Finanzielles Engagement

Herr Winterberg, als Pfarrer hat Nächstenliebe für Sie eine besondere Bedeutung. Wer liegt Ihnen näher – die Flüchtlinge oder die Sorgen der Neuenkämper?

Ich habe beides im Blick. Ich nehme die Sorgen und Ängste der Menschen Ernst. In Gesprächen mit Älteren erinnert sich der eine oder andere an seine eigene Flüchtlingsgeschichte. Und bei Jugendlichen verweise ich auf die Erlebnisse, die die Großeltern haben. Nicht ohne Grund heißen die Straßen hier Ottweiler oder Neunkirchener Straße, Orte aus dem Saarland, von wo Menschen zu Beginn des letzten Jahrhunderts nach Neuenkamp kamen.

Schilling: Wir müssen Begegnungen zwischen den Menschen organisieren. Da muss mal der Bürgermeister in die Unterkunft gehen oder die Asylbewerber müssen den Neuenkämpern bei Aktivitäten helfen.

Winterberg: Begegnungen schaffen Verständnis. Ich hatte einen Fall in der Gemeinde, da hatte ein Mitbewohner große Befürchtungen, als eine Flüchtlingsfamilie in sein Haus einzog. Ein paar Wochen später habe ich ihn wiedergetroffen. Als er gesehen hat, wie die Menschen leben und dass ein paar elementare Dinge im Haushalt fehlen, hat er sich für die Familie eingesetzt. Ein anderes Gemeindeglied ist ehemaliger Lehrer. Er gibt nun Sprachkurse. Wir dürfen nicht vergessen, dass bereits Flüchtlinge in Wohnungen in Neuenkamp leben. Die werden wie selbstverständlich im Sozialzentrum Mittendrin mitbetreut.

Wie sieht’s mit finanzieller Unterstützung aus?

Winterberg: Die Kirchengemeinde Alt-Duisburg hat 15 000 Euro für die ehrenamtlichen Helfer zur Verfügung gestellt. Mit dem Geld sollen Telefon- und Fahrtkosten ersetzt werden. Wie wir uns darüber hinaus engagieren, wollen wir im Presbyterium noch beraten.

Haben Sie einen Wunsch für die Zukunft?

Schilling: Mit der Neuenkamper Erklärung haben wir deutlich gemacht, dass bei uns Flüchtlinge willkommen sind. Aber es fehlt ein geistiger Überbau, eine Erklärung für ganz Duisburg. Damit die Ehrenamtlichen auch wissen, dass wir nicht nur dabei helfen, eine Flüchtlingsquote zu erfüllen. Asyl ist eines der Topthemen in Duisburg, aber die Parteien äußern sich kaum dazu.

Winterberg: Als Kirche und Diakonie waren wir führend bei den Anti-Pegida-Demos vor dem Theater dabei und haben deutlich gemacht, dass wir uns engagieren.