Frau Bach kommt auch vor
24.11.2009 | 11:02 Uhr 2009-11-24T11:02:05+0100Der neue Ballettchef Martin Schläpfer stellt sich mit der "Kunst der Fuge" vor.
„Es sind sicher nicht alle glücklich”, antwortet Martin Schläpfer bescheiden auf die Frage, ob das Düsseldorfer Ballettpublikum den Schnitt von Youri Vamos zu ihm schon verkraftet hat. Aber die Zahlen und Reaktionen sprechen für sich: Mehr Ballett-Abonnenten, mehr Mitglieder im Verein der Ballettfreunde, großer Jubel und hymnische Kritiken nach seinem Einstand im Oktober mit „b.01”, als Choreographien von Schläpfer und Hans van Manen vorgestellt wurden. „Das hat geholfen. Inzwischen gibt es Momente des Gefühls, dass ich die Sache in den Griff kriege und mir nicht alles davon läuft”, sagte er gestern nach ungefähr 100 Tagen Amtszeit. Und auch das 48-köpfige Ensemble finde sich zusammen. Die Teilung zwischen Solisten und Corps hat er aufgehoben.
Mit der „Kunst der Fuge”, seiner ersten abendfüllenden Choreographie, stellt sich der neue Ballettdirektor am 5. und 6. Dezember in Duisburg vor (Beginn: Samstag 19.30, Sonntag 15 Uhr). Geht man nach dem Zuspruch, den die öffentliche Probe am Tag der offenen Tür gefunden hat, ist auch hier die Neugier groß.
Für seine Auseinandersetzung mit Johann Sebastian Bachs letzter, unvollendet gebliebener Komposition am Mainzer Ballett erntete Schläpfer Begeisterung. Einige Segmente habe er neu choreographiert, anderes müsse angepasst werden, sagte er gestern. Grundsätzlich entwickle man ein Stück weiter. Die Kontrapunktik aber bleibt.
Schläpfer lässt Bachs Musik von verschiedenen Instrumenten spielen – 90 Minuten Cembalo oder Streichquartett wäre „zu anspruchsvoll gewesen – für mich und für das Publikum”: Flöten, Streicher, Saxophon, Cembalo und Klavier – Ensembles wie Solisten – lassen das Werk immer wieder anders klingen. „Kein Fruchtsalat, aber es gibt unglaubliche Farben.”
Als er die „Kunst der Fuge” angegangen sei, habe es ihn gereizt, „das Unmögliche zu wagen”, so Schläpfer. Die Choreographie versuche nicht, das Werk nachzuzeichnen, sondern Tanz und Musik bildeten ein eigenes theatrales Feld. Zu den Bildern hätten ihn inspiriert das Wort „fuga” – fliehen; vor allem aber die Musik: der barocke Effekt oder ihre Geschwätzigkeit. „Und Frau Bach taucht auch auf”, so Schläpfer. „Ich spiele mit der Wertigkeit und der Alltäglichkeit dieses Heiligtums.”
Die Bühne von Thomas Ziegler schafft einen Raum wie im Chor einer romanischen Kirche. Die Kostüme von Catherine Voeffray bestehen aus Spitzenstoff. Getanzt wird barfuß, mit Schläppchen, Spitzenschuhen und Pumps.
Zum Blick in die „Werkstatt” laden Martin Schläpfer und seine Compagnie am Sonntag, 29. November, um 11 Uhr ins Theater ein. In Probenausschnitten und Gesprächen mit Ballett-Dramaturgin Anne do Paco wird das Werk näher gebracht. Eintritt frei.

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