„Flüchtlinge gehören zur Menschheitsgeschichte“

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Adam und Eva wurden vertrieben (aus dem Paradies), Maria und Josef mussten mit Jesus fliehen (vor König Herodes) und auch der Prophet Mohammed war gezwungen, seine Heimat zu verlassen (womit die Zeitrechnung der Moslems begann): Flucht und Vertreibung seien so alt wie die Menschheit, erläuterte Zehra Yilmaz, Leiterin der Landesasylunterkunft in Neumühl. Die gläubige Muslimin, die evangelische Theologie studiert hat, sprach am Mittwochabend beim Jahresempfang der Katholischen Kirche und Caritas im Neudorfer Gabrielhaus.

„Gott führt mich! - Sind wir nicht alle Flüchtlinge?“ war ihr Thema, und sie erinnerte daran, dass Flucht kein fernes Thema ist, dass Deutsche vor gar nicht langer Zeit vor den Nazis fliehen mussten oder nach dem Krieg zu Millionen aus ihrer Heimat vertrieben wurden und darauf angewiesen waren, in der Fremde nicht abgewiesen zu werden.

„Fliehen ist in die Menschheitsgeschichte eingeschrieben“, so Zehra Yilmaz vor Vertretern aus Kirche, Politik und Gesellschaft: „Heute führt Gott Tausende von Menschen zu uns.“ Die kommen unter anderem nach Neumühl ins ehemalige St. Barbara-Krankenhaus, dessen Aufnahmekapazität von 450 auf 600 Bewohner aufgestockt werden musste. Ihre Erfahrung mit den Ankömmlingen: „Keiner verlässt sein Heim und sein Land, wenn es ihm dort gut geht.“ Sie appellierte eindringlich, diesen Menschen, die oft Leben und Gesundheit bei ihrer Flucht nach Europa riskiert haben, zu helfen: „Wir sollten nicht vor der Verantwortung flüchten.“

Zuvor hatte Stadtdechant Bernhard Lücking auf die vielfältige Zusammenarbeit der unterschiedlichen Konfessionen und Religionen gerade in Duisburg verwiesen und ganz konkret die Vielfalt der Menschen in seiner Gemeinde herausgestellt: „Ich hätte keine Gemeinde mehr, gäbe es keine Zuwanderer.“ Bei der jüngsten Erstkommunion seien Kinder von vier Kontinenten dabei gewesen. Lücking: „Ohne Zuwanderer hätten wir kaum noch katholisches Leben.“

Kein Verständnis hat Lücking für die Rechten, die immer wieder in Duisburg auftauchten. Dankbar habe er dagegen registriert, wie viele Menschen an der Anti-Pegida-Kundgebung teilgenommen hatten: „Mir hat diese Demonstration viel Mut gemacht.“