Friedensforscher erklärt die Konflikte der Welt

Jochen Hippler ist Friedensforscher. Als Wissenschaftlicher Mitarbeiter lehrt er am Institut für Entwicklung und Frieden der Universität Duisburg/Essen. Dort beschäftigt er sich hauptsächlich mit politischen Identitäten im Kontext von Konflikten oder Kriegen, wie etwa im Nahen oder Mittleren Osten. Die SPD-Neudorf lud den charismatischen Redner nun zu einem Gespräch ein. „Die Welt ist aus den Fugen geraten – was können wir tun?“, wollten die Genossen wissen. Das Thema interessierte viele Bürger.

„Am Ende des Kalten Krieges baute sich damals allgemein eine große Erwartung auf, was das Thema Frieden anging“, erinnert sich Hippler. „Die Leute dachten, es müsse nun endlich einen anhaltenden Frieden geben. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass es so einfach auch nicht werden würde. Die Konflikte haben sich vielleicht verändert, aber völlig verschwunden sind sie natürlich nicht.“ Nach den 90ern kam die Erkenntnis, dass moderne Krisen sich weniger zwischen unterschiedlichen Staaten, als vielmehr innerhalb eines Landes entwickeln würden, so der Friedensforscher. Doch auch diese Annahme sei nur teilweise richtig.

Im Anschluss erläuterte der Politikwissenschaftler die Hintergründe des aktuellen Konflikts der Ukraine sowie die Situation rund um den „Islamischen Staat“. „Diese Konflikte sehen vielleicht von außen aus, als seien sie vordergründig innerstaatliche Auseinandersetzung. Wenn man aber überlegt, wer alles eine Rolle spiel, etwa direkt oder indirekt durch Waffenlieferungen, sieht man, dass alles viel komplizierter ist.

Auch zum Terrorismus innerhalb Europas hat er eine klare Meinung: „Für mich sind die Deutschen ,Dschihadisten’ gleichzusetzen mit unseren Rechtsradikalen. Das sind Loser, oft ohne Schulabschluss und Perspektiven, die sich selbst radikalisieren, völlig ohne Kontakt zu den professionalisierten Terrororganisationen im Ausland.“ Aber genau das mache sie so gefährlich, weil sie von Geheimdiensten und Verfassungsschutz so schlecht zu erwischen seien. Hipplers Lösungsvorschlag klingt simpel: „Prävention.“ Jugendliche dürfen erst gar nicht das Gefühl bekommen, sie seien die Verlierer der Gesellschaft. So könne auch ein Sozialarbeiter zum Anti-Terror-Kämpfer werden.