Fraunhofer IMS in Duisburg stinkt den Nachbarn

Über Lärm- und Geruchsbelästigung durch die Chipproduktion im Fraunhofer IMS an der Finkenstraße in Neudorf
Über Lärm- und Geruchsbelästigung durch die Chipproduktion im Fraunhofer IMS an der Finkenstraße in Neudorf
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Umweltamt zur Bürgereingabe von 53 Anliegern: Grenzwerte werden deutlich unterschritten. Durch den Umzug des IMS wird sich er Zwist erledigen.

Duisburg.. Nicht nur die Schwerindustrie stinkt und lärmt, sondern auch Spitzenforschung. Das meinen jedenfalls 53 Unterzeichner einer Bürgereingabe, die sich gegen Geruch, Geräusche und Licht wehrten, die vom Fraunhofer IMS (Institut für mikroelektronische Schaltungen) an der Finkenstraße in Neudorf ausgehen.

In den Reinräumen der Technikumsanlage entwickeln die Fraunhofer-Ingenieure im IMS wenige Millimeter große Mikrochips, etwa für die Autoindustrie. Hunderte dieser Bauteile passen auf die acht Zoll großen und einen Millimeter dicken Scheiben, sogenannte Wafer, die seit dreißig Jahren in Duisburg hergestellt werden. Für ihre Beschichtung werden im Produktionsprozess Stickstoff und organische Lösungsmittel eingesetzt.

Klage vor dem Verwaltungsgericht

Zu grell sei das Licht von der beleuchteten Fensterfront, der Lösungsmittelgeruch in der Abluft reize Augen und Schleimhäute, auch den Lärm durch den Lieferverkehr für die Betankung der Anlagen kritisieren die Anwohner. Vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf war schon 2012 eine Klage gegen die Tanks und die Abluftanlagen gescheitert. Deren Errichtung hinter dem Gebäude sei nicht „rücksichtslos“, Immissionsgrenzwerte würden eingehalten, urteilten die Richter (AZ: 24 K 161/11), das Oberverwaltungsgericht Münster bestätigte dieseAnsicht im Februar 2013 (AZ: 2 A 651/12).

Auch das Umweltamt stellte nach erneuten Messungen keine Grenzwert-Überschreitungen fest. Obwohl die Anlage keine Genehmigung nach Immissionsschutzgesetzt benötigt, so betont die Behörde, müsse sie doch die Vorgaben für den Schutz des Wohngebietes in der Nachbarschaft erfüllen.

Das sei allerdings gegeben: Die zulässigen Richtwerte für die die mittlere Beleuchtungsstärke (1 Lux zwischen 22 und 6 Uhr) werde in der Nacht nicht überschritten. Auch deutliche wahrnehmbare anlagentypische Gerüchte gebe es nicht oberhalb der Grenze von zehn Prozent der Jahresstunden. Das Umweltamt verweist darauf, dass das Institut nach Bekanntwerden der Beschwerde die Abluftanlage freiwillig mit weiteren Aktivkohle-Filtern nachrüstete. Schließlich habe eine nächtliche Schallpegel-Messung ergeben, das der Lärmrichtwert (40 dB/A) nicht überschritten wird. Der Höchstwert beim Lärm, den der Tankverkehr verursacht, werde selbst bei einer Verdopplung nicht überschritten. Das Resümee der Behörde: „Der Schutzanspruch der Nachbarschaft gegen schädliche Umwelteinwirkungen stellt das Fraunhofer-Institut sicher.“