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Friemersheim – Hier ist alles wie früher

10.11.2010 | 15:00 Uhr
WAZ-Redakteur Willi Mohrs (re.) beim Friemersheim-Rundgang mit Uwe Viktor. Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg. 1120 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung Friemersheims – vielleicht nicht auf den Tag genau – treffe ich mich mit Uwe Viktor vorm dortigen Bahnhof, 1905 eröffnet und ein Symbol für gewaltigen Wandel vom Dorf zum Industriestandort.

Und darüber hinaus. Denn das Bahnhofsgebäude, so schön es auch ist, ist der Deutschen Bahn entbehrlich, ein neuer Nutzer, vielleicht ein Gastronom, wird gesucht. Ein paar Schritte weiter sind wir auf der Kaiserstraße, der Haupteinkaufsmeile des linksrheinischen Stadtteils. Einzelhandelsgeschäfte und Gaststätten für unterschiedliche Geschmäcker, „hier kriegen Sie alles“, sagt Viktor und lotst mich zum Viktoriapark, einer noblen Adresse mit stattlichen Villen, viele Praxenschilder verweisen auf die Nutzung.

„Feuer + Glut“ hat sich die Gemeinde St. Joseph an die Kirchentür an die Kirchentür geschrieben, ein stilisierter Hochofen macht klar, um was es geht: die Erinnerung an den Kampf der „Kruppianer“ um ihre Hütte in Rheinhausen.

Betonklotz aus unseligeren Zeiten

Wir kommen zum Marktplatz, den am Rande ein Betonklotz aus unseligeren Zeiten verunziert – was wieder etwas mit der Krupp-Hütte zu tun hat, einem wichtigen Element der Rüstungsindustrie vor und im Zweiten Weltkrieg. „Rheinhausen war die Bunkerstadt des Reiches“, blickt Viktor zurück. 13 Hochbunker habe es in der damaligen Gemeinde gegeben, und damit auch den einen oder anderen in Friemersheim.

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Friemersheim in 60 Sek.
12.803 Einwohner

Friemersheim gehört zum Stadtbezirk Rheinhausen und hat nach amtlichen Angaben 12.803 Einwohner. Davon sind 6193 weiblich und 6610 männlich. Der Ausländeranteil liegt bei 15,6 Prozent.

Grabfunde aus dem 6. und 7.? ahrhundert belegen, dass Friemersheim eine der ältesten Ansiedlungen der ehemaligen Grafschaft Moers ist. 890 wurde das Reichsgut an das Kloster Werden (heute Essen) geschenkt.

Bäuerlich geprägt blieb Friemersheim bis Ende des 19. Jahrhunderts, als Krupp sein Hüttenwerk am Rheinufer errichtete. Arbeitskräfte zogen zu, rund ums Werk entstanden Wohnsiedlungen für die stetig wachsende Belegschaft, dazu kamen Konsumanstalten oder auch das Bertha-Krankenhaus (1914).

Weitaus ansehnlicher sind die Gebäude an unserer nächsten Station Am Kuppengraben, wo derzeit eine komplette Siedlung renoviert und neu gebaut wird: „Das ist eine gute Wohngegend geworden“, sagt mein Friemersheim-Führer. Lobend erwähnt er das Engagement zweier Spar- und Bauvereine, die seit Jahren in die linksrheinische Bausubstanz investierten.

Den Kruppsee lassen wir links liegen, aber nicht unerwähnt. Baden im Baggersee wie auch im Schwimmbecken ist dort möglich, eine schöne Kombination, zumal an Liegewiesenplatz kein Mangel herrscht.

Karl der Große

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Wir kommen an das Ende der Wilhelmstraße und fast in eine andere Welt. Viktor: „Hier wird’s richtig ländlich.“ Äcker künden von rührigen Bauern, Wiesen erfreuen Vieh und Spaziergänger, und auch Karl der Große soll schon vor Ort gewesen sein im Jahre 799. Alt, aber nicht so alt mutet die Kopfsteinpflasterstraße an, die uns am historischen Friedhof vorbei ins ursprüngliche Dorf Friemersheim führt. Und das sei allen zum Besuch dringend empfohlen, meint Viktor: „Hier ist es genau wie früher: Schule, Kneipe, Kirche.“

1147 wurde das erste Kirchlein unweit vom heutigen Rheinufer gebaut, oft zerstört, immer wieder aufgebaut, zuletzt 1944 nach einem Bombenvolltreffer. Das historische Gebäude-Ensemble zieren prächtige alte Bäume, über den Rhein blickt man auf die Hüttenwerke Krupp-Mannesmann . Um das Dorf kümmert sich der „Freundeskreis Lebendige Grafschaft“ (www.lehrerhaus-friemersheim.de), Viktor ist sein Geschäftsführer. Und Geschichten aus der Geschichte kennt er ohne Ende. Ein Beispiel gefällig? Nehmen wir die Sache mit den drei Türen der keineswegs übergroßen Kirche. Durch die mittlere gingen die Friemersheimer zum Gottesdienst, links betraten die Gläubigen aus Rumeln das Gotteshaus und rechts diejenigen aus Ehingen, die bis ins 19. Jahrhundert sonntags im Bötchen übersetzen mussten.

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„Liebestöter“ der Lehrersgattin

In die Vergangenheit einer wohlhabenden Bauerngemeinde führt auch ein Rundgang durch alte Lehrerhaus, wo noch der „Liebestöter“ der Lehrersgattin auf der Wäscheleine am Kohlenherd hängt und die Holzpantinen des Hausherrn darunter stehen.

Duisburgs Stadtteile I
Bilder aus 114 Jahren Stadtgeschichte in...
Duisburgs Stadtteile IV

Trauen lassen kann man sich heute im Schulgebäude, und Pädagogik alten Schlages macht ein „Eselsbänkchen“ anschaulich, auf dem Platz nehmen musste, wer den Mund nicht halten konnte.

Willi Mohrs


Kommentare
19.11.2010
14:52
Friemersheim – Hier ist alles wie früher
von Donsbach | #2

Ich weiß garnicht wie man einen Herrn Victor Friemersheim erklären lassen konnte. Der wohnt da garnicht. Aber die Lebendige Grafschaft macht alles möglich.

19.11.2010
02:06
Friemersheim – Hier ist alles wie früher
von icecream | #1

wie sagte der herr viktor?
hier kriegen sie ALLES !
dann war er wohl noch nicht
in friemersheim einkaufen.
also herr viktor dann probieren
sie mal hier ALLES zu bekommen,
sie werden sich wundern.

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