Frank Noroschat ist der Helfer für Geflüchtete in Duisburg

Zwischen Flüchtlingen dürfe nicht differenziert werden, findet Frank Noroschaft, einer der Sprecher des Duisburger Flüchtlingsrats.
Zwischen Flüchtlingen dürfe nicht differenziert werden, findet Frank Noroschaft, einer der Sprecher des Duisburger Flüchtlingsrats.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Vor 30 Jahren half Frank Noroschat in Berlin Flüchtlingen. Im Duisburger Flüchtlingsrat ist er aktiv, „um ihn hoffentlich überflüssig zu machen“.

Duisburg.. Ungläubig steht ein junger Student inmitten eines Berliner Schrebergartens. Er kann es nicht glauben, dass sich Menschen dort verstecken müssen, obwohl sie unglaubliches Leid erfahren mussten. Die Frage, die sich dem jungen Mann aufdrängt: Warum lässt es die Bundesrepublik Deutschland zu, dass Menschen, die aus ihren Heimatländern vertrieben worden sind, in diesem Land keinen Schutz finden, hier als Illegale abgestempelt werden, wie er findet.

Der Student, den diese Gedanken Ende der 80er Jahre umtreiben, ist Frank Noroschat. Er fasst den Entschluss, sich für Flüchtlinge einzusetzen. Damals in Berlin und heute in Duisburg, wo er sich im Flüchtlingsrat engagiert. Der gebürtige Norddeutsche hat dazu beigetragen, dass die Arbeit dort zuletzt wieder intensiviert wurde – etwa nach der Diskussion um eine Zeltstadt vor einigen Monaten.

Nicht nur Symbolpolitik

„Ich bin aus dem Grund im Flüchtlingsrat, um ihn hoffentlich bald überflüssig werden zu lassen. Es geht darum, eine gute Basis zu schaffen, damit die Geflüchteten irgendwann für ihre eigenen Rechte einstehen können“, sagt der Geisteswissenschaftler und Sozialpädagoge im Vorruhestand. Nun nutzt er seine Zeit, um täglich viele Stunden mitzuhelfen, verschiedene Institutionen in Duisburg zu vernetzen, auf politische Missstände aufmerksam zu machen und öffentlichen Druck zu erzeugen.

Zwei Dinge seien für eine effektive Flüchtlingshilfe wesentlich. Einerseits dürfe die Politik im Bund, aber vor allem vor Ort, nicht nur Symbolpolitik betreiben, sagt Noroschat. Sie müsse handeln und dazu die kritischen Stimmen in der Gesellschaft anhören.

"Private Wohnungen sind die beste Lösung"

„Das sind solche, die nicht sagen, dass es zum Beispiel keine alternative Unterbringungsmöglichkeiten gibt. Sie sind solche, die sich nicht damit zufrieden geben, ,Massenunterkünfte’ wie momentan in Meiderich weiterhin bestehen zu lassen“, erklärt der 55-Jährige. „Wir, der Flüchtlingsrat, sind der Meinung, dass die beste Lösung private Wohnungen sind , in denen die Geflüchteten genug Freiraum und vor allem Privatsphäre bekommen.“

Darüber hinaus sei eine differenzierte Berichterstattung der Medien wichtig. Vor allem bei sogenannten „Wirtschaftsflüchtlingen“ müsse sehr genau hingeschaut werden, welche Probleme wirklich existieren und aus welchen Gründen sie nach Deutschland kommen. „Die Debatte über sichere Herkunftsländer ist ein unglaublich leidiges Thema“, sagt der Duisburger. „Denn ,sicher’ ist ganz bestimmt kein Land, in dem systematische Diskriminierung und Verfolgung, wie zum Beispiel der Roma, auf der Tagesordnung stehen. „Aber das sind eben die ,ungewollten’ Flüchtlinge. Da tun die Medien auch einiges für, um das Bild von chaotischen Menschen, die sich nicht integrieren wollen, aufrechtzuerhalten. Man sollte nicht zwischen Geflüchteten differenzieren.“

Noroschat ist überzeugt, dass mehr für Asylbewerber und Geflüchtete getan werden muss. Er engagiert sich dafür gerne unentgeldlich, wünscht sich aber, dass zumindest einige ehrenamtliche Tätigkeiten in diesem Bereich bezahlt werden – damit diese Arbeit attraktiver und noch mehr getan wird.