „Dass Grundschulen sich vermehrt Hausmeister teilen sollen, ist immer noch in der Diskussion. Für weiterführende Schulen sind aufgrund der größeren räumlichen Flächen ähnliche Maßnahmen nicht geplant.“

Jörn Esser

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Kommentare
25.06.2010
13:28
Gefahr für die gute Seele
von olaf selke | #9

Die Politik ünterstützt doch die Missverhältnisse in unserem Land. Die Gesellschaft wird systematisch ausbluten (http://www.derwesten.de/nachrichten/Viele-Firmen-zahlen-Dumpingloehne-id3153965.html)

25.06.2010
09:35
Gefahr für die gute Seele
von Banjoboy10 | #8

Warum lese ich, dass ihr Hausmeister zugleich eine weitere Schule betreuen soll.
Das könnten die Lehrer doch auch. Oder?

25.06.2010
09:33
Gefahr für die gute Seele
von jo-achim | #7

Hallo Frau Laakmann, meine ehrliche Bewunderung dass Sie hier den Schulalltag und die Aufgaben eines Schulhausmeisters so trefflich beschreiben. Viele Ihrer Kolleginnen und Kollegen tun das nicht. Herr Rhode sollte genauso ehrlich sein denn es sind Leute aus seinem Betrieb die an der Existenz der Schulhausmeister basteln und zwar nach dem Motto, koste es was es wolle. Würde man hier an der richtigen Stelle sparen, ließe sich manche Schule besser betreuen.

25.06.2010
06:25
Gefahr für die gute Seele
von Holger | #6

da gibt es neue Jobs für die 1Euro Sklaven

24.06.2010
23:44
Gefahr für die gute Seele
von Anoymer Anruf | #5

#2 von Peter Buda, am 24.06.2010 um 14:55

Lieber Peter, ich erlaube mir eine kleine Korrektur, das ist nicht erst der Anfang sondern die Fortsetzung. Es gibt Spitzenleute die ein Dauerabo wegen guter Führung haben - war doch oft in der Presse zu lesen:

http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/Nimmst-Du-meinen-nehm-ich-Deinen-id3014028.html

http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/Minister-soll-Vertrag-von-Chef-der-Duisburg-Marketing-pruefen-id2937862.html

http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/DMG-Job-fuer-Janickis-Partner-id2017537.html

Und nun träumt der nächste von einer Vertragsverlängerung bei der städtischen Tochter DMG: http://www.derwesten.de/nrz/niederrhein/Traumzeit-will-juenger-werden-id3153228.html

Manche gute Seele ist eben gleicher als gleich.

24.06.2010
18:45
Gefahr für die gute Seele
von Bittere Zukunft | #4

Hausmeister wird bald ein 400 Euro Job.

24.06.2010
16:47
Gefahr für die gute Seele
von PointZero | #3

@2 Wie? Ich habe heute morgen gelesen, dass die Politik die Malocher unterstützen will?!!!!
Wegen diesem neuen Urteil im Tarifrecht - das ist doch eigentlich keine schlechte Nachricht
.
http://www.derwesten.de/nachrichten/politik/Union-will-Tarifeinheit-per-Gesetz-schuetzen-id3149318.html

24.06.2010
14:55
Gefahr für die gute Seele
von Peter Buda | #2

Leute, das ist erst der Anfang!

Schließlich muß für die Spitzenbeamten in der Stadt nächstes Jahr der Fuhrpark erneuert werden (da laufen die alten Verträge aus)...

24.06.2010
13:30
Gefahr für die gute Seele
von PAN FLOETE | #1

Man verkauft seine Arbeitskraft, nicht seine Seele

http://www.zeit.de/karriere/beruf/2009-12/burnout-job-krankheit
http://www.forum-mlp.de/multitasking-ist-korperverletzung/

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Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

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