Das aktuelle Wetter Duisburg 9°C
Polizei

Für die Polizei ist ein "Verdachtsfall Koffer" immer eine Gratwanderung

15.12.2012 | 14:01 Uhr
Für die Polizei ist ein "Verdachtsfall Koffer" immer eine Gratwanderung
Herrenlose Koffer an Bahnhöfen rufen schnell die Polizei auf den Plan.Foto: Alex Büttner

Duisburg.   Nach dem mutmaßlichen versuchten Terroranschlag am Hauptbahnhof Bonn sind viele Menschen besonders aufmerksam. Einen Tag nach dem Fund des Sprengsatzes in Bonn gab es bereits den nächsten Alarm in Essen. Die Polizei hat in solchen Fällen schwierige Entscheidungen zu treffen.

Herrenlose Koffer auf Bahnhöfen, verdächtige Pakete vor Firmeneingängen: Der aufgefundene Sprengsatz am Bonner Hauptbahnhof hat für Schlagzeilen gesorgt. Tags darauf gab es direkt am Essener Hauptbahnhof einen Alarm. Der Umgang mit solchen Fällen ist für die Polizei stets eine Gratwanderung.

Räumen oder nicht räumen, Großeinsatz oder nicht? Zwischen „Sicherheit zuerst“, Wachsamkeit und fataler Panikstimmung pendelt das Lot. Polizeisprecher Ramon van der Maat vertraut da auf das Einschätzungsvermögen der Polizeibeamten, die bei einem Verdacht als erste vor Ort sind. „Es gibt keine Checkliste für solche Fälle.“

Großeinsatz nicht immer nötig

Dass nicht gleich das „volle Programm“ gefahren wird, erlebte eine Augenzeugin vor einigen Wochen: Vor dem Medizinischen Dienst an der Kammerstraße in Neudorf stand in Sichtweite zum Bahnhof längere Zeit ein herrenloser, schwarzer Koffer herum. Besorgt wurde die Polizei angerufen, und eine Augenzeugin erlebte die „spektakuläre“ Räumung: Ein Polizist sei aus dem Wagen gestiegen, habe seine neongelbe Warnweste übergezogen und nach Begutachtung des Koffers soll er ihn „beherzt angehoben“, geschüttelt und dann in einem Müllcontainer entsorgt haben.

Eine Nachfrage ergab, der Polizist habe gemeint, dass sich das beim Schütteln des Koffers wie Müll angefühlt hätte. Richtig wohl war der WAZ-Leserin nach dieser Episode nicht.

Auf herrenloses Gepäck sensibilisiert

Polizeisprecher van der Maat will da keinen falschen Eindruck aufkommen lassen: Bei konkreten Verdachtsmomenten agiert die Polizei entsprechend um- und vorsichtig. Aber die meisten Fälle lassen sich von den Streifen vor Ort schnell auflösen. Andernfalls wird gehandelt. Wie im vergangenen Jahr, als am Forum an einem Bekleidungsladen ein Koffer stehen geblieben war. Zeugen hatten zudem einen scheinbar verdächtigen Mann gesehen. Der Platz wurde vorsichtshalber gesperrt; doch bevor weitere Untersuchungen beginnen sollten, erschien der aufgelöste Besitzer, weil er seinen Koffer vergessen hatte. Gerade mal an zwei solcher Fälle kann sich der Polizeisprecher aus den vergangenen gut vier Jahren erinnern.

Auch bei der Bundespolizei, die in den Bahnhöfen Dienst tut und Streife geht, gibt es immer wieder Hinweise auf herrenloses Gepäck, das dann routiniert kontrolliert wird. „Wir sind da schon sensibilisiert“, heißt es aus der Leitstelle.

Oliver Schmeer

Facebook
 
Kommentare
16.12.2012
18:14
Für die Polizei ist ein
von RennYuppieRenn | #1

Wann endet eigentlich die nicht kommentierbare Berichterstattung zu diesem Massaker in den USA. Die ausgelösten Reaktionen dürften bei den meisten Deutschen nur von einem zynischen "Selbst Schuld, warum muss da auch jeder eine Waffe haben" bis zu einem indifferenten Schulterzucken reichen. Außerdem: Kleinkinderlachen ist in 99% ansteckend.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/7394937/create

Delfinarium schließen?
Die Grünen im Bundestag wollen die Haltung von Delfinen in Deutschland verbieten lassen ( zum Artikel ). Unter den Zoo-Vertretern und Tierschützern, die das Bundesministerium zur Überarbeitung des

Die Grünen im Bundestag wollen die Haltung von Delfinen in Deutschland verbieten lassen (zum Artikel ). Unter den Zoo-Vertretern und Tierschützern, die das Bundesministerium zur Überarbeitung des "Säugetiergutachtens" eingeladen hatte, war auch die Delfinhaltung ein Streitthema (zum Artikel ). Das Delfinarium Duisburg ist aber ein Publikumsmagnet. Was denken Sie?

Captcha

Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld:

Wort unleserlich? (Neuladen)

 
Fotos und Videos
Rockerkrieg-Diskussion
Bildgalerie
Stadtgespräch
"Luft und Liebe" in Duisburg
Bildgalerie
Elektro-Festival
Messerattacke in Duisburg
Bildgalerie
Gewalt
Luft & Liebe Festival
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Stadionkauf - Politik ist unentschlossen
MSV-Arena
Ob die Stadt dem MSV auch beim Stadion unter die Arme greifen wird, dazu ist die politische Meinungsbildung offenbar noch nicht abgeschlossen. Herbert Mettler, Chef der größten Fraktion im Rat, belässt es für die SPD bei den beiden Wörtern: „Kein Kommentar“.
Stadtwerke stunden dem MSV 700.000 Euro Energiekosten
MSV
Die Stadtwerke wollen dem MSV helfen. 700.000 Euro Tilgungszahlungen will der Energieversorger dem angeschlagenen Verein stunden. Die Maßnahmen sind Teil eines Rettungskonzepts, mit dem sich der Verein die DFL-Lizenz sichern will. Ob der MSV das Loch in Millionenhöhe stopfen kann, ist unklar.