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FDP will Abwahl von Sauerland beschleunigen

02.08.2010 | 19:01 Uhr
FDP will Abwahl von Sauerland beschleunigen
Nur der Duisburger Rat kann die Abwahl des Oberbürgermeisters in Gang bringen. (Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool)

Duisburg.Die FDP will eine vorgezogene Sondersitzung des Stadtrates beantragen und so die Abwahl Sauerlands beschleunigen. Als Termin wird der 30. August anvisiert. Mindestens zwei Drittel der Ratsmitglieder müssen der Abwahl zustimmen.

Nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten will die Duisburger FDP die Abwahl des dortigen Oberbürgermeisters Adolf Sauerland (CDU) beschleunigen. Die Fraktion beantrage daher eine vorgezogene Sondersitzung des Rates, sagte Fraktionsgeschäftsführer Thomas Wolters am Dienstag und bestätigte damit einen Bericht der „Rheinischen Post“. In dem Antrag werde für die Sitzung der 30. August vorgeschlagen, weil dieser nach der Ferienzeit liege und die meisten Abgeordneten dann aus dem Urlaub zurückgekehrt sein dürften.

Die nächste reguläre Ratssitzung sollte am 4. Oktober sein. FDP-Fraktionschef Wilhelm Bies sagte aber der „Rheinischen Post“, die Stadt brauche zügig eine neue Führung. Neben der FDP haben sich auch Linkspartei und SPD in Duisburg für eine Abwahl des Stadtoberhaupts ausgesprochen. Sauerland selbst hatte am Montag erklärt, er werde sich einer Abwahl stellen, aber nicht selbst zurücktreten.

Nur der Rat kann die Abwahl in Gang bringen

Das Verfahren zur Abwahl eines Oberbürgermeisters kann nur der Rat in Gang bringen. Dazu müssen zunächst die Hälfte aller Ratsmitglieder den Antrag zur Abwahl des Oberbürgermeisters stellen.

Politik
„Wir sind nicht kopflos“

Beim Rücktritt eines Oberbürgermeisters greift die Regelung, die vor der Reform der Gemeindeordnung (die aus dem OB auch den Verwaltungschef machte) galt: Die Doppelspitze aus Stadtdirektor als Chef der Verwaltung einerseits und Bürgermeister als Chef des Stadtrates andererseits. Das hätte für Duisburg bedeutet, dass sich Umweltdezernent Dr. Peter Greulich (Grüne) und Benno Lensdorf (CDU) die Aufgaben von Adolf Sauerland geteilt hätten.

Nachdem sich der Oberbürgermeister aber weiterhin weigert, die politische Verantwortung für die Loveparade-Katastrophe zu übernehmen und sich lediglich dem langwierigen Abwahl-Verfahren stellt, bleibt die Frage, wer zur Zeit die Fäden der Stadtverwaltung zusammen hält. „Es gibt Menschen, die behaupten, die Verwaltung sei kopflos. Ich verstehe die Sorgen, aber wir sind überhaupt nicht kopflos; das Tagesgeschäft läuft rund um die Uhr“, sagt Kulturdezernent Karl Janssen. „Der Oberbürgermeister ist stark belastet, aber er wird flankiert. Und jetzt ist ja auch der Stadtdirektor zurück gekehrt“, so Janssen, der übrigens (aus inhaltlichen Gründen) die Loveparade abgelehnt hatte.

Er sehe seine Rolle darin, sein Dezernat zu führen „und Gesamtverantwortung mitzutragen“. Janssen: „Jetzt ist die Zeit zusammenzuarbeiten.“ Ein offenes Geheimnis ist, dass es um die Zusammenarbeit zwischen den Dezernenten-Riege nicht immer gut bestellt war. Und auch nicht alle sind an Bord. So gilt Stadtkämmerer Dr. Peter Langner als unerreichbar.

Im Rathaus arbeiteten „gute Leute, die ihre Arbeit machen“, beteuert Karl Janssen.

Adressat ist dann allerdings der „allgemeine Vertreter“. In Duisburg ist dies Stadtdirektor Dr. Peter Greulich. Hintergrund ist laut dem Kommentar zur Gemeindeordnung, dass kein Beamter an einem Verfahren mitwirken darf, das sich gegen ihn selbst richtet.

Der Antrag muss von allen Ratsvertretern, die ihn unterstützen, unterschrieben werden. Eine Begründung ist nicht nötig. Anschließend erfolgt eine 14-tägige Frist, die verstreichen muss, bis es zur Abstimmung über diesen Antrag im Rat kommt. Bis dahin besteht auch die Möglichkeit, den Antrag zurückzuziehen.

Ferner bestünde die Möglichkeit, dass der Rat mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit beantragt, dass die Aufsichtsbehörde für die Dauer des Abwahlverfahrens das „Ruhen der Amtsgeschäfte des Bürgermeisters“ anordnet. Hintergrund: Das Abwahlverfahren kann auch bis zu drei Monaten dauern.

Namentliche Abstimmung

Die Ratssitzung, in der über die Abwahl des Oberbrügermeisters entschieden werden soll, wird von seinem ehrenamtlichen Stellvertreter geleitet. Das wäre in diesem Fall Benno Lensdorf (CDU). In der Sitzung gibt es keine Aussprache, die Abstimmung erfolgt namentlich in öffentlicher Sitzung. Der Oberbürgermeister darf weder an der Sitzung noch an der Abstimmung teilnehmen.

Im Rat benötigt der Antrag dann zwei Drittel der gesetzlichen Zahl der Ratsmitglieder, damit er angenommen wird. Bislang haben sich nur SPD (30), Grüne (6), Linke (6) und FDP (3) eindeutig für Rücktritt bzw. Abwahl ausgesprochen. Das würde für den Antrag zunächst reichen, aber nicht für eine Zwei-Drittel-Mehrheit für eine Entscheidung.

Die Sitzverteilung im Rat.

Die Duisburger Wählergemeinschaft verfügt über 3 Stimmen, die CDU über 25. Hinzu kommt Knut Happel (fraktionslos). Für die Abwahl sind 50 Stimmen nötig, also müsste auch mindestens ein CDU-Vertreter für die Abwahl stimmen falls der Antrag auch von Happel und der DWG unterstützt würde. Kommt der Antrag durch hat der Oberbürgermeister die Möglichkeit, die Bürger über die Abwahl entscheiden zu lassen. Schließlich ist er nicht vom Rat, sondern von den Bürgern gewählt worden. Wenn an dieser Entscheidungswahl mindestens 25 % aller wahlberechtigten Duisburger teilnehmen und sich eine einfach Mehrheit der gültigen Stimmen für ein Verbleiben des Oberbürgermeisters im Amt ausspricht, wäre das Abwahlverfahren gescheitert.

Verzichtet der OB auf diesen Bürgerentscheid, muss er innerhalb einer Woche seinen Verzicht schriftlich mitteilen und scheidet aus dem Amt. (mit ap)

Alfons Winterseel und Anne Horstmeier

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Kommentare
08.08.2010
20:40
Nur der Rat kann die Abwahl in Gang bringen
von wolfgang klein | #208

Sieh auf zu den Sternen.
Gib Acht auf die Gasse.
-Wilhelm Raabe-

www.loveparade2010doku.wordpress.com

04.08.2010
22:39
Nur der Rat kann die Abwahl in Gang bringen
von Du sollst nicht luegen | #207

Datt Antschiiiee ist jetzt auch in Urlaub... die CDU braucht bei den nächsten Wahlen gar nicht mehr antreten...

04.08.2010
15:10
Nur der Rat kann die Abwahl in Gang bringen
von DifesSanoscri | #206

Journalisten
wissen hinterher alles besser
als andere vorher.

04.08.2010
09:58
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von DifesSanoscri | #205

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04.08.2010
09:58
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von DifesSanoscri | #204

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04.08.2010
09:58
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von DifesSanoscri | #203

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04.08.2010
09:58
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von DifesSanoscri | #202

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04.08.2010
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von DifesSanoscri | #201

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04.08.2010
09:58
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von DifesSanoscri | #200

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04.08.2010
09:58
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von DifesSanoscri | #199

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Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

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