Frauen entdecken jetzt Duisburg auf zwei Rädern

Die Diplome gab’s von den ADFC-Trainern Volker Volländer und Horst Rayen (hinten v.r.), die Absolventinnen bedankten sich mit einem Frühstück.
Die Diplome gab’s von den ADFC-Trainern Volker Volländer und Horst Rayen (hinten v.r.), die Absolventinnen bedankten sich mit einem Frühstück.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Bis vor kurzem konnten die Teilnehmerinnen eines ADFC-Kurses in Hochheide nicht Radfahren. Jetzt bekamen sie die Diplome von ihren Trainer, die kaum weniger stolz sind als sie selbst.

Duisburg.. Der Start ist das schwierigste. Das Gleichgewicht halten, wenn beide Beine den Boden verlassen haben, Druck aufs Pedal bringen, damit das Rad Fahrt aufnimmt, Lenker und Gabel aufhören nach rechts und links zu schlackern. Und dann: ein jauchzender Jubelschrei. Ich kann’s! Ich fahre Rad!

„Das ist das Schönste“, beschreiben Horst Rayen und Volker Volländer das Glücksgefühl, das auch die beiden Fahrrad-Trainer des ADFC beschleicht, wenn ihre Schülerinnen am Ziel sind. Zwei Wochen lang haben sie jeden Tag mit zehn Frauen geübt, jetzt haben sie den stolzen Neu-Mitgliedern der Radfahrer-Gemeinde ihre Zertifikate übergeben.

Aufgeben ist keine Option

Sport ist wichtiger Bestandteil der intensiven „Mütterarbeit“ des Kinder- und Jugendtreffs, den es seit 2008 im ersten Stock des „Weißen Riesen“ an der Ottostraße 64 in Homberg-Hochheide gibt. „Mittwochs machen wir ein gesundes Frühstück, vorher startet unsere Laufgruppe zum Uettelsheimer See“, berichtet Leiterin Gülgün Teyhani. „Im Gespräch sind wir darauf gekommen, dass viele gar nicht Radfahren können, es aber gern lernen würden.“

Sogenannte „Heiratsmigrantinnen“ sind die meisten der Frauen. Auf einen Zweirad haben sie als Kinder in ihrer türkischen, kurdischen, arabischen und irakischen Heimat nie gesessen. „Jetzt würde sie gern, weil sie mit ihren Kindern einen Ausflug machen möchten, oder weil es mit dem Rad zum Einkauf wesentlich schneller geht als mit dem Auto“, erklärt Ayse Erkem aus dem Kinder- und Jugendtreff.

Laufräder ohne Pedalen zum Einstieg

Als Zwei-Wochen-Projekt hat Volker Volländer dem Kurs angelegt, der ADFC-Trainer aus Moers ist erklärter Anhänger der kompakten Form: „Wenn die Abstände zu lang sind, verlernen die Teilnehmer in der Zwischenzeit.“ Dabei: Einige der Frauen haben schon einige gescheiterte Versuche hinter sich, wie Ayse Erkem berichtet. „Sie haben mit ihren Männern geübt. Irgendwann haben sie aufgegeben. Die Frauen – oder die Männer.“

Aufgeben, das war im Kurs auf dem Hof der Homberger Schule In den Haesen dann keine Option mehr. „Die waren richtig ehrgeizig“, berichtet „Fahrlehrer“ Horst Rayen, „obwohl einige gefallen sind und einige Wunden mit Pflaster verarztet werden mussten.“

Die Geräte für den sanften Einstieg hatte Volker Volländer dabei: Laufräder ohne Pedalen , die mit den Füßen bewegt werden, hat der ADFC Moers für diesen Zweck vor einigen Jahren angeschafft. „Für die Entwicklung des Gleichgewichtsgefühls ist das besonders für Erwachsene genau das Richtige“, findet er.

„Jetzt ist es wie fliegen“

Die Erfahrung der Frauen bestätigt seine Beobachtung. „Zunächst hatte ich große Angst, die ersten drei Tage waren sehr schwierig“, sagt Eda Özdemir, „dann war es eigentlich ganz einfach.“ Selbst in den Straßenverkehr traut sich die junge Frau nun, die als Kind nie radeln lernte, jetzt plant sie Ausflüge mit der Familie. „Jetzt ist es wie fliegen“, berichtet Eda Özdemir begeistert.

„Ich werde mit den Kindern fahren“, sagt auch Filis Karamani, auf eine Tour in den Wald freut sich Ronahi Ahmed, auch sie eine Anfängerin, die durch den Kurs den Spaß am Radfahren entdeckt hat. Der Start ist bei einigen noch ein wenig wacklig. „Rechts ran, Nase hoch uuuund treten“, ruft Volländer, als die Gruppe fürs Foto zur Runde um den Block aufbricht. Auf den ADFC-Zertifikaten, die Volker Volländer verteilt, prangt auch ein kleiner Schutzengel – der kann nicht schaden.