Feuerwehr Duisburg will keine weiteren Tempo-30-Zonen

Die Feuerwehr befürchtet, bei vielen 30er-Zonen in der Stadt, die Hilfsfrist von acht Minuten nicht mehr einhalten zu können.
Die Feuerwehr befürchtet, bei vielen 30er-Zonen in der Stadt, die Hilfsfrist von acht Minuten nicht mehr einhalten zu können.
Foto: Stadt Bochum, Presseamt
Was wir bereits wissen
Um Anwohner vor Verkehrslärm zu schützen, will die Stadt Duisburg zahlreiche Straßen zu Tempo 30-Zonen erklären. Doch die Feuerwehr lehnt das ab, denn das könnte zu Lasten der Sicherheit gehen. Die Lösch- und Rettungsfahrzeuge bräuchten länger zum Einsatzort.

Duisburg.. Die Stadt steht unter Zugzwang. An 150 Stellen in der Stadt macht der Verkehr zu viel Lärm. Künftig muss es an diesen „Belastungsschwerpunkten“ leiser werden. Eine EU-Richtlinie zwingt die Stadt zum Handeln. Doch die Möglichkeiten sind begrenzt. Flüsterasphalt ist teuer, ebenso Schallschutz-Wände oder -Fenster. Die günstigste Lösung: Tempo 30-Zonen.

Rollt der Verkehr langsamer, wird es auch leiser. Die Umsetzung kostet nur ein paar Schilder, pro Zone rund 1500 Euro. Diese Lösung wird zum Regelfall in den „Lärmaktionsplänen“, die die Stadt für jeden einzelnen Stadtteil aufstellt. Es gilt die Faustregel: Wo es zu laut ist, wird der Verkehr verlangsamt. Doch es gibt ein Problem mit den vielen neuen Tempo 30-Zonen: Der Lärmschutz könnte auf Kosten der Sicherheit gehen.

Modellversuch im Süden

Viele der Straßen gehören zum sogenannten „Vorbehaltsnetz“, sprich: zu den Straßen, die von der Feuerwehr genutzt werden, um möglichst schnell ihren Einsatzort zu erreichen. Der Konflikt wird jetzt am Beispiel der Sittardsberger Allee deutlich. Auf der Straße im Süden will die Stadt zwischen der Anschlussstelle Buchholz und der Düsseldorfer Landstraße das zulässige Tempo nachts von 50 auf 30 Stundenkilometer drosseln. Es soll das „Pilotprojekt innerhalb des Vorbehaltsnetzes der Stadt“ werden, heißt es aus dem Rathaus.

Doch die Feuerwehr widerspricht in ihrer Stellungnahme: Sie lehnt die Tempo 30-Zone ab. Die Sittardsberger Allee sei „eine wichtige Verbindung“, der Bereich werde bei Einsätzen regelmäßig befahren, argumentieren die Retter. Die Geschwindigkeit im Vorbehaltsnetz müsse mindestens 50 km/h betragen, weil auch Einsatzfahrzeuge das vorgeschriebene Tempo „nicht wesentlich“ überschreiten dürften.

Anfahrt dauert länger

Im Notfall würde sich also die Anfahrt zum Einsatzort verlängern. „Bereits zum heutigen Zeitpunkt kann die vorgegebene Hilfsfrist im Bereich der Feuerwache Buchholz nicht in allen Bereichen eingehalten werden“, heißt es in der Stellungnahme.

Die Stadt hält das offenbar für wenig dramatisch. Das reduzierte Tempolimit führe „nicht prinzipiell zu einer Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit der Feuerwehr“, da für Einsatzfahrten Sonderrechte gelten würden. Zudem sei die Straße nachts nicht so stark befahren, so dass die Einsatzzeiten nicht länger würden als tagsüber, heißt es.

„Jeden Einzelfall prüfen“

Die Situation bleibt strittig und wäre sie ein Einzelfall, hielte sich die Dramatik vermutlich noch in Grenzen. Aber was passiert, wenn die unzähligen Tempo 30-Zonen allesamt umgesetzt werden? Auf den meisten Straßen soll die Geschwindigkeit nicht nur nachts, sondern auch tagsüber reduziert werden. Und seitdem es nur noch sechs statt sieben Feuerwehr-Wachen gibt, ist die Vorschrift, in acht Minuten am Einsatzort zu sein, ohnehin nur gerade eben zu erfüllen. In Außengebieten wie Baerl oder Rumeln fährt deshalb auch die Freiwillige die Ersteinsätze.

Bei der Feuerwehr will man sich zu möglichen, künftigen Szenarien nicht äußern. Stadtsprecherin Anja Huntgeburth sagte auf NRZ-Nachfrage: „Jeder Einzelfall muss kritisch geprüft werden“. Zudem gebe es keine Geschwindigkeitsbegrenzung für Einsatzfahrzeuge. Sie könnten so schnell fahren, wie es der Verkehr es zulässt.

Es wird wohl ein Abwägungsprozess bleiben: zwischen dem Lärmschutz für die Anwohner und der Sicherheit der Bevölkerung. Das letzte Wort hat bei jedem einzelnen Fall der Stadtrat. Das erste Mal entscheiden muss er sich Ende Juni.