Frühstücken mit Uschi Glas

Kilian (9) beißt herzhaft in sein Wurstbrot. Falcon (8) hat einen Obstsalat mit Joghurt vor sich stehen. Uschi Glas nimmt die beiden Grundschüler in den Arm und fragt, ob es ihnen schmeckt. Die Schauspielerin und ihr Mann Dieter Hermann sorgen mit ihren Verein Brotzeit dafür, dass Grundschulkinder vor dem Unterricht ein ordentliches Frühstück gereicht bekommen. Gestern traf das Ehepaar an der Regenbogenschule in Marxloh auf strahlende Kinder.

Marxloh 7.15 Uhr: Uschi Glas steht in der Küche der Regenbogenschule an der Ottostraße und unterhält sich mit Ulrike Grohnert. Die Walsumerin bereitet an vier bis fünf Tagen die Woche das Frühstück für die Grundschulkinder vor. Insgesamt besteht das Team aus vier Seniorinnen, die gegen eine kleine Aufwandsentschädigung jeden Morgen ihren Dienst tun. Der kleine Frühstücksraum füllt sich langsam. Wie an jedem Tag tröpfeln die Kinder herein, suchen sich ihren Platz, schmieren sich Brote und füllen ihre Tassen mit Kakao. Doch heute ist alles anders. Die 71-jährige Schauspielerin und ihr Ehemann sind zu Besuch. Ihr Verein deckt in 151 Deutschen Schulen den Frühstückstisch. „Das Frühstück ist doch die wichtigste Mahlzeit des Tages. Nicht nur wegen der Nahrungsaufnahme. Auch die Kommunikation spielt dort eine große Rolle“, meint Glas.

Kilian, Falcon und ihre Schulkameraden Rayhan (9) und Cedric (7) kennen die Schauspielerin aus dem Fernsehen oder der Zeitung. „Meine Oma hat alle ihre Filme gesehen. Sie war sehr nett zu uns“, sagt die amerikanische-stämmige Falcon. „Ich freue mich jeden Tag auf das Frühstück, weil ich da meine Freunde sehe“, erzählt Kilian. „Die Kinder sollen hier auch Ruhe und Geborgenheit finden“, wünscht sich Glas

Seit Januar 2014 bietet „Brotzeit“ an der Regenbogenschule kostenloses Frühstück an. Die Lebensmittel dafür kommen aus dem Warenzentrum von Lidl in Kamp-Lintfort. „Viele Kinder bekommen zu Hause nichts und säßen sonst mit knurrendem Magen in der Schule“, berichtet Schulleiter Haris Kondza. Ein Drittel der Grundschüler ist hier neu zugewandert. 85 % der Kinder haben einen Migrationshintergrund. Kondza: „Teilweise können die Eltern ihrem Nachwuchs ein solches Frühstück auch aus finanziellen Gründen gar nicht bieten.“

Um kurz vor acht verabschieden sich die Schüler herzlich von Ulrike Grohnert und ihren Mitstreiterinnen. Glas bleibt noch, spricht mit den Seniorinnen und lobt: „Sie sind für die Kinder auch ein Kummerkasten und machen ihre Arbeit ganz toll.“