Duisburg
Fußpflege bei Vater Rhein
29.12.2008 | 11:11 Uhr 2008-12-29T11:11:00+0100
Duisburg. Eine stählerne Tauchglocke mit dem minimalistischen Charme eines alten U-Boots und der Größe eines mittleren Wohnraums, das ist es, was die „Carl Staat bis heute einzigartig macht.
Denn obwohl das 1963 erbaute Tauchglockenschiff mittlerweile eigentlich schon zum „alten Eisen” gehört, ist ihr Einsatzplan für 2009 schon jetzt prall gefüllt. „Als das Schiff gebaut wurde, sollte es ursprünglich nur im Bereich Niederrhein tätig sein”, erklärt Einsatzleiter Karl Gernholz. „Heute erstreckt sich unser Einsatzgebiet von der holländischen bis zur luxemburgischen Grenze.”
Die Technik hinter dem schwimmenden Unikat ist so einfach wie genial, erklärt der Schiffsführer der „Carl Straat” das simple Druckluftprinzip. „Die Tauchglocke funktioniert unter Wasser wie ein umgestülpter Becher. Mit Überdruck wird das Wasser aus der Glocke herausgedrückt, bis sie schließlich auf der Rheinsohle aufliegt und wir trockenen Fußes arbeiten können. Es bleibt meist nicht mal eine Pfütze auf dem Boden zurück.” Der Weg zum Rheingrund führt die Matrosen zunächst in eine Schleusenkammer, in der die Arbeiter auf den unter Wasser herrschenden Unterdruck vorbereitet werden. Öffnet sich nach einiger Zeit die Stahlluke, betreten sie eine 15 Meter lange Stahltreppe, die von einem Schachtrohr eng umschlungen wird und schließlich auf dem groben Kies des Rheingrunds endet. „Wenn die Glocke nach unten geht, hört man genau, wie der Kies am Metall vorbei geschwemmt wird. Aber auch sonst ist es darin vor allem laut”, sagt Matrose Andre Schlüter über den die beeindruckende Geräuschkulisse.
Nach etwa sieben Minuten sind die Arbeiter auf ihrem Arbeitsplatz in zehn Meter Tiefe angekommen und erledigen alles, was auf dem Rheinboden eben so anfällt. „Der letzte Stein, den wir geborgen haben, wog etwa 12 Tonnen”, erinnert sich Andre Schlüter. Damit ging die rüstige „Carl Straat” aber noch nicht an ihre Grenzen. „Das am Heck angelagerte Hubgerüst hat eine Tragkraft von 124 Tonnen, die Glocke selbst kann mit 15 Tonnen zusätzlich belastet werden”, erklärt der Schiffsführer Ralph Bölter.
„Wir befreien die Rheinsohle von Steinbrocken, herrenlosen Schiffsteilen, Autowracks..” Die Liste könnte Karl Gernholz wohl endlos weiter führen. 35 Bomben hat das Tauchglockenschiff schon zu Tage gebracht. „Man wundert sich über gar nichts mehr. Aber auf den großen Schatz warte ich noch immer."
Fotostrecke: Dem Rhein auf den Grund gehen

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