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Loveparade-Gedenken

Fritz Pleitgen: Duisburg braucht Führung

24.08.2010 | 10:58 Uhr
Fritz Pleitgen: Duisburg braucht Führung

Duisburg.Kulturhauptstadt-Chef Fritz Pleitgen kritisiert die Suche nach dem Hauptschuldigen für die Loveparade-Katastrophe als „nicht akzeptabel“. Das Drama, so der gebürtige Duisburger, werde sich im Schlussprogramm von Ruhr.2010 niederschlagen.

„Es beschäftigt mich nach wie vor“, beschreibt Fritz Pleitgen, Chef der Kulturhauptstadt Ruhr.2010, seine Gefühlslage nach der Loveparade-Katastrophe vor genau einem Monat. Der Stadt Duisburg rät er dringend, jetzt den Blick nach vorne zu richten.

„Es war nicht nur eine Tragödie für Duisburg, sondern eine nationale Tragödie“, sagte der gebürtige Duisburger und frühere WDR-Intendant beim Besuch der WAZ-Redaktion. Die Katastrophe vom 24. Juli werde sich im Schlussprogramm der Kulturhauptstadt niederschlagen. Pleitgen: „Wir werden dieses Ereignis nicht verdrängen.“

Kein Stigma auf ewig

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Dennoch zeigte er sich überzeugt, dass Duisburg durch die Katastrophe mit 21 Toten und über 500 Verletzten, die die Stadt „wie ein Meteoriteneinschlag“ getroffen habe, nicht auf ewig stigmatisiert werde. „Mit Brüssel verbindet man heute auch nicht nur die Fußball-Katastrophe von 1985“, sagt Pleitgen. Die Loveparade-Tragödie sei zwar ein schreckliches Ereignis in der langen Geschichte der Stadt. Aber es könne und werde nicht das einzige Bild bleiben, das von ihr fortan in den Köpfen der Menschen bleibe. Duisburg habe eine „opulente Vergangenheit“, habe die Stahlindustrie und einen betriebsamen Hafen, habe drei angesehene Museen: „Wenn aus dieser Stadt nichts zu machen ist, weiß ich nicht, aus welcher.“ Duisburg könne und müsse jetzt aus eigener Kraft aktiv daran gehen, aus dem Stimmungstief zu kommen.

„Sehr beeindruckt“ habe ihn die Initiative aus der Bürgerschaft, die sich direkt nach der Katastrophe um ein würdiges Gedenken an die Opfer der Loveparade gekümmert hatte. An die gesamte Stadtspitze und an die Politik appellierte Pleitgen, jetzt „Führungsstärke“ zu zeigen – und zwar gemeinsam. Vermisst habe er im Rückblick, dass nicht umgehend nach der Katastrophe der Stadtrat sich zu einer Sondersitzung eingefunden habe, um das Zusammenstehen in der besonderen Lage zu demonstrieren. Kritik übte er auch daran, dass stattdessen „in nicht akzeptabler Weise“ nach einem Hauptschuldigen gesucht worden sei.

Umgang mit Sauerland „nicht angemessen“

Der Umgang mit Oberbürgermeister Adolf Sauerland sei seinem Empfinden nach „nicht angemessen“ gewesen. „Es muss jetzt eine ganz ruhige Aufarbeitung passieren“, mahnt Pleitgen. „Ein solch komplexes Ereignis hat immer hunderte von Wahrheiten“, warnt er vor vorschnellen Schuldzuweisungen. Es seien eine Menge Fehler gemacht worden in den Tagen nach der Tragödie im und am Tunnel, aber jetzt seien Politik und Verwaltung in der Pflicht, der Bevölkerung eine „klare Orientierung“ zu bieten: „Diese Stadtspitze ist nach wie vor gefordert, wieder Führungskraft zu zeigen. Sie trägt hier eine Höchstverantwortung.“

Zweimal war Pleitgen nach der Tragödie im Tunnel. „Und immer habe ich mir dort die Frage gestellt: Was hätte ich tun können? Hätte ich das verhindern können? Aber ich habe keine schlüssigen Antworten darauf gefunden.“ Bewegt haben ihn auch die echte Anteilnahme der Bevölkerung, die er dort verspürte. „Es hat etwas Berührendes, aber auch Ermutigendes, dass die Sache nicht einfach verdrängt werden soll.“ Und was empfindet er, wenn er dort selbst auf Plakaten als Verantwortlicher gebrandmarkt wird: „Das belastet mich nicht, so lange ich mit mir selbst im Reinen bin“, sagt Pleitgen. „Und das bin ich.“

Thomas Richter, Willi Mohrs

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Kommentare
26.08.2010
17:31
Fritz Pleitgen: Duisburg braucht Führung
von don.matteo | #104

Ich gehe davon aus, das das was ich jetzt dazu schreibe eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist und auf breiten Konsens stoßen sollte.

1) Geht es um den Standpunkt in einer Sache/Situation
2) Geht es darum, das man in einer Sache/Situation sich verhalten MUSS, sich immer für oder gegen etwas entscheiden muss und auch gar nicht anders kann.
3) Das der Standpunkt in einer Sache/Situation immer eindeutig ist und demzufolge die Argumente zugunsten dieses Standpunktes vorgegeben sind, sich aus diesem Standpunkt ergeben.


Beispiel1:
Ein paar Jungs spielen Fußball vor Wohnhäusern. Einer trifft unglücklicherweise die Fensterscheibe einer Paterrewohnung. Das Glas geht zu Bruch. Der Bewohner springt heraus und fragt die Jungs wer das war. Alle Jungs schweigen und schauen betreten. Der Bewohner will Ersatz für seine Scheibe. Er sagt zu den Jungs das dürft ihr nicht machen, wer soll das ersetzen. Da sagen die Jungs wir wollten doch nur spielen, wir haben uns nichts dabei gedacht, wir wollten das nicht.

Mit ein wenig psychologischem Verständnis, das jeder beherrscht sieht es doch so aus:
Der Bewohner mahnt seinen Schaden an, fordert Ersatz, wird massiv dabei. Die Jungs haben ein schlechtes Gewissen. Sie wiegeln ab, bitten um Verständnis, wollen sich der Situation entziehen. Je mehr sie sich zu entziehen versuchen um so massiver mahnt der Bewohner und fordert Ersatz für seinen Schaden.

Der Versuch sich aufgrund eines schlechten Gewissens einer Situation zu entziehen, sieht man am Verhalten und den abwiegelnden Argumenten der Hauptverantwortlichen der Loveparade.

Beispiel2:
- Herr Sauerland ich habe nichts gewußt, ich habe nichts unterschrieben, ich kläre auf
- Herr Schaller die Polizei war schuld
- Herr Rabe Genehmigungen trotz Sicherheitsbedenken
Herr Gerste (DMG) ich fahre in Urlaub, es gibt nichts zu vermarkten
Herr Pleitgen ich bin mit mir im Reinen, Duisburg braucht Führung, wir müssen nach Vorne sehen.

Na? Das klingt doch alles sehr vertraut wie in Beispiel1.

Die zum Teil traurige Erkenntnis ist:
1) Das gab es immer schon, das wird es immer geben. Das sind Menschen.
2) Jedes Argument in einer Sache/Situation polarisiert. Es hängt vom Standpunkt der Argumentierenden ab.
2.1) Argumente sind immer gefärbt und hängen vom jeweiligen Standpunkt ab.

Und deshalb gehe ich hier auch ganz entspannt mit den sogenanten Aufklärern als Kommentatoren in diesem Forum um. Es bestätigt schlußendlich meine These.

26.08.2010
12:34
Fritz Pleitgen: Duisburg braucht Führung
von taosnm | #103

Duisburg braucht Führung! Diese Aussage ist so überwältigend nicht, kann doch jeder, der die Presse, auch die ausserhalb der WAZ, verfolgt, sehen, was zur Zeit in dieser Stadt los ist.

Zur Führung bedarf es eines Oberbürgermeisters, der intellektuell und charakterlich dazu befähigt ist. Leider lässt der derzeitige OB keine, aber auch wirklich keine Gelegenheit aus, um zu demonstrieren, dass er über die erforderlichen Fähigkeiten nicht verfügt.

Während aller öffentlichen Gespräche bewies er, dass es ihm um sich selbst und sonst um nichts geht. Er will Aufklärung, deshalb musste er im Amt bleiben. Die Bürger wollen auch Aufklärung, aber sachliche, und keine Aufklärung, mit der ihnen suggeriert werden soll, dass der OB wirklich unschuldig ist wie ein Neugeborenes, weil er ja von nichts gewusst und auch nichts unterschrieben hat. Die Bürger wollen einen OB, der in der Krise präsent ist, und nicht einen, der sich hinter seinen Leuten und unter seinem Schreibtisch versteckt. Sie wollen einen Bürgermeister, für den sie sich nicht schämen müssen, weil er noch nicht einmal in der Lage ist, den Opferfamilien zu kondolieren. Und die Stadt hat Anspruch auf einen Bürgermeister, der nicht lügt und betrügt. Wer Aufklärung will, stellt der Staatsanwaltschaft alle!!! wesentlichen Unterlagen zur Verfügung und hält nichts zurück. Die erfolgreiche Durchsuchung der Staatsanwaltschaft im Rathaus heute bestätigt doch wieder einmal alle Vermutungen, dass vertuscht werden soll. Wie will man sich aus dieser Geschichte herausreden?

Duisburg braucht in der Tat eine Führung, mit allergrösster Gewissheit jedoch nicht mehr die durch diesen unsäglichen peinichen Mann, der vor gar nichts zurückschreckt. Bisher hielt ich es nicht für möglich, dass jemand so abartig sein kann, zur Sicherung einer höheren Pension die Spielchen zu treiben, die getrieben werden, inzwischen werde ich mich wohl mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass es so ist.

Kann sich jemand vorstellen, wie sich die Stadt fühlt, wenn Sauerland, nachdem er die letzte Durststrecke bis zur vollen finanziellen Absicherung überstanden hat, sich hinstellt und sagt, dass er nach reiflichen Überlegungen und angesichts der Anfeindungen, die ihm entgegenschlagen, zu dem Entschluss gekommen ist, zurückzutreten? Ein Ehrenmann ist er schon seit dem 24. Juli nicht mehr, seine persönliche Würde hat er verspielt, ebenso wie seine politische Glaubwürdigkeit.

Und all das angesichts des Todes von 21 jungen Menschen, der nicht zu bewältigenden Trauer der Familien und Freunde, und von vielen, vielen Verletzten?

26.08.2010
11:36
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von anni2010 | #102

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

26.08.2010
11:21
Fritz Pleitgen: Duisburg braucht Führung
von feierabend | #101

in deutschland muss immer gleich alles gigantisch sein. warum nicht aufarbeitung im kleinen, gedenken in mehreren kleinen gottesdiensten, mehrere kleinere gruppen, die mit der aufklärung beauftragt sind, kleinere veranstaltungen - nein, gigantismus lässt grüßen!

26.08.2010
11:03
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von Die Stimme | #100

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

26.08.2010
10:59
Fritz Pleitgen: Duisburg braucht Führung
von feierabend | #99

nicht nur duisburg braucht führung, andere ruhrstädte eben auch.
im moment komme ich mir vor wie so ein ungeordneter haufen, der hin und wieder zu einem bestimmten thema zusammenhäuft wird. und das ist meistens spass und musik, weil das bei den meisten menschen gut ankommt.
massenaufläufe gibt es auch zu anderen themen: religion, protestaufmärsche, kundgebungen, politische veranstaltungen, prozessionen, sportfeste.
immer sind menschen in massen daran beteiligt.
wo bleibt da der Einzelne?
das führungsproblem liegt doch nicht nur daran, die herbeigeeilten massen zu schützen, unsere gesamte gesellschaft setzt sich zusammen aus einem chaotischen haufen und anhäufung von bürokratien, dienstleistungen und waren, die versuchen, alle interessen und wünsche abzudecken
wie leben nicht viel anders wie vor tausend jahren die menschen im großarabischen reich, eben diesem bagdad, dass heute der zerstörung unterworfen ist.
wenn wir ein kulturreich sein wollen, dass sollten wir uns ernsthaft überlegen, was dazu gehört und wie wir es umsetzen, unsere eigene Kultur zu leben und zu gestalten.

26.08.2010
09:03
Fritz Pleitgen: Duisburg braucht Führung
von anni2010 | #98

Karl-Udo Koschlefski

okay. Und wohin die Leute evakuiieren? Ich bin fuer Verteilung., damit das endlich mal mit der Inzucht aufhört.

26.08.2010
07:27
Fritz Pleitgen: Duisburg braucht Führung
von Karl-Udo Koschlefski | #97

Duisburg braucht ne Abrissbirne.

25.08.2010
23:44
Fritz Pleitgen: Duisburg braucht Führung
von anni2010 | #96

Duisburg braucht DEMOKRATIE

25.08.2010
23:16
Fritz Pleitgen: Duisburg braucht Führung
von Bernd aus Duisburg | #95

Es wird in meinen Augen immer peinlicher, was sog. Offizielle zu dem Thema äußern.
Wann können wir endlich die Berichte und Ergebnisse der Staatsanwaltschaft etc. erwarten.

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Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

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