Freier stahl im Bordell sein Geld zurück

Wem im Bordell das Geld ausgeht, der sollte unauffällig gehen, keinesfalls jedoch versuchen, das Bare von der Prostituierten seiner Wahl zurück zu holen. Ein 48-jähriger Mann aus dem Raum Minden weiß das jetzt genau. Gestern stand er wegen räuberischen Diebstahls und Körperverletzung vor dem Amtsgericht.

Am 2. Dezember 2013 hatte er an der Vulkanstraße die Dienste einer Rumänin (25) in Anspruch genommen. Offenbar war eine Bezahlung im Stundentakt vereinbart worden. Anscheinend hatte der Angeklagte jedoch weit mehr gezahlt, als zunächst vereinbart. Irgendwann ging ihm das Geld aus. Statt wie angekündigt zum Bankautomaten zu gehen, griff der Mann jedoch in die Schublade, in der seine Gastgeberin den Liebeslohn deponiert hatte.

Bei dem anschließenden Gefecht wurden der jungen Frau mehrere künstliche Nägel abgerissen, was die darunter liegenden echten in blutige Mitleidenschaft zog. Kaum weniger schmerzhaft erging es allerdings dem Angeklagten, als zwei durch Hilferufe alarmierte private Sicherheitsleute eingriffen. Bilder vom anschließenden Krankenhausbesuch des 48-Jährigen vermittelten den Eindruck, als sei der biedere Landschaftsgärtner von einem Bus überfahren worden.

Der berichtete, er habe im Laufe der Nacht rund 1500 Euro an die Liebesdienerin bezahlt. Am Ende sei er jedoch ziemlich unbefriedigt gewesen. „Ich habe mich abgezockt gefühlt“, so der Angeklagte. „Aber ich habe zu keinem Zeitpunkt Gewalt angewendet.“

Die Zeugen erinnerten sich anders. „Er hat mich plötzlich weggeschubst und das Geld genommen“, berichtete die 25-Jährige Als sie sich wehrte, habe er sie gewürgt. Das hatten auch noch zwei 37 und 38 Jahre alte Security-Kräfte vom Typ Kleiderschrank gesehen, die angesichts der Verletzungen des Angeklagten übrigens nur mit den Schultern zuckten.

Das Schöffengericht hatte nach der Beweisaufnahme keinen Zweifel, dass die Anklage zutraf. Da der 48-Jährige bislang unbestraft war, das gestohlene Geld der Prostituierten sofort wieder übergeben worden war und nicht zuletzt auch wegen der nicht unerheblichen Verletzungen, die der Angeklagte davon getragen hatte, fiel das Urteil mit einem Jahr auf Bewährung vergleichsweise milde aus.