Fußballgucken ist in Duisburger Unfallklinik auch eine Therapie

Die Schalke-Spiele sind besonders beliebt, erzählt Werner Zeuke, der eigentlich MSV-Anhänger ist. Die BGU-Patienten kommen meist aus der näheren Umgebung, ein Fan der Blauen-Weißen ist immer dabei.
Die Schalke-Spiele sind besonders beliebt, erzählt Werner Zeuke, der eigentlich MSV-Anhänger ist. Die BGU-Patienten kommen meist aus der näheren Umgebung, ein Fan der Blauen-Weißen ist immer dabei.
Was wir bereits wissen
MSV-Fan Werner Zeuke schaut mit Patienten der Duisburger Unfallklinik Bundesliga-Spiele. Sport ist Türöffner für mitunter sehr persönliche Gespräche.

Duisburg.. Fußball-Fans kommen bekanntlich leicht miteinander ins Gespräch. Auch Werner Zeuke, eingefleischter MSV-Fan und Ehrenamtlicher in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik, nutzt die Liga als Türöffner. Jeden Samstag lädt er zum Fußballgucken in der Cafeteria der Klinik ein. Egal ob Schalke-, BVB- oder Gladbach-Fan - alle gucken gemeinsam. Auch wenn Zeuke offen zugibt, dass sein Herz nicht gerade für die Blau-Weißen schlägt.

Seit 2009 arbeitet er im BGU-Besuchsdienst mit, als grüner Herr sozusagen, der allerdings keinen solchen Kittel trägt. „Uniformen, egal in welcher Form, lehne ich ab“, sagt der gebürtige Hamborner. Seine erste Fußballliebe galt natürlich Hamborn 07. Doch als Hennes Sabath 1963 dann zum MSV wechselte, drückte er fortan den Zebras die Daumen. Das ist bis heute so geblieben.

MSV-Team begleitet Patienten im Rollstuhl zu Heimspielen

Zeuke ist von Natur aus ein kommunikativer Typ, er hat keine Scheu, andere anzusprechen. „Was ist passiert?“, fragt er die Patienten, die er in den Aufenthaltsbereichen der BGU trifft. „Die meisten sind froh, dass jemand mit ihnen redet“, so seine Erfahrung. Die Menschen erzählen dann von ihren Unfällen. „Fast alle sind dankbar, dass sie mit dem Leben davon gekommen sind, auch wenn sie einen Arm oder ein Bein verloren haben“, so Zeuke.

Medizin Manche Unfälle passieren in harmlosen Situationen. Der Ehrenamtliche denkt dabei an den Dachdecker, der nicht vom Dach, sondern von der untersten Stufe einer Leiter gefallen ist. Oder an die Sekretärin, die auf dem Weg vom Kopierer zum Büro mit einem Kollegen zusammenkrachte.

Ursprünglich hatte Zeuke sich für das so genannte MSV-Team beworben. Die Ehrenamtlichen dort begleiten Rollstuhlfahrer zu den Heimspielen im Wedau-Stadion. „Aber da war schon alles voll“.

Werner Zeuke hatte selbst einmal eine schwere Erkrankung

Also engagierte er sich im Besuchsdienst und ist seitdem in der Klinik für Patienten ansprechbar. Er unterhält sich mit ihnen, spielt mit den Männern, die den größten Teil der Patienten ausmachen, Karten oder führt manchmal sehr persönliche Gespräche. „Wenn man einen Draht zu einem Menschen hat, spricht derjenige sehr offen“. Zeuke erinnert sich an den Mann, der panische Angst vor der OP hatte. Er redete lange mit ihm, hörte zu, beruhigte und zündete auf Wunsch des Patienten eine Kerze in der Krankenhaus-Kapelle an.

Der Ehrenamtliche kann sich gut in die Lage der Kranken versetzen. „Ich hatte vor Jahren eine schwere Gehirn-Operation“. Seitdem er genesen ist, feiert er zweimal im Jahr Geburtstag - . einmal an dem Tag, an dem er geboren wurde, und dann noch an dem Tag, an dem er seine Operation überstanden hat.

Aus Dankbarkeit darüber, bringt er sich nun ehrenamtlich ein. „Seitdem habe ich eine ganze andere Lebenseinstellung“, sagt Zeuke. Und fügt hinzu. „Ich ärgere mich über nichts mehr, außer wenn der MSV verliert“.