Für viele Loveparade-Opfer sind Adolf Sauerlands Worte geheuchelt
08.07.2011 | 15:16 Uhr 2011-07-08T15:16:00+0200
Duisburg.Nach der Veröffentlichung des Interviews mit Adolf Sauerland, in dem Duisburgs OB Fehler einräumt, hat dazu erstmals ein Vertreter der Hinterbliebenen und Opfer Stellung bezogen: Viele Betroffene hätten Sauerlands Worte „als geheuchelt empfunden“.
Zwei Tage nach der Veröffentlichung des Interviews, das die Journalistin Eva Müller für ihren Film „Die letzte Loveparade “ mit Adolf Sauerland führte, hat erstmals ein Vertreter der Hinterbliebenen und Opfer die Aussagen des Duisburger Oberbürgermeisters kommentiert: „Von vielen Betroffenen werden Sauerlands Aussagen als geheuchelt empfunden“, erklärte Jürgen Hagemann, der Vorsitzende des Vereins „Massenpanik Selbsthilfe“. Noch dazu, so Hagemann, habe Sauerland nicht die Entschuldigung ausgesprochen, auf die Angehörige der 21 Todesopfer und viele der mehr als 500 Verletzten bis heute warten: „Er hat sich lediglich dafür entschuldigt, sich nicht entschuldigt zu haben.“
Hagemann, dessen damals 16-jährige Tochter Virginia bei der Loveparade-Katastrophe schwer verletzt und traumatisiert worden war, ist der Gründer des einzigen Selbsthilfevereins, in dem sich Hinterbliebene, Verletzte und Traumatisierte unterstützen. Etwa 70 Vereinsmitglieder und Aktive von „Massenpanik Selbsthilfe“ stehen Betroffenen im Kampf mit Krankenversicherungen und Behörden bei und organisieren monatliche Treffen. Etwa 80 der so Engagierten und Beratenen werden im Rahmen eines Sammelverfahrens von der Düsseldorfer Collegen vertreten. Um ihre psychosoziale Betreuung kümmert sich die evangelische Notfallseelsorge .
Stadtspitze scheute Kontakt zu Opfern
Viele dieser Loveparade-Opfer, erklärt Jürgen Hagemann, „legen schon lange keinen Wert mehr auf eine Entschuldigung der Duisburger Stadtspitze.“ Sie seien bitter enttäuscht, weil monatelang keiner der Verantwortlichen im Duisburger Rathaus, „den Anstand hatte, sich zu entschuldigen.“ Bis heute, so der 48-Jährige aus dem Duisburger Stadtteil Friemersheim , habe kein Vertreter der Stadtspitze Kontakt zu den Menschen aufgenommen, die am 24. Juli 2010 auf der Rampe und im Tunnel verletzt wurden. Was Stadtdirektor Dr. Peter Greulich mit dem Verweis auf ein Treffen Ende Mai bestreitet: Damals hatten die Angehörigen der Todesopfer Greulich auch eine Petition mit der Forderung überreicht , "den Ort des Leidens und der Trauer" nicht zu zerstören.
Gespräche mit den Familien der Todesopfer habe es aber auch außerhalb der Öffentlichkeit gegeben, bestätigt Hagemann: „Ich weiß von einer Familie, die das Angebot Sauerlands angenommen hat.“ Sauerland hatte im Interview für die WDR-Dokumentation unter anderem Fehler im Umgang mit den Angehörigen der Opfer einräumt: „Die Übernahme moralischer Verantwortung, sich bei den Angehörigen der Opfer zu entschuldigen“, das hätte von ihm kommen müssen, sagte er.
„Wir wollen Aufklärung und Hilfe“
Seit der Gründung von Massenpanik Selbsthilfe im August 2010 vermeiden Hagemann und die mit ihm zusammen arbeitenden Hinterbliebenen und Opfer Äußerungen zur Personalie Adolf Sauerland sowie zum politischen Alltag in Duisburg: „Wir suchen keinen Sündenbock, wir wollen Aufklärung, wollen Hilfe und Hilfe leisten.“

20:43
@FlyingEagle
Was Sie glauben und was eine Staatsanwaltschaft an strafrechtlich relevanten Tatbeständen findet muss nicht unbedingt deckungsgleich sein. Bei einer strafrechtlichen Verfolgung geht es darum wer, was getan hat. Hätte Sauerland, z.B. eine belegbare Anweisung gegeben, bei einer Genehmigung gegen geltendes Recht zu verstoßen, hätte er sich gar dazu hinreißen lassen, die Anweisung mit einer Kündigungsdrohung durchzusetzen, dann wäre dieses handeln strafbar. Wenn aber der Sachbearbeiter die Genehmigung erteilt hat, weil er wusste, dass das gerne gesehen würde, er also seinem Chef gefällig sein wollte, dann ist dies für AS nicht strafbar. Da aber keiner von uns bisher weiß, was die Staatsanwaltschaft bisher ermittelt hat, wissen wir auch nicht ob etwas gegen AS vorliegt. Allerdings spricht der Fakt, dass kein Ermittlungsverfahren gegen ihn eröffnet worden ist, eher dafür, dass noch keine strafrechtlich relevanten Sachverhalte belegbar sind. Das heißt aber wiederum nicht, dass sich das nicht noch ändern kann. Neben den personalisieren Verfahren gegen die 16 gibt es ja noch das allgemeine Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt.
20:42
#82 D.Kluge
Wir sind sicherlich nicht immer einer Meinung. Ich war auch immer dafür, das Privatleben der Politiker aussen vor zu lassen. Doch der OB trägt seine Familie wie eine Monstranz vor sich her, und das beeindruckt. Und wer mit seiner Familie für sich punkten will, muss sich entsprechende Kritik gefallen lassen. Bei aller - wie ich mir einbilde - berechtigten Kritik am OB hatte ich immer grosses Mitgefühl mit seiner Familie und bin nun bass erstaunt, dass es diese Familie offenbar nicht gibt, sondern er pendelt zwischen zwei Wirklichkeiten. Am Jahresende, ich erinnere mich nicht, zu welcher Gelegenheit, trat er mit seiner damaligen (oder geschiedenen) Frau auf. Auch das wäre ein Akt der Fairness, den Bürgern seiner Stadt mitzuteilen, dass er sich in einer neuen Familie befindet. Das würde üblen Spekulationen die Basis entziehen.
20:38
@34 Herr/Frau KLuge: der zweitletzte Satz müsste dann wohl lauten: .....und NICHT zurücktritt, wenns stimmig - jedenfalls für mich - sein sollte...sorry für die späte Reaktion...
20:32
Hat denn dieser Mann, keinen Funken Anstand!?!
Aber Gut, er ist in der CDU, da ist dieses Wort ein Fremdwort!
ARMES DUISBURG
ARMES DEUTSCHLAND
20:32
#79 Stefano - Nur mal so: Straßen NRW hätte der Sperrung/Nutzung zugestimmen können, wenn die Kommune finanziell dafür eingestanden hätte.
Mippes hat schon recht, am Anfang/im Mittelpunkt des Desasters stand wie das liebe Geld:
http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/Loveparade-darf-die-Stadt-nichts-kosten-id2610684.html
Da hätte man eigentlich absagen müssen ...
20:26
@Beteiligter
nicht vergessen, dass auch im WAZ-Kommentarbereich von vielen verschiedenen Kommentatoren massiv vor Sicherheitsbedenken gewarnt wurde!
20:24
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20:24
#78
Ich habe doch erklärt warum ich das hier schreiben muss.
Herr Sauerland geriert sich hier als Opfer, als treuer Familienmensch, der furchtbar leidet, dessen Familie furchtbar leidet. Als betroffener Mitmensch. Er redet NICHT davon, dass er als Verwaltungschef Verantwortung zu tragen hat, nein, er redet immer nur von sich als Mensch und Familienvater.
Da meine ich, ist es erlaubt, dies zu hinterfragen.
Was ist mit ihm und seiner Familie. Normalerweise würde mich das nicht interessieren, aber als Mensch des öffentlichen Interesses und als stilisiertes Opfer sieht das anders aus.
Ich habe ja noch nichtmals alles veröffentlicht. Das wäre allerdings für meine Duisburger Mitbürger sicherlich höchst interessant....
20:22
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20:19
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